Beschnittene Männer und Sex: Lust oder Frust?

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Lifestyle - Sex

Beschneidungen werden größtenteils aus religiös-rituellen Motiven vorgenommen, in manchen Kulturen oft sogar schon bei Babys und Kleinkindern. Manchmal ist eine Beschneidung auch medizinisch notwendig, wie z.B. bei Vorhautverengungen. Es gibt allerdings auch Männer, die diesen Eingriff aus einem anderen Grund vornehmen lassen: einfach nur, weil ihnen ein beschnittener Penis besser gefällt.

Doch wird bei einer Beschneidung auch die Lust beschnitten? Wie fühlt sich der Sex mit einem beschnittenen Mann an? Diese Fragen haben sich sowohl Frauen als Männer garantiert schon mal gestellt. Männerarzt Dr. Georg Pfau verrät, ob es beim Sex mit beschnittenen Männern tatsächlich einen Unterschied gibt und warum eine Beschneidung vor einer tödlichen Krankheit schützen kann.

Herr Dr. Pfau, wer lässt sich aus kosmetischen Gründen beschneiden?

Dr. Pfau: Es ist mir aufgefallen, dass diese Wünsche eher aus homosexuellen Kreisen kommen.

Was bedeutet „beschnitten“ medizinisch gesehen?

Beschneidung beim Mann bedeutet, dass die Vorhaut entfernt wurde. Bei der Frau ist es die Entfernung des Lustorgans, der Klitoris. Das ist ein ganz wesentlicher Unterschied.

Worin besteht der grundlegende Unterschied zwischen einem unbeschnittenen und einem beschnittenen Glied?

Man kann – Nacktheit vorausgesetzt – ganz einfach erkennen, ob ein Mann beschnitten ist oder nicht, weil beim unbeschnittenen Mann die Eichel von der Vorhaut bedeckt ist, beim beschnittenen Mann nicht.

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Worin sehen Sie die Vorteile einer Beschneidung?

Bei beschnittenen Männern wird die zarte Schleimhaut der Eichel durch eine Hornhaut ersetzt. Dadurch kann das HI-Virus nicht so leicht in den Organismus des Mannes gelangen.

Dies bedeutet eine geringere Infektionsgefahr für beschnittene Männer (im Bezug auf HIV). Man könnte darin einen "Vorteil" sehen, wobei auch beschnittene Männer beim Sex keinesfalls auf die Regeln des "Safer Sex" verzichten dürfen.

Die Umwandlung der Schleimhaut in Hornhaut kann auch dazu führen, dass die Empfindlichkeit der Eichel abnimmt und Männer länger Sex machen können.

Bestehen eventuell auch Nachteile?

Der oben geschilderte Vorteil einer Abnahme der Empfindlichkeit des männlichen Lustorgans kann sich mit dem Älterwerden in einen Nachteil verwandeln, wenn nämlich zusätzlich durch die natürliche, alterungsbedingte Abnahme der Sensibilität das orgiastische Erleben beeinträchtigt wird.

Es hat sich in der Praxis gezeigt, dass beschnittene Männer häufiger Probleme haben, zum Orgasmus zu kommen, als unbeschnittene.

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Ein weiterer Nachteil ist die Beeinträchtigung der Masturbationstechnik, weil nämlich das Abrollen der Vorhaut (nach deren Entfernung) über die Eichel nicht mehr möglich ist. Beschnittene Männer müssen sich dann mit Gleitmitteln behelfen.

Spüren Frauen einen Unterschied zwischen beschnittenen und unbeschnittenen Männern?

In der Wahrnehmung des Penis bei der Penetration werden Frauen kaum einen Unterschied bemerken, eine ausreichende Befeuchtung der Scheide vorausgesetzt. Frauen spüren, dass beschnittene Männer länger bis zum Orgasmus brauchen - oder vielleicht auch zu lange (?) - und in manchen Fällen auch gar nicht intravaginal zum Orgasmus kommen können.

Kann es sexuell von Vorteil für einen Mann sein, wenn er beschnitten ist? Wenn Nachteil, warum?

Wie schon oben beschrieben, kann es von Vorteil sein, dass die Sensibilität der Eichel abnimmt. Männer brauchen dann länger zum Orgasmus, was von manchen Frauen als Vorteil empfunden wird.

Leider wird dieser Vorteil mit den Jahren häufig zum Nachteil, wenn nämlich die Sensibilität der Eichel derart abnimmt, dass der Orgasmus des Mannes durch Geschlechtsverkehr gar nicht mehr möglich ist.

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Sollten Männer oder Kinder überhaupt beschnitten werden?

Nein, wozu auch? Beschneidungen sind Eingriffe am primären Geschlechtsorgan der Männer, die aus Gründen der ärztlichen Ethik ausschließlich dann vorgenommen werden dürfen, wenn eine medizinische Notwendigkeit besteht. Ein Arzt schnipselt nicht grundlos am Körper wehrloser Kinder herum, nicht an der Vorhaut, auch nicht an anderen Organen.

Die Frage der religiös-rituellen Bescheidung kann kontrovers diskutiert werden. Dazu möchte ich mich hier ausdrücklich nicht äußern.

Männerarzt Dr. Georg Pfau ist Sexualmediziner und hat eine Praxis für Sex & Gender der Männer in Linz, Österreich. Er beantwortet alle Fragen zur männlichen Sexualität, berät aber auch bei Fragen zur sexuellen Orientierung. Desweiteren bietet er Paartherapien an und hält Seminare und Vorträge zum Thema Männergesundheit, Sexualität und Beziehung. Mehr Infos gibt es auf seiner Webseite.