Bruce Willis geht in Ruhestand: Was man über Aphasie wissen sollte

Bruce Willis kehrt seiner Schauspielkarriere den Rücken, wie seine Familie nun bekanntgab. Der Grund: Bei dem ehemaligen Action-Star wurde Aphasie diagnostiziert. Was steckt hinter der Krankheit und wodurch wird sie ausgelöst?

Bruce Willis leidet an Aphasie (Bild: VCG/VCG via Getty Images)
Bruce Willis leidet an Aphasie (Bild: VCG/VCG via Getty Images)

Bruce Willis gehört zu den berühmtesten Schauspielern der Welt. Eine schwere Krankheit zwingt ihn nun jedoch dazu, seine Karriere zu beenden: Willis leidet an Aphasie, wie seine Familie auf Instagram mitteilte.

Was ist Aphasie?

Wörtlich bedeutet Aphasie, ein aus dem Griechischen stammender Begriff, "Sprachlosigkeit". Tatsächlich ist Aphasie eine Erkrankung, die sich auf die Fähigkeit zu sprechen auswirkt. Betroffene haben unter anderem Schwierigkeiten, sich in vollständigen oder kohärenten Sätzen auszudrücken oder Gesprächen zu folgen. Unter Umständen verwenden sie Worte, die nicht existieren. Auch auf Lesen und Schreiben wirkt sich Aphasie aus.

Denn die Ursache für Aphasie ist eine Schädigung des Sprachzentrums im Gehirn - dem Teil also, der für Sprechen, lesen und allgemeines Sprachverständnis zuständig ist. Anderweitig sind Betroffene jedoch nicht geistig beeinträchtigt.

Formen und Symptome von Aphasie

Wie sich Aphasie auf Patienten auswirkt, kann variieren. Allgemein wird zwischen vier unterschiedlichen Formen unterschieden:

  • Wernicke-Aphasie (sensorische Aphasie): Betroffene sprechen in langen, verschachtelten Sätzen, die jedoch keinen Sinn ergeben. Dass andere sie nicht verstehen können, bemerken sie selbst häufig nicht und reden unbeirrt in unverständlichen Sätzen weiter. Nicht selten haben sie zugleich Probleme, gesprochene Sätze von anderen zu verstehen. Oft wird bei dieser Form fälschlicherweise zunächst eine Denkstörung vermutet.

  • Broca-Aphasie (motorische Aphasie): Hierbei haben die Betroffenen größere Probleme damit, sich zu artikulieren, als andere zu verstehen. Sie haben Schwierigkeiten, Worte zu formen und sprechen im Telegramm-Stil, also in unvollständigen, abgehakten Sätzen und mit vielen Pausen. Lesen und Schreiben ist in der Regel möglich, zeigt jedoch die gleichen Probleme wie das Sprechen.

  • Amnestische Aphasie: Das Sprachverständnis funktioniert hierbei gut, und auch Lesen und Schreiben sind kaum beeinträchtigt. Betroffene haben jedoch starke Wortfindungsstörungen, was sich in zögerlicher Sprache und langen Pausen bemerkbar macht.

  • Globale Aphasie: Dies ist die schwerste Form der Aphasie, bei der die verbale Verständigung mit dem Patienten kaum noch oder gar nicht mehr möglich ist. Verständlich sind für Betroffene meist - wenn überhaupt - nur noch sehr simple Aussagen. Typisch sind hierbei außerdem sogenannte Sprachautomatismen: Patienten geben automatisierte Floskeln wie "ach ja" oder "oh Gott" von sich oder aber sich wiederholende Silben wie "dadada" oder "tututu".

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Abgesehen von diesen unterschiedlichen Sprachstörungen oder Verständnisproblemen kann Aphasie auch andere Bereiche und Fähigkeiten beeinträchtigen, darunter:

  • Gedächtnis

  • Konzentration

  • Hören und Sehen

  • Rechenvermögen

  • Ausführen von Bewegungsfolgen

  • Räumliche Orientierung

  • Emotionale Befindlichkeit

Wie Aphasie ausgelöst wird

Die häufigste Ursache für Aphasie ist ein Schlaganfall. Rund 80 Prozent aller Fälle von Aphasie sind auf einen Schlaganfall zurückzuführen.

Auch andere medizinische Notfälle, bei denen das Gehirn verletzt oder die Blutzufuhr zum Gehirn beeinträchtigt wird, können eine Aphasie auslösen. Dazu gehören Schädel-Hirn-Trauma, ein Gehirntumor, entzündliche Erkrankungen, längerer Sauerstoffmangel oder Vergiftungen.

Aphasie kann theoretisch in jedem Alter auftreten, betrifft aber in den meisten Fällen ältere Menschen. In Deutschland sind zu jedem gegebenen Zeitpunkt über 100.000 Menschen von Aphasie betroffen, wobei die Dunkelziffer noch nicht mitgerechnet ist.

Aphasie: Behandlung und Vorbeugung

Da Aphasie nahezu immer ein anderer medizinischer Notfall vorausgeht, ist es wichtig, sofort einen Arzt aufzusuchen oder den Notruf zu wählen, wenn man bei sich selbst oder einem Angehörigen Veränderungen im Sprechverhalten oder verbalen Verständnis bemerkt.

Plötzlich auftretende Sprechstörungen sollten immer umgehend behandelt werden (Symbolbild: Getty Images)
Plötzlich auftretende Sprechstörungen sollten immer umgehend untersucht und behandelt werden (Symbolbild: Getty Images)

Vor allem bei einem Schlaganfall ist eine schnelle Behandlung wichtig. Die Symptome eines akuten Schlaganfalls erkennt man am sogenannten FAST-Test, bei dem man folgende Faktoren überprüft:

  • Face (Gesicht): Bitte die betroffene Person, zu lächeln. Bei einem Schlaganfall hängt häufig einer der beiden Mundwinkel herab, da eine Halbseitenlähmung eintritt.

  • Arms (Arme): Fordere die Person dazu auf, beide Arme nach vorne zu strecken und die Handflächen nach oben zu drehen. Auch hier wird einer der beiden Arme vom anderen abweichen, indem er sinkt oder sich anders dreht.

  • Speech (Sprache): Sage einen möglichst simplen Satz vor, den die Person nachsprechen soll. Bei einem Schlaganfall wird sie dazu womöglich nicht in der Lage sein oder mit lallender oder verwaschener Stimme sprechen.

  • Time (Zeit): Je schneller ein Schlaganfall-Patient behandelt wird, desto besser. Wähle sofort den Notruf und schildere den Verdacht auf Schlaganfall.

Ist der medizinische Notfall behandelt, stellt die endgültige Diagnose für eine Aphasie schließlich ein Logopäde, also ein Sprachtherapeut. Wie Aphasie behandelt wird, hängt sehr stark von seiner Ursache ab. Nach einer Gehirnverletzung oder einem Schlaganfall können viele Patienten bedeutende Sprachfähigkeiten wiedererlangen - je nachdem, welche Teile des Gehirns betroffen sind und wie stark. Auch logopädische Therapien können Erfolge zeigen.

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