Body Positivity muss zur Normalität werden

Bebe Rexha wehrt sich gegen die Modewelt. (Bild: Jeff Kravitz/Getty Images for iHeartMedia)

Was läuft in der Modebranche bloß schief? Wieso wird dort auch in Zeiten, in denen in der Öffentlichkeit immer wieder von Body Positivity die Rede ist, nach wie vor ein einseitiges Körperideal propagiert, demzufolge Frauen ein bestimmtes Gewicht oder eine bestimmte Kleidergröße nicht überschreiten dürfen, ohne dafür abgestraft zu werden? Jüngstes, prominentes Beispiel dieser fatalen Situation: Bebe Rexha.

Eine Kolumne von Carlos Corbelle

Die US-Sängerin, die bei den diesjährigen Grammy Awards als beste neue Künstlerin sowie für ihre Single “Meant to Be” nominiert ist, schilderte kürzlich auf Instagram, dass kein Designer sie für die Verleihung am 10. Februar einkleiden wolle. Der Grund: Sie sei angeblich zu dick. Die passende Antwort lieferte Bebe Rexha auch gleich in ihrem Post. Selbstbewusst schrieb sie: “Wenn ihr meinen Kleidungsstil oder meine Musik nicht mögt, ist das eine Sache. Aber sagt nicht, dass ihr jemanden nicht einkleiden könnt, der keine Laufsteg-Maße hat. Ermutigt Frauen, ihren Körper zu lieben, anstatt Mädchen und Frauen dazu zu bringen, sich durch ihre Maße minderwertig zu fühlen.”


Weitreichendes Problem

Inzwischen haben sich bereits einige Designer wie August Getty und Michael Costello dazu geäußert, die nur allzu gerne bereit sind, der Sängerin für die Grammys ein Kleid auf den Leib zu schneidern. Was Bebe Rexha erlebt hat, ist jedoch symptomatisch für ein Problem, das wesentlich weitreichender ist. Der Schlankheitswahn durchdringt die gesamte Modeindustrie, wird durch die Werbung allgegenwärtig und sickert damit auch in die Lebenswirklichkeit junger Frauen und Mädchen, denen tagtäglich ein vermeintliches Körperideal vorgesetzt wird, das für viele vollkommen unrealistisch ist. Das schadet den Models, die sich oftmals gefährlich runterhungern müssen, um den Anforderungen der Designer und Agenturen gerecht zu werden, und kann bei denjenigen, die sich eben jene Models zum Vorbild nehmen, zu einer verzerrten Selbstwahrnehmung führen.

Jette Joop: “Zurück zur Normalität.” (Bild: dpa)

“Man muss leider sagen: Durch die letzten Jahre hat sich der Endkonsument und auch gerade die jungen Leute an diese Bilder gewöhnt”, erklärte Designerin Jette Joop erst kürzlich in der ZDF-Sendung “Frontal 21”. “Es muss sozusagen einen langsamen Entzug geben – zurück zur Normalität.” Diese “Normalität” kann nur darin bestehen, dass eben keine Norm vorherrscht, die ein bestimmtes Körperideal propagiert. Body Positivity, das Zelebrieren diversester Körpermaße, muss zur Normalität werden – in der Modewelt, der Werbung und im Alltag.

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