Bildschirmzeit von Kindern hat sich „während der Pandemie verdoppelt“: So kann man sie wieder reduzieren

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Eine neue Studie hat ergeben, dass sich die Bildschirmzeit von Kindern während der Pandemie verdoppelt hat und noch immer nicht auf ein normales Maß zurückgegangen ist. (Getty Images)
Eine neue Studie hat ergeben, dass sich die Bildschirmzeit von Kindern während der Pandemie verdoppelt hat und noch immer nicht auf ein normales Maß zurückgegangen ist. (Getty Images)

Während der COVID 19-Pandemie waren Bildschirme wichtiger denn je: Die Schüler waren gezwungen, das Klassenzimmer gegenZoom einzutauschen, und viele berufstätige Eltern mussten auf Bildschirme zurückgreifen, um ihre Kinder während der wiederholten Lockdowns zu beschäftigen.

Kein Wunder also, dass neue Untersuchungen ergeben haben, dass sich die Bildschirmzeit von Kindern während der Pandemie verdoppelt hat und noch nicht wieder zurückgegangen ist.

Junge Menschen verbringen heute fast acht Stunden pro Tag mit Smartphones, Tablets und dem Fernseher, während es vor der Pandemie weniger als vier Stunden waren.

Und bei dieser Zahl ist die Zeit, die am Computer mit Schularbeiten verbracht wird, noch nicht berücksichtigt, so die Wissenschaftler.

Der Anstieg der Bildschirmzeit umfasst das Spielen von Videospielen, das Chatten in sozialen Netzwerken, das Schreiben von Nachrichten, das Surfen im Internet und das Ansehen oder Streamen von Filmen und Serien.

Obwohl Bildschirme während der Pandemie so etwas wie eine Notwendigkeit waren, befürchten Experten, dass diese Zunahme der Bildschirmzeit eine Reihe von gesundheitlichen Auswirkungen haben könnte.

„Übermäßiger Bildschirmkonsum bei Kindern und Jugendlichen wird mit physischen und psychischen Gesundheitsrisiken in Verbindung gebracht“, erklärt Mitautor der Studie, Dr. Jason Nagata von der California University.

Experten sind besorgt über die Auswirkungen einer erhöhten Bildschirmzeit. (Getty Images)
Experten sind besorgt über die Auswirkungen einer erhöhten Bildschirmzeit. (Getty Images)

Ein schlechterer psychischer Gesundheitszustand und größerer wahrgenommener Stress wurden mit einer höheren Gesamtbildschirmnutzung in Verbindung gebracht, während mehr soziale Unterstützung und Bewältigungsstrategien mit einer geringeren Gesamtbildschirmnutzung verbunden waren.

Die in der Fachzeitschrift JAMA Pediatrics veröffentlichte Studie basiert auf einer Umfrage von 5.412 Teilnehmern im Alter von 10 bis 14 Jahren, die ihre Bildschirmnutzung vor und während der Pandemie selbst einschätzten.

„Wir fanden heraus, dass die durchschnittliche tägliche Gesamtdauer der Bildschirmnutzung 7,7 Stunden betrug“, so Dr. Nagata weiter. „Dies ist höher als die Schätzungen von 3,8 Stunden vor der Pandemie.“

Doch trotz der allmählichen Beendung der Pandemiemaßnahmen und -beschränkungen deuten Studien darauf hin, dass der Anteil der Bildschirmnutzung hoch bleiben könnte.

Zu viel Bildschirmzeit kann das Risiko für Übergewicht, Aufmerksamkeitsprobleme, Angstzustände, Depressionen und Schlafstörungen bei Kindern erhöhen.

Neue Daten von über 120.000 chinesischen Schulkindern deuten darauf hin, dass sich die Kurzsichtigkeit bei den Sechs- bis Achtjährigen im Jahr 2020 verdreifachen wird – Experten gehen davon aus, dass dies darauf zurückzuführen ist, dass die Kinder zwischen Januar und Mai dieses Jahres zu Hause mit reinem Online-Lernen beschäftigt waren.

Die Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfehlen, dass Kinder im Alter von drei bis vier Jahren weniger als eine Stunde Bildschirmzeit pro Tag haben sollten.

Eine vom britischen Bundesamt für Kommunikation, OFCOM, im Jahr 2019 durchgeführte Umfrage ergab jedoch, dass mehr als die Hälfte der Drei- bis Vierjährigen mehr als acht Stunden pro Woche allein auf Youtube verbringen.

Wie du die Bildschirmzeit deines Kindes eindämmen kannst, jetzt, da das Leben wieder zur Normalität zurückgekehrt ist. (Getty Images)
Wie du die Bildschirmzeit deines Kindes eindämmen kannst, jetzt, da das Leben wieder zur Normalität zurückgekehrt ist. (Getty Images)

Was können besorgte Eltern jetzt also tun, um die Bildschirmzeit ihrer Kinder einzudämmen?

Wie du die Bildschirmzeit deines Kindes reduzieren kannst

Schaffe eine ausgewogene Spielroutine

Versuche, die tägliche Bildschirmzeit zu begrenzen oder gemeinsam Regeln für die Bildschirmzeit festzulegen, um eine ausgewogenere Routine zu schaffen. „Lege beispielsweise fest, wie lange und bis zu welcher Uhrzeit deinKind vor dem Bildschirm sitzen darf, und schaffe Möglichkeiten für andere Aktivitäten wie Lesen, Spielen im Freien oder persönliche Kontakte“, empfiehlt Gemma Campbell, Online-Beraterin bei Kooth, einer Gemeinschaft für psychisches Wohlbefinden. „Dies kann nützlich sein, um sicherzustellen, dass Kinder nicht ausschließlich von Bildschirmen abhängig sind.“

Dr. Amanda Gummer, Kinderpsychologin und Gründerin des Good Play Guide, betont, wie wichtig es ist, ein Gleichgewicht bei den Aktivitäten der Kinder zu finden. „Ein ausgewogenes Spielverhalten ist für das soziale und emotionale Wohlbefinden der Kinder ebenso wichtig wie eine gute Ernährung für ihre körperliche Gesundheit“, erklärt sie.

„Kinder brauchen viel soziales, aktives, phantasievolles und freies Spiel und das wird durch bildschirmbasierte Aktivitäten oft nicht gefördert.“

Grenzen der Bildschirmzeit einführen

Nach Ansicht von Dr. Alison McClymont sollte die Bildschirmzeit keine Konstante sein. „Wir sollten die Bildschirmzeit auf bestimmte Zeiträume am Tag oder als Belohnung begrenzen“, rät sie. „Die Forschung zeigt, dass die Bildschirmzeit insbesondere im Alter von unter fünf Jahren ernsthafte negative Auswirkungen auf das sich entwickelnde Gehirn haben kann. Je mehr wir ‚andere Dinge‘ nutzen, um die Bedürfnisse der Kinder zu befriedigen, desto häufiger verpassen wir die Gelegenheit, eine Verbindung zu ihnen herzustellen und ihnen etwas beizubringen.“

Finde eine alternative Beschäftigung

Dr. McClymont schlägt vor, statt der Bildschirmzeit eine alternative Aktivität anzubieten oder die Kinder zu bitten, eine solche vorzuschlagen. „Beginne ein Gespräch über ein Thema, von dem du weißt, dass es ihnen gefällt – das kann sogar die Wahl des Fernsehprogramms oder Spiels sein! Bitte sie um Hilfe bei einer Aufgabe und sage, dass die Bildschirmzeit danach stattfinden kann“, sagt sie.

„Alles, was sie dazu bringt, mit einem anderen Menschen in Kontakt zu treten und sich vom Bildschirm zu entfernen, ist eine positive Bestätigung der Idee, dass menschliche Interaktion notwendig ist.“

Sei konsequent

Lucy Shrimpton, Erziehungsexpertin und Gründerin von The Sleep Nanny, rät, sich an die Vorgaben für die reduzierte Bildschirmzeit zu halten. „Das bedeutet, dass man nicht ‚nein‘ zur Bildschirmzeit sagen und dann später nachgeben sollte, weil das Kind einfach lernt, dass man nachgibt. Es geht darum, klare Regeln aufzustellen und dem Kind zu zeigen, dass man es ernst meint.“

Denk daran, mit gutem Beispiel voranzugehen, wenn es um deine eigene Bildschirmzeit geht. (Getty Images)
Denk daran, mit gutem Beispiel voranzugehen, wenn es um deine eigene Bildschirmzeit geht. (Getty Images)

Mit gutem Beispiel vorangehen

Experten sind der Meinung, dass Eltern mit gutem Beispiel vorangehen müssen, damit ihre Kinder verstehen, wie wichtig eine bildschirmfreie Zeit ist.

„Eltern sind für ihre Kinder die Version des Normalen. Was immer sie tun, halten die Kinder für normales und sogar wünschenswertes Verhalten, so dass sie es wahrscheinlich nachahmen“, sagt die Forscherin für digitale Gewohnheiten und Wissenschaftlerin am King's College London, Dr. Rachael Kent. „Vielen Erwachsenen fehlt jedoch zunehmend die Fähigkeit, abzuschalten, wenn so viele Lebensbereiche über unsere digitalen Geräte gesteuert werden.“

Dr. Gummer rät Familien, Bildschirm-Pausen einzulegen. „Eltern sind für ihre Kinder die Version von Normalität. Was immer sie tun, halten die Kinder für normales und sogar wünschenswertes Verhalten, so dass sie es wahrscheinlich nachahmen“, fügt sie hinzu.

Versuche es mit technikfreien Hilfsmitteln

Wenn du Schwierigkeiten hast, eine bildschirmfreie Zeit durchzusetzen, gibt es einige Erfindungen, die dir dabei helfen können, z. B. Tech-Break. Dieses Gerät wurde speziell entwickelt, um die Zeit zu reduzieren, die Familien gemeinsam an ihren Geräten verbringen. Die Familien legen eine bestimmte Zeitspanne fest (zwischen einer und 24 Stunden), in der sie keine Bildschirme nutzen wollen, legen alle Geräte in den Tech-Break-Würfel, stellen den Timer ein und verschließen die Tür. Wenn die Zeit abgelaufen ist, werden die Geräte wieder freigegeben.

Dr. Gummer sagt, dass eine physische Lösung in Fällen helfen kann, in denen Kinder sich weigern, ihre Geräte abzugeben, oder in denen es den Eltern schwer fällt, abzuschalten.

„Wenn Kinder etwas Körperliches tun, z. B. ein Gerät an einem bestimmten Ort weglegen, kann das helfen, die Routine zu verarbeiten und zu verstärken“, sagt sie. „Kinder freuen sich über Routinen, denn sie geben ihnen Selbstvertrauen und verankern gesunde Gewohnheiten.“

Neben physischen Lösungen können Eltern auch Apps und Geräteeinstellungen verwenden, um die Bildschirmzeit für sich selbst und ihre Kinder zu begrenzen und sie daran zu erinnern, regelmäßig Pausen einzulegen.

Nicht alle Bildschirmzeit ist schlecht

Tatsächlich können einige digitale Plattformen, Fernsehprogramme und Spiele mit interaktiven Funktionen das Lernen, die Sozialisierung und vor allem den Spaß fördern. „Wie bei den meisten Dingen ist Mäßigung der Schlüssel“, fügt Campbell hinzu.

Marie Claire Dorking

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