Gesundes ABC: So nehmen Sie Vitamine richtig ein

Sie gelten als wahre Wunderwaffe, wenn das Immunsystem nach Stärkung verlangt, die Abwehrkräfte erlahmen oder die Leistungskurve sinkt. Doch gerade in Pillenform richten Vitamine mehr Schaden an als bisher angenommen. Wir haben eine Ernährungswissenschaftlerin gefragt, was man bei der Zufuhr von Vitaminen — ob künstlich oder nicht — beachten sollte.

Angeblich tun Vitamine in Pillenform unserem Körper gut - stimmt das? (Bild: thinkstock)
Angeblich tun Vitamine in Pillenform unserem Körper gut - stimmt das? (Bild: thinkstock)

Kein Ersatz für Obst und Gemüse
Es ist ein Ernährungsmythos, der sich seit Jahren hartnäckig hält: Wer seinem Körper schnell und einfach etwas Gutes tun möchte, greift am besten zu Nahrungsergänzungsmitteln und Vitamin-Präparaten. Dabei reichen sie laut Expertin Silke Restemeyer von der "Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V." nicht ansatzweise an natürliche Nährstoff-Lieferanten wie Apfel, Brokkoli und Co. heran: "Sie können Obst und Gemüse nicht ersetzen, sie erzielen nicht die gleiche Wirkung."

Das liegt vor allem daran, dass Vitamine erst im Zusammenspiel mit sekundären Pflanzen- und Mineralstoffen ihre volle Wirkkraft entfalten — isoliert eingenommen jedoch unangenehme Nebenwirkungen haben können.

Das unterschätzte Risiko
Neuesten Erkenntnissen zufolge sind Vitaminpillen nämlich sogar schädlich für unseren Organismus. So legt eine Langzeitstudie europäischer und amerikanischer Ärzte — die so genannte "Iowa Women's Health Study" — nahe, dass vor allem Frauen von den Nährstofftabletten krank werden: Von knapp 39.000 beobachteten Probandinnen waren ausschließlich jene von einer erhöhten Sterberate betroffen, die im Verlauf der letzten 19 Jahren regelmäßig zu Nahrungsergänzungsmitteln gegriffen hatten.

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So scheint besonders bei Eisenpräparaten Vorsicht angesagt zu sein. Bei Frauen, die entsprechende Mittel zu sich genommen hatten, stieg die Sterberate um vier Prozent. Doch auch Männer sind vor den Nebenwirkungen der bunten Pillen nicht gefeit: Laut der Studie der amerikanischen Cleveland Klinik leiden Männer, die täglich Vitamin E einnehmen, unter einem 17 Prozent erhöhten Risiko, an Prostata-Krebs zu erkranken.

Ungefährlich sind Vitamin-Präparate also beim besten Willen nicht. Wissenschaftler sind sich übrigens darin einig, dass dies vorrangig einer automatischen Überdosierung der Stoffe zuzuschreiben ist. Schließlich enthalten künstliche Vitamin- und Mineralstoff-Tabletten an sich schon ein Mehrfaches der empfohlenen Tagesdosis — und werden noch dazu zusätzlich zu den normalen Mahlzeiten eingeworfen, die ja selbst Nährstoffe enthalten.

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Wer seinem Organismus dieses Zuviel über einen zu langen Zeitraum hinweg zumutet, riskiert seine Gesundheit, wie auch Ernährungswissenschaftlerin Silke Restemeyer bestätigt: "Die dauerhafte Zufuhr von überhöhten Vitamin-A-Mengen zum Beispiel kann unerwünschte Wirkungen wie Hautveränderungen haben und sogar zu Leberschädigungen führen."

Die gesunde Alternative
Mit natürlichen Vitamin-Lieferanten gehen Sie auf Nummer sicher. Denn zu viel Obst oder Gemüse kann man gar nicht essen! So empfiehlt Silke Restemeyer Sommer wie Winter eine ausgewogene Ernährung aus viel Gemüse, Obst und Getreideprodukten, am besten aus Vollkorn, regelmäßig Milch- und Milchprodukte sowie Fisch und eventuell Fleisch- und Wurstwaren in Maßen. Am besten sollten täglich drei Portionen Gemüse und zwei Portionen Obst gegessen werden. So beugt man auch Schnupfen und Husten vor: "Damit erzielt man einen gewissen Schutz vor Erkältungen. Ein spezielles Vitamin allein hilft jedoch nicht."

Aber keine Panik: Sollte Ihnen ihr Arzt ausdrücklich Vitamin-Präparate verschrieben haben, weil Sie zum Beispiel unter einem B12-Mangel leiden (tritt besonders häufig bei älteren Menschen auf), ist alles im grünen Bereich! Denn Onkel Doktor weiß im Zweifelsfall immer noch am Besten, was Ihrer Gesundheit gut tut.

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