Bin ich schneller betrunken, wenn ich durch einen Strohhalm trinke?

(Foto: Cover Images)

 

Es gibt sie, diese Mythen, die wir vor allem im Kreise unserer Freunde immer wieder wild diskutieren. Oftmals in geselliger Runde bei einem Glas Wein oder sogar Cocktail – und wenn wir diesen durch einen Strohhalm trinken, dann sind wir doch auch schneller betrunken. Oder?

Schneller im Blutkreislauf?
Früher durften die bunten Strohhalme auf keiner Kindergeburtstagsparty fehlen, später werden sie dazu genutzt, um Sex on the Beach und Co. aufzupeppen. Dass wir am nächsten Morgen dann mit dickem Kopf und Kater aufwachen, schreiben viele dem Umstand zu, dass der Alkohol durch die Röhrchen ja schneller ins Blut gelangt. Angeblich, weil die hochprozentige Flüssigkeit durch einen Halm länger mit der Mundschleimhaut in Kontakt gerät und darüber direkt ins Blut strömt. Der lange Weg über den Magen, Dünndarm und Leber werde so eingespart. Doch das sei so überhaupt nicht richtig.

Wissenschaftler Beweis fehlt
Erst einmal die Fakten: Die Mundschleimhaut ist nur 0,02 Quadratmeter groß. Dagegen ist die Dünndarmschleimhaut, über die der Alkohol nach dem Schlucken in den Blutkreislauf gelangt, bis zu 200 Quadratmeter groß. “Der Effekt, den man über die Aufnahme durch die Mundschleimhaut erzielt, ist deshalb zu vernachlässigen”, erklärte Michael Musalek
Ärztlicher Direktor einer großen Suchtklinik in Wien, gegenüber ‘Spiegel Online’. “Wissenschaftliche Studien zur Frage, ob durch den Strohhalm trinken schneller betrunken macht, gibt es nicht”, fügte er außerdem hinzu.

Optische Täuschungen
Doch es könnte einen anderen Grund geben, warum wir das Gefühl haben, Cocktails machen uns betrunkener. “Beim Trinken spielt die Ästhetik eine Rolle”, so Musalek. Aus einem schicken Cocktailschwenker genehmigen wir uns häufiger einen Schluck, als aus einer schweren Maß – deshalb trinke man das Bier auch langsamer.