Blutspenden: Warum es so wichtig ist und wie einfach es geht

Bundessprecher der DRK-Blutspendedienste im exklusiven Interview

Mann  bei der Blutspende
Eine Blutspende dauert nur 10-15 Minuten und besteht aus einem halben Liter Blut. (Foto: Getty)

Jeden einzelnen Tag werden in Deutschland rund 15.000 Blutspenden benötigt, und das längst nicht nur für Unfallopfer. Das größte Problem, um wirklich alle Menschen zu jeder Zeit versorgen zu können, ist die geringe Haltbarkeit der Blutkonserven. Die einzige Lösung: Kontinuierliches Spenden. Das zweite Problem: Nur ein wirklich kleiner Teil der spendefähigen Bevölkerung geht auch wirklich regelmäßig zur Blutspende. Und ein großer Teil dieser Menschen wird das rein altersmäßig nicht mehr lange tun können.

Warum und für wen Blutspenden so wichtig ist, wie einfach und schnell es geht und welch unersetzbaren Nutzen es hat, erzählt Patric Nohe vom Blutspendedienst Bayern des DRK gegenüber Yahoo Life.

Wo braucht man Spenderblut?

Patric Nohe: Blutspenden werden von vielen Menschen mit Verkehrsunfällen in Verbindung gebracht oder sogenannten Großschadenlagen wie Zugunglücke, Flugzeugkatastrophen, Krieg oder Terroranschläge. Tatsächlich wird aber das meiste Blut für chronisch kranke Mitmenschen benötigt und in der Krebstherapie eingesetzt. Eine Chemotherapie greift das blutbildende System an, weshalb diese Menschen dann öfter Blutkonserven benötigen.

Danach kommen Operationen und Transplantationen und dann eben auch Unfälle. Die Palette ist riesengroß und wir benötigen Blutpräparate wirklich vom Säugling bis zum Greis. Es gibt Babys, die bereits im Mutterleib Blutkonserven bekommen, weil sich die Blutgruppen von Mutter und Kind gegenseitig abstoßen. Außerdem brauchen die Krankenhäuser immer einen Vorrat an Blutpräparaten, weil es auch bei normalen Standard-OPs sein kann, dass etwas schiefläuft und man relativ unvermittelt eine oder auch mehrere Konserven benötigt.

Wie viel Blut wird denn gebraucht?

Bundesweit brauchen wir pro Tag circa 15.000 Blutkonserven, also 15.000 Spender*innen. Eine Spende umfasst einen halben Liter, aus dem dann verschiedene Präparate hergestellt werden.

Gibt es immer genügend Blut, um den Bedarf zu decken?

Im Moment können wir den Bedarf decken. Aber wir haben immer wieder Phasen, in denen Engpässe entstehen, wobei die Haltbarkeit ein ganz zentraler Punkt ist. Blutpräparate sind nur 42 Tage haltbar. Man kann sie nicht einfrieren oder für schlechte Zeiten zurücklegen. Aufgrund dieser geringen Haltbarkeit sind wir auf ein kontinuierliches Engagement der Spender angewiesen.

Wann wird es knapp?

Eine Rolle spielen Erkältungswellen, weil die Leute dann einfach nicht fit genug sind, um zur Blutspende zu kommen. Aber man merkt auch in Ferienzeiten, dass die Menschen einfach nicht da sind und vor allem auch nach einem langen und zähen Winter. Wenn dann endlich die Sonne scheint und das Wetter besser ist, konkurrieren wir mit einem hohen Freizeitangebot. Das ist ja auch verständlich, dass die Leute dann erst einmal auf sich selber schauen und raus wollen.

Man muss wirklich sagen: Spender*innen sind tatsächlich stille Helden des Alltags. Es ist unglaublich, was diese Leute leisten. Die Blutspende findet ja immer in der Freizeit statt, in der sie natürlich auch etwas für sich tun könnten. Aber sie tun das für andere, darum kann man diese Menschen in der Gesellschaft gar nicht genug wertschätzen.

Wie viele Menschen spenden denn regelmäßig Blut?

Im Moment spenden bundesweit circa 3,5 Prozent der spendefähigen Bevölkerung Blut. 3,5 Prozent sorgen also dafür, dass 100 Prozent an 365 Tagen rund um die Uhr Blutpräparate zur Verfügung haben. Blut spenden ist wirklich ein unersetzlicher Dienst an der Gemeinschaft. Ohne fremdes Blut hätten Tausende Patienten in Deutschland keinerlei Überlebenschance.

Wir müssen uns immer wieder bewusst machen: Blut ist nicht künstlich herstellbar. Es gibt keine künstliche Alternative. Wir unterstützen in dieser Hinsicht auch die Forschung, aber wir werden noch eine ganze Weile darauf angewiesen sein, dass andere Leute für uns Blut spenden.

Gibt es im Hinblick auf den Bedarf Unterschiede zwischen den Blutgruppen?

Wir sind fünf DRK-Blutspendedienste unter dem Dach des DRK und jeder Blutspendedienst hat sein eigenes Versorgungsgebiet. Wir haben keine bundesweite Zentralversorgung, weswegen es auch immer Unterschiede gibt. Wie es bei den einzelnen Blutgruppen gerade aussieht, kann man auf den Webseiten der jeweiligen Blutspendedienste einsehen.

Junge Frau isst Pasta
Anders als bei der Blutabnahme beim Arzt sollte man zur Blutspende keinesfalls nüchtern kommen. (Foto: Getty)

Eine Besonderheit gibt es bei der Blutgruppe 0. Menschen mit der Blutgruppe 0 sind sogenannte Universalspender*innen. Die Blutgruppe 0 kann jedem Menschen gegeben werden, sie ist mit allen anderen Blutgruppen kompatibel. Es besteht also die Möglichkeit, dieses Blut in Notsituationen zu geben in denen keine Zeit ist, die Blutgruppe zu ermitteln. Das dauert nur ein paar Sekunden bis eine Minute, aber auch diese Zeit ist gerade bei schweren Unfällen mit hohem Blutverlust nicht immer vorhanden. Dagegen können Menschen mit der Blutgruppe 0 selbst nur die Blutgruppe 0 empfangen. Deswegen ist es gerade für diese Menschen wichtig, immer ausreichend Blut zur Verfügung zu haben. Nichtsdestotrotz werden alle Blutgruppen benötigt.

Wie läuft es an, wenn jemand zum ersten Mal Blut spenden will?

Auf der Homepage kann man zuhause ganz in Ruhe einen kleinen Selbstcheck machen. Die Grundvoraussetzungen sind ein Alter von mindestens 18 Jahren und ein Gewicht über 50 Kilogramm. Darüber hinaus gibt es eine Reihe von Gründen, nicht zur Blutspende zugelassen zu werden. Wenn ich eine Blutarmut oder eine Gerinnungsstörung habe, ist eine Blutspende natürlich nicht geeignet, dasselbe gilt bei einigen Vorerkrankungen oder Eisenmangel.

Spender*innen sollten grundsätzlich gesund und fit sein und sich auch am Tag der Blutspende gesund und fit fühlen. Außerdem ist es wichtig, am Tag der Blutspende wirklich gut zu essen. Vielleicht nicht so, als würde man auf eine Party gehen, sondern eher so, als würde man auf eine Bergwanderung gehen. Nicht zu fettig, aber doch gehaltvoll, damit man genug Power hat. Und ganz wichtig ist viel zu trinken, am besten Wasser oder Tee. Vor Ort werden dann immer der Eisenwert und der Blutdruck gecheckt und die Temperatur gemessen. Außerdem sind immer Ärzt*innen vor Ort, die über den Fragebogen schauen. Die Blutspende an sich dauert 10 bis 15 Minuten. Erstspender sollten vielleicht eine bis eineinhalb Stunden einplanen.

Wo kann man Blut spenden?

Wir vom Roten Kreuz bieten die mobile Blutspende an. Jeden Tag fahren Teams hinaus und sind an vielen Orten wie Schulen, Gemeindehäusern, öffentlichen Einrichtungen oder Firmen vor Ort. Wo genau wann gespendet werden kann sieht man am besten auf drk-blutspende.de. Dort gibt es die Rubrik Termine, in der man auch den Umkreis einstellen kann. Dann sollte man sich noch einen Termin reservieren.

Wir versuchen natürlich, es den Leuten so einfach wie möglich zu machen. Wichtig sind Kontinuität und eine Spendehäufigkeit. Aktuell bildet vor allem die Generation der Baby Boomer das Fundament der Spender. Aber jede Generation braucht ihre eigenen Blutspender. Im Idealfall ist Blut spenden etwas, das man regelmäßig macht. Da müssen wir hin.

Was kann jemand tun, der Angst vor Nadeln hat?

Das gilt es natürlich absolut zu respektieren. Es ist keine Schande, wenn man sich da nicht überwinden kann. Aber die Leute, die nicht können, dürfen oder wollen, können trotzdem dabei helfen, den Bekanntenkreis oder die Familie zu mobilisieren. Man leistet auch schon einen großen Dienst, wenn man zum Beispiel einen Beitrag von Blutspendediensten auf Social Media teilt und immer wieder einmal darauf aufmerksam macht. Unser Ziel ist es, das Thema dahinzubringen, wo es hingehört: in die Mitte der Gesellschaft.

Patric Nohe ist Bundessprecher der DRK-Blutspendedienste. (Foto: Christian Moser)
Patric Nohe ist Bundessprecher der DRK-Blutspendedienste. (Foto: Christian Moser)

Unser Experte: Patric Nohe

Patric Nohe ist 40 Jahre alt und arbeitet seit 2018 als Pressesprecher beim Blutspendedienst des Bayerischen Roten Kreuzes und als Bundessprecher der DRK-Blutspendedienste. Seine tägliche Motivation besteht darin, den beruflichen Alltag einer durchweg guten, überlebenswichtigen Sache zu widmen.