Braucht Deutschland ein Solarium-Verbot? Ein Experte klärt auf

Anna Rinderspacher
Freie Journalistin

Sollten Solarien verboten werden? Über diese Frage streiten derzeit Sonnenstudio-Betreiber und die Deutsche Krebshilfe. Ein Gesundheitsexperte erklärt gegenüber Yahoo Style, welche Risiken Solarienbesuche mit sich bringen und wieso die aktuelle Gesetzeslage nicht ausreicht, um davor zu schützen.

Ärzte sind sich einig, dass Solarien ein Risiko für die Gesundheit darstellen. (Bild: Getty Images)

Im Kampf gegen Krebserkrankungen haben die Deutsche Krebshilfe und die Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP) ein bundesweites Verbot von Solarien gefordert. Laut Krebshilfe verursachen Solarien jährlich europaweit bei rund 3400 Menschen schwarzen Hautkrebs. 800 Menschen sterben demnach daran. Der Bundesverband Besonnung, der 1200 Sonnenstudios in Deutschland vertritt, behauptete nach dieser Forderung, dass eine Solariennutzung das Hautkrebs-Risiko nicht steigere, wenn sie nicht bei mehr als 50 mal pro Jahr liegt.

Gegenüber Yahoo Style erklärt Dr. Eckhard Breitbart, dass Sonnenbänke zweifelsohne Hautkrebs verursachen. “Künstliche Sonnenstrahlen sind ebenso krebserregend wie Röntgenstrahlung und Nikotin”, sagt der Dermatologe, der sich seit Ende der 80er Jahre um mehr Aufklärung und die Prävention von Hautkrebs bemüht. Breitbart leitet die Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP) und fordert ein vollkommenes Verbot von Sonnenbänken in Deutschland.

Hautkrebs durch Solarien? Das sagt die Wissenschaft

Dass diese sowohl unmittelbare wie auch Langzeit-Gesundheitsschäden hervorrufen können, gilt in der Forschung als unumstritten: UVB-Strahlen können Hautirritationen bis hin zum Sonnenbrand hervorrufen; UVA-Strahlung lässt die Haut schneller altern, sorgt für Schäden der DNA und verursacht im schlimmsten Fall sogar Hautkrebs. Studien kommen zu dem Schluss, dass das Risiko des Auftretens von bösartigen Hautkrebsgeschwüren bei Solariennutzern im Vergleich zu Nicht-Solariennutzern erhöht ist und mit der Häufigkeit der Solarienbesuche steigt. Und: Je jünger der Solariennutzer beim ersten Besuch ist, desto höher ist das Risiko.

Wer vor seinem 35. Geburtstag damit beginnt, regelmäßig das Solarium zu nutzen, erhöht sein Risiko an schwarzem Hautkrebs zu erkranken laut Weltgesundheitsorganisation um 60 Prozent. Demnach reicht schon ein Besuch pro Monat aus. Auch das Risiko, an weißem Hautkrebs zu erkranken steige durch die regelmäßige Nutzung.

Diese Gründe sprechen für ein Solarien-Verbot

In Brasilien und Teilen Australiens sind Sonnenbänke bereits verboten. In Deutschland gilt seit 2012 die aktuelle Verordnung zum Schutz vor künstlicher ultravioletter Strahlung. Demnach dürfen Minderjährige und Personen mit besonders heller Haut in Deutschland nicht ins Solarium – allerdings scheint dieses Verbot in der Praxis bislang nur selten durchgesetzt zu werden.

Eine Befragung des Nationalen Krebshilfe-Monitorings kam 2018 zu einem besorgniserregenden Ergebnis: Hunderttausende Minderjährige kamen trotz Verbot ins Sonnenstudio. Zudem gab mehr als die Hälfte der Befragten an, dass sie von den Betreibern nicht über die Risiken der Sonnenbank-Nutzung aufgeklärt worden sei - dabei schreibt das Gesetz auch das eigentlich vor.

“Die Solarien-Betreiber scheren sich schlichtweg nicht um das Gesetz“, so Breitbart. “Es wird wirtschaftlich völlig untergebuttert.” Das Einstiegsalter für Solarienbesuche liege mittlerweile bei 13 oder 14 Jahren. Mehr noch: Seit Einführung des Gesetzes konnten Studien einen deutlichen Anstieg von minderjährigen Nutzern verzeichnen, von 70.000 auf 140.000. Dass Sonnenbänke mittlerweile nicht nur in ausgewiesenen Solarien, sondern Fitnessstudios, Hotels, Schwimmbädern und Beauty-Salons zu finden seien, erschwere die Kontrolle durch Behörden. “Es gibt keinerlei Meldepflicht für das Aufstellen einer Sonnenbank”, so der Experte.

Der Körper kann überschüssiges Vitamin D speichern. (Bild: Getty Images)

Vitamin-D-Mangel ohne Solarium bekämpfen

Selbst Vitamin-D-Mangel sei kein Grund, um sich künstlicher UV-Strahlung auszusetzen, mahnt Breitbart. “Kein Mensch muss dafür unters Solarium. Auch nicht im Winter.” Der Körper sei sehr wohl in der Lage, überschüssiges Vitamin D aus sonnenlichtreichen Monaten zu speichern. Um über das ganze Jahr versorgt zu sein, reiche es vollkommen aus, während der warmen Jahreszeit mittags 15 bis 20 Minuten an die frische Luft zu gehen. “Abgesehen davon sollte man einen Vitamin-D-Mangel durch einen Bluttest vom Arzt bestätigen lassen. Fehlt wirklich etwas, so kann man das sehr gut durch Tabletten substituieren – und zwar ganz ohne zusätzliches Krebsrisiko.”