Blick in den Keller: Wie wird die Heizung klimaneutral?

Berlin (dpa) - Nicht nur das Autofahren, auch das Heizen soll umweltfreundlicher werden. Damit in Deutschland beim Heizen weniger und eines Tages gar keine klimaschädlichen Gase mehr ausgestoßen werden, sind zwei Gesetze geplant, die viel miteinander zu tun haben: Ein Gesetz zur Wärmeplanung in den Städten und Gemeinden und das umstrittene Gesetz zum Austausch alter Öl- und Gasheizungen, das sogenannte Heizungsgesetz.

Bis als Folge der Gesetze neue Heizungsanlagen installiert werden, dürften oftmals noch viele Jahre vergehen. Viele Menschen machen sich trotzdem schon jetzt Gedanken, wie sie ihr Zuhause eines Tages beheizen werden - und was das kostet.

Ab wann sollen die Gesetze gelten?

Das noch nicht verabschiedete Heizungsgesetz (Gebäudeenergiegesetz) soll Anfang 2024 in Kraft treten und zunächst nur für Neubaugebiete gelten. Erst wenn eine kommunale Wärmeplanung vorliegt, sollen auch Eigentümer von Bestandsgebäuden verpflichtet werden, mit mindestens 65 Prozent erneuerbaren Energien zu heizen, wenn ihre alte Heizung kaputtgeht.

Förderungen für Neuanschaffungen sind geplant. Bis das alles soweit ist, dauert es noch etwas: Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern sollen laut Gesetzentwurf bis Mitte 2026 Zeit für ihre Wärmepläne bekommen. Alle anderen Kommunen sollen sie bis zum 30. Juni 2028 vorlegen.

Wie heizen die Bundesbürger momentan?

Weiterhin vor allem mit Gas. Laut einer Statistik des Energiewirtschaftsverbandes BDEW wurden 49,3 Prozent der gut 43 Millionen Wohnungen und Einfamilienhäuser im Jahr 2022 mit Erdgas beheizt. Allerdings ist der Anteil seit 2020 (49,5 Prozent) etwas zurückgegangen. Auf Platz zwei liegt weiterhin die Ölheizung mit 24,7 Prozent, auf dem dritten Rang rangiert die Fernwärme mit 14,2 Prozent. Zugelegt haben Elektro-Wärmepumpen. Lag ihr Anteil 2017 noch bei 2,0 Prozent, sind es mittlerweile 3,0 Prozent. Stromheizungen sorgten in 2,6 Prozent aller Wohnungen für Wärme. Auf sonstige Heizungsarten wie Holzpellets, Solarthermie oder Koks und Kohle entfielen 6,2 Prozent.

Was empfehlen Energieberater Hausbesitzern als beste Heizungsart?

Laut Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen lautet die Frage eher: «Welche Heizung passt zu Ihrem Haus?». Die Verbraucherschützer raten ganz allgemein zu umweltfreundlichem Heizen mit erneuerbaren Energien. «Der Wechsel zahlt sich dank attraktiver Förderprogramme oft schnell aus.» Außerdem machten die CO2-Abgabe und die gestiegenen Brennstoffpreise das Heizen mit fossilen Energien jedes Jahr deutlich teurer. Und einen grundsätzlichen Rat gibt es auch: «Planen Sie einen Heizungstausch frühzeitig, bevor Ihre Heizung kaputtgeht!»

«Es kommt vor allem auf das Baujahr des Hauses an», sagt Andreas Peeters, Landesinnungsmeister der nordrhein-westfälischen Schornsteinfeger. Bei Neubauten würden derzeit überwiegend Wärmepumpen eingebaut. Bei schon älteren Gebäuden werde es heikler. Bei jüngeren Gebäuden bis etwa Baujahr 1995 könnten noch Luftwärmepumpen eingebaut werden, vor allem, wenn schon eine Fußbodenheizung installiert sei. Bei älteren Gebäuden müsse etwas an der Gebäudehülle getan werden, bevor eine Wärmepumpe installiert werden könne. «Je besser gedämmt wird, desto effizienter kann eine Wärmepumpe arbeiten», sagt Peeters.

Was ist die billigste Art, ein Haus oder eine Wohnung zu heizen?

«Das lässt sich pauschal nicht sagen», sagt Peeters. Es komme auch hier auf das einzelne Gebäude an. Derzeit könnte durchaus eine hochmoderne Brennwertheizung, die mit Öl oder Gas laufe, oder auch eine Pelletheizung im Betrieb die günstigste Heizart sein. Allerdings gebe es Unsicherheiten bei den Preisen für Öl und Gas, und der CO2-Preis steige. Den Betrieb einer Wärmepumpe in Verbindung mit einer Photovoltaik-Anlage nennt Peeters «vernünftig». Allerdings dauere es viele Jahre, bis sich solch eine Kombination rechne.

Wie lange dauert es, ein neues Heizsystem zu installieren?

«Bis die letzte Komponente einer Anlagentechnik geliefert ist, dauert es sehr häufig annähernd ein Jahr», sagt Hans-Peter Sproten, Hauptgeschäftsführer des Handwerks-Fachverbandes Sanitär Heizung Klima (SHK) Nordrhein-Westfalen. «Wenn Sie heute einen Betrieb sehen, der eine Wärmepumpe einbaut, dann wurde diese plus/minus vor einem Jahr bestellt.» Ist das Material vollständig eingetroffen, könnten nochmals mehrere Wochen oder Monate bis zum Einbau vergehen, weil die Fachbetriebe ausgelastet seien.

Eine fossilbetriebene Heizungsanlage sei schneller getauscht oder modernisiert. «Die Lieferzeit bei Gasgeräten beträgt im Schnitt zwei bis drei und bei Ölkesseln fünf bis sechs Monate», sagt Sproten. Hinzu kommt aber wieder der Zeitraum, den man auf einen Montagetermin oder auf Zusatzkomponenten warten müsse.

Was kostet eine neue Heizung?

Das hängt von vielen Faktoren ab wie etwa der gewählten Heizungsart und der Gebäudegröße. Das gemeinnützige Klimaschutzportal CO2Online beziffert beispielsweise die Kosten einer Luftwärmepumpe auf 8000 bis 16.000 Euro, verweist aber gleichzeitig auf die Fördermöglichkeiten. Auch der Online-Heizkostenvergleich des Energiewirtschaftsverbandes BDEW nennt je nach Heizungsart oft fünfstellige Beträge etwa für Pelletanlagen oder Erdwärme-Heizungen.

Manche Eigenheimbesitzer stellen bei einem Tausch ihrer Heizung gleich auch ihre Stromversorgung um - und installieren eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach, deren Strom dann eine Luft-Wärmepumpe antreibt. Entsprechend höher sind dann die Kosten. Eine völlig andere Kalkulation wiederum ergibt sich, wenn das Gebäude künftig an ein Fernwärmenetz angeschlossen werden soll und damit keine eigene Heizungsanlage mehr benötigt.

Wie bereiten sich die Handwerksbetriebe auf die zu erwartende Nachfrage vor?

«Der Auftragsansturm begann bereits im Frühjahr 2023 und hält an», sagt Sproten. «Das SHK-Handwerk steht enorm unter Druck.» Jeder Kunde sorge sich um seine Bestandsanlage und die Auflagen und Kosten, die damit verbunden seien. «Es ist davon auszugehen, dass der Ansturm noch einmal größer werden wird, wenn die Fakten auf dem Tisch liegen.»

Es gebe wenig Möglichkeiten der Vorbereitung. «Der Arbeitsmarkt ist leergefegt, Fachkräfte rar und begehrt, die Gebäudestruktur in Deutschland heterogen und die zu verbauende Anlagentechnik im Einzelfall immer komplex», sagt Sproten. Wer könne, stelle Personal ein, übernehme Betriebe ohne Nachfolger und schmiede Allianzen mit befreundeten Betrieben.