Barfuß laufen: Fitness oder Folter?

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Bei jedem Schritt donnern über die Ferse etwa 50 Kilo Gewicht durch die Gelenke bis hinauf in die Schädeldecke. Zwar kann die Achillessehne bis zu einer Tonne Gewicht aushalten, trotzdem sind Fuß-, Knie-, Hüftgelenke und die Wirbelsäule ständig enorm belastet. Die Füße tragen uns im Laufe des Lebens fast viermal um den Globus. Die aus 26 Knochen, 27 Gelenken, 32 Muskeln und Sehnen, 107 Bändern, 90.000 Schweißdrüsen, 1.700 Nervenenden bestehenden Füße leisten Schwerstarbeit und meistens behandeln wir sie leider nicht so, wie sie es verdienen. Kann barfuß laufen das ausgleichen? Das sollten Sie darüber wissen.

Barfuß laufen: Super oder Unsinn? (Bild: Thinkstock)

Wie gesund ist barfuß laufen wirklich?

Immer mehr Menschen entdecken den Reiz des Barfußlaufens neu, genießen den bloßen Marsch in Barfußparks, auf Barfußpfaden und joggen auf FiveFingers- oder Barfußschuhen. Anatomisch und biologisch gesehen sind Menschen Ballengänger, die vom Vorderfuß hin zur Ferse abrollen. Wer mit der Ferse zuerst aufsetzt, läuft ungedämpft, es sei denn feste Schuhe federn die Erschütterung ab.

Beim barfuß gehen ist der Fuß gefordert, sich an die Gegebenheiten des Untergrunds anzupassen. Das stärkt und trainiert die Fußmuskulatur. Diese Muskeln sind wichtig, weil sie das Quer- und Längsgewölbe an der Fußunterseite tragen. Verkümmern die Muskeln dagegen, können sich die Gewölbe absenken. Fehlstellungen wie Platt- oder Senkfüße können die Folge sein. Barfuß gehen verbessert außerdem die Blutzirkulation in den Füßen, stärkt die Fußmuskulatur, die Sensomotorik, das Gleichgewicht und fördert eine gesunde Gehtechnik.

Bestehen jedoch Fehlstellungen hilft barfuß laufen allenfalls, wenn die Fehlstellung auf eine unterentwickelte Muskulatur zurückzuführen ist. Sind jedoch falsch gewachsene oder verformte Knochen für den deformierten Fuß verantwortlich, ist der Nutzen des Barfußlaufens gering. Wer selten barfuß läuft, sollte sich erst langsam daran gewöhnen, weil sich sonst schnell Überlastungserscheinungen einstellen können. Auch für Allergiker steht der Nutzen in keinem Verhältnis zu den Nachteilen, die eine Wiese voller Wespen und Bienen mit sich bringt. Gleiches gilt für Diabetiker, deren Schmerzempfinden gestört sein kann.

Tetanus-Impfung
Wer dem Barfuß-Trend folgen will, sollte den aktuellen Status seiner Tetanus-Impfung prüfen, bevor er sich nackten Fußes in freie Wildbahn begibt. Andernfalls können sich harmlose Verletzungen zu einem gefährlichen Wundstarrkrampf entwickeln. Erwachsene sollten sich alle zehn Jahre gegen Tetanus impfen lassen.

Gefahren im Freibad
Und noch eine Gefahr lauert für Barfuß-Fans in Form von Badeanstalten, Fitnesszentren, Saunen und den im Sommer heiß beliebten Freibädern: Der Fußpilz. Bei feuchtwarmem Wetter ist die Gefahr einer Ansteckung mit Fußpilz besonders groß, jedoch kann eine Ansteckung einfach verhindert werden, indem Badeschuhe getragen werden. Wichtig ist es auch, die Füße nach dem Baden gut abzutrocknen und enge Schuhe im Schrank zu lassen. Wenn die Haut an den Füßen juckt, nässt und sich rötet, sollte am besten ein Arzt aufgesucht werden, denn Fußpilz heilt nicht von alleine ab, sondern muss ärztlich behandelt werden.

Schick aber schädlich
So gut wie barfuß läuft es sich auf Flip-Flops. Doch auch die Zehentrenner stehen immer wieder in der Kritik. Das Problem: In Flip-Flops ändert sich der Gang, weil man die Schlappen mit den Zehen festhalten muss, Halt und Federung Fehlanzeige. Die Dosis macht das Gift: Flip-Flops sollte man nicht dauernd tragen, besonders nicht, wenn man längere Zeit unterwegs ist. Und natürlich sollte man darauf achten, dass keine gesundheitsschädliche Substanzen bei der Herstellung verwendet wurden.