Besondere Begabung: So erkennen Sie die Talente Ihres Kindes

Danke Mama

Ein Aufschrei ging durch die Bevölkerung, als die amerikanische Juraprofessorin Amy Chua öffentlich das Drillen ihrer Töchter, den strengen chinesischen Erziehungsstil und das Verbrennen von Kuscheltieren als Lernanreiz propagierte. Doch was sagen Experten heute zum Thema „Zwang funktioniert“ und „Talente erkennen und fördern“? Und wie sollen sich Eltern verhalten, wenn der Sohn der Beste im Fußballteam ist und die Tochter mit fünf Jahren erstaunlich gut singen kann? Wie man eine tatsächliche Begabung von elterlichem Ehrgeiz unterscheidet, wie man Talente des Kindes fördert und ab welchem Alter man damit beginnen sollte – darüber hat Yahoo mit dem Diplom-Sozialpädagogen Thomas von Krafft gesprochen.



Jeder Mensch hat seine Stärken und Schwächen. Während die einen besonders schnell und geschickt sind, können andere gut zeichnen oder rechnen. Die ersten Lebensjahre können darüber entscheiden, ob ein Kind Stärken bzw. Talente zu echten Fähigkeiten ausbauen kann. Zu großer Ehrgeiz der Eltern kann das Talent des Sprosses eher im Keim ersticken, als es zu fördern, meint Diplom-Sozialpsychologe Thomas von Krafft. Er leitet das IKOBE Institut für Kompetenz und Begabung in München.

Die Begeisterung des Kindes sollte gefördert werden
Eltern sollten laut von Krafft darauf achten, beim Erkennungsversuch besonderer Begabungen nicht die eigenen Wünsche auf das Kind zu projizieren. Das Kind sollte ohne Druck und Hintergedanken von klein auf beim Spielen, Turnen oder Musizieren beobachtet werden. Wo dann Begeisterung entsteht, können Hinweise auf besondere Talente gegeben sein. „Es ist daher vor allem wichtig dem Kind von Anfang an eine anregende und inspirierende Umgebung zu schaffen. Diese sollte es dem Kind ermöglichen, Bereiche für sich zu entdecken, die ihm Spaß machen.“

Vor dem sechsten bis achten Lebensjahr sollte sich ein Kind in möglichst vielen Bereichen ausprobieren und entwickeln dürfen: es sollte laufen, schwimmen, tanzen, singen, malen oder musizieren können. Dem Sozialpädagogen nach sollten Eltern ihre Energien vielmehr in die Schaffung dieser vorbereiteten Umgebung investieren, als das Kind zu Klavier- oder Tennisstunden zu nötigen, auf die es eventuell gar keine Lust hat.

Früher bestand die Meinung, dass Kinder möglichst früh bei einer bestimmten Sportart oder einem bestimmten Musikinstrument bleiben sollten. „Aktuelle Studien zeigen jedoch, dass früher Zwang bei Kindern eher schadet als nützt,“ so von Krafft. Beispiele wie der Erfolg des heute weltberühmten chinesischen Klavierspielers Lang Lang, der bereits im Alter von drei Jahren mit dem Klavierspielen begann, sind dem Sozialpädagogen nach nicht die Regel, sondern viel eher die Ausnahme. „Unter Druck verlieren Kinder meist ihre natürliche, intrinsische Begeisterung.“

Begabungen objektiv beurteilen
Eltern sollten sich ihre Schützlinge eher ohne Druck und Zwang auf breiter Ebene ausprobieren lassen, sehr genau beobachten und versuchen zu erkennen, was die Fähigkeiten des Kindes sind. Dabei sollte jedoch bedacht werden, dass man als Elternteil nicht auf allen Gebieten Experte sein kann. „Eltern sollten nicht von sich selbst erwarten, das wahre Talent ihres Kindes uneingeschränkt erkennen zu können,“ so Krafft. „So genannte Begabungschecks können beispielsweise dabei helfen, mögliche Begabungen in einer repräsentativen Gruppe objektiv zu vergleichen.“










Ab dem achten Lebensjahr kann dann zielgerechter vorgegangen werden. Ab diesem Zeitpunkt sind Kinder in ihrer Entwicklung soweit, dass besondere Fähigkeiten fokussiert und ausgebaut werden können. Letzten Endes schaffen nach Krafft aber die Eltern in der frühen Kindheit die Voraussetzungen dafür, ob ein Kind später mit Begeisterung bei der Sache bleibt

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