Auf Goethes Spuren: Eine italienische Reise

Zwischen September 1786 und Mai 1788 reiste Johann Wolfgang von Goethe durch Italien. Die Stationen seiner Reise hielt er in einem Tagebuch fest, das später unter dem Titel „Italienische Reise" erschien. Wir haben seine Route vom Brenner bis nach Sizilien nachgezeichnet. Viele seiner Stationen sind noch heute touristische Highlights.

Goethe in der römischen Campagna (Bild: Johann Heinrich Wilhelm Tischbein)
Goethe in der römischen Campagna (Bild: Johann Heinrich Wilhelm Tischbein)

Klar, dass Johann Wolfgang von Goethe am 3. September 1786 nicht einfach zum Flughafen fuhr und in den nächsten Billigflieger stieg, um nach Italien aufzubrechen. Seine Reise, die er größtenteils zu Pferd und mit Kutschen zurücklegte, war deutlich beschwerlicher als man es sich heute vorstellen kann. Erst nach drei Fehlversuchen kam er überhaupt in das Land, das ihn wegen seiner Geschichte und Natur so begeisterte: „Hier, wo sich schöne Natur paart mit antiker Kultur" beschrieb er das Land seiner Träume, Italien, voller Vorfreude.

Seine Reise begann in Karlsbad, wo sich der damals 37-jährige Schriftsteller häufiger aufhielt. Über München und Mittenwald erreichte er schon eine knappe Woche später die Alpen und überquerte den Brenner-Pass. Die erste italienische Stadt, in der er verweilte, war Trient in Südtirol. Nur eine Nacht verbrachte er dort, bevor er über Torbole und Malcesine nach Verona gelangte. Begeistert philosophierte er über das Amphitheater der norditalienischen Stadt: „Eigentlich ist so ein Amphitheater recht gemacht, dem Volk mit sich selbst zu imponieren, das Volk mit sich selbst zum besten zu haben"

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Über Vicenza und Padua erreichte er Venedig. Lange war die Stadt am Canale Grande ein Traum des deutschen Dichters. Als er sie schließlich mit eigenen Augen sah, schwärmte er von „dieser wunderbaren Stadt, dieser Biberrepublik". Gut zwei Wochen verbrachte er mit dem Besuch von Kirchen, Theatern und Palästen. Dann fuhr er weiter in Richtung Süden, streifte Ferrara und Cento, bevor er nach Bologna kam. Die Stadt mit ihren berühmten Kolonnaden und Künstlern verließ Goethe recht überstürzt. Er überquerte den Apennin und erreichte über Perugia Rom.

Fast vier Monate hielt sich Johann Wolfgang von Goethe in der italienischen Metropole auf. „Ja, hier in deinen göttlichen Mauern ist alles beseelt, o ewiges Rom", schrieb er begeistert. Kulturinteressierte Besucher können noch heute auf den Spuren des Dichters durch die Stadt wandern. In seinem damaligen WG-Zimmer an der Via del Corso 18 befindet sich ein kleines Museum, das über Goethes Aufenthalt in Rom informiert. Goethe stand in engem Kontakt zur dortigen Künstlerszene, plante offenbar, seine Ambitionen als bildender Künstler auszuweiten. Überhaupt scheint der Dichter in der „ewigen Stadt" sein Herz verloren zu haben. Auf der Rückreise im Juni 1787 kehrte Goethe noch einmal für zehn Monate nach Rom zurück.

Zunächst ging die Reise aber erst mal weiter gen Süden. Nach einem Besuch in Neapel bestieg Johann Wolfgang von Goethe das Schiff nach Sizilien. Er durchstreifte Palermo und besuchte verschiedene Städte wie Alcamo und Segesta. Im Mai kehrte er über Messina nach Neapel zurück und trat von dort aus gemächlich die Rückreise an. Nach seinem mehrmonatigen Stopp in Rom streifte er noch Sienna und Florenz. Der Stadt am Arno hatte er auf der Hinreise nur drei Stunden gewidmet. Diesmal verbrachte fast zwei Wochen dort, um schließlich zu resümieren: „(…) fast alles gesehen was Florenz an Kunstsachen enthält."


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Über Mailand kam Goethe nach mehr als anderthalb Jahren nach Deutschland zurück. Die persönliche „Renaissance" des Dichters können Touristen heute zum Glück wesentlich schneller und komfortabler „nachreisen". Manchmal reicht nämlich schon ein Italien-Kurztrip statt der „italienischen Reise" , um sich wie neu geboren zu fühlen.

Daniele Ricco stellt die Aperetivo-Szene in Rom vor: