"Buddha, Mohammed, Jesus oder Krokodile, das ist mir egal!"

Die Leica ist eine Leidenschaft des Schauspielers Armin Rohde (beim Deutschen Fernsehpreis 2022 in Köln). Ansonsten macht er sich wenig aus materiellen Dingen, sagt er im Interview über Weihnachten: "Alle kaufen Zeug, das sie nicht brauchen, mit Geld, das sie nicht haben, um Leute zu beeindrucken, die sie nicht mögen. Darauf kann ich verzichten." (Bild: 2022 Getty Images/Andreas Rentz)
Die Leica ist eine Leidenschaft des Schauspielers Armin Rohde (beim Deutschen Fernsehpreis 2022 in Köln). Ansonsten macht er sich wenig aus materiellen Dingen, sagt er im Interview über Weihnachten: "Alle kaufen Zeug, das sie nicht brauchen, mit Geld, das sie nicht haben, um Leute zu beeindrucken, die sie nicht mögen. Darauf kann ich verzichten." (Bild: 2022 Getty Images/Andreas Rentz)

Seine Weihnachtsseligkeit aus der Kindheit reicht noch bis heute - mit Stress und Geschenkewahn kann Armin Rohde dagegen nichts anfangen. Mit Fußball und Homophobie auch nicht. Schauspieler Armin Rohde ("Das Weihnachtsschnitzel") über Sinn und Unsinn zum Fest der Liebe und mehr.

Ein Gespräch wie ein Tornado - schnell, energiegeladen, offen. Armin Rohde lässt sich einen "wunderbaren Kaffee" servieren, um dann mit Feuereifer und Interesse die ihm gestellten Fragen zu beantworten. Der vielseitige Schauspieler gibt sich, wie man ihn aus etlichen seiner Rollen kennt: als ein echter Kerl, der Tacheles reden kann und sich für Schwächere stark macht. Ganz wie seine Figur Günther Kuballa im fünften Teil der inzwischen kultigen "Schnitzel"-Reihe, die am Mittwoch, 7. Dezember, 20.15 Uhr, unter dem Titel "Das Weihnachtsschnitzel" im Ersten zu sehen ist. Die Verbrecherjagd im Weihnachtsmann-Kostüm habe ihm sofort gefallen, berichtet Rohde vom Dreh. Gibt es also weitere Episoden? Der 67-Jährige, der mit "Kleine Haie" seinen Durchbruch hatte und vom Kommissar bis zum Räuber Hotzenplotz alles gespielt hat, hält es für durchaus denkbar.

Als Weihnachtsmann auf Verbrecherjagd - Armin Rohde hatte großen Spaß an der Rolle. Für ihr ist die "Schnitzel"-Reihe noch nicht auserzählt. (Bild: WDR / Frank Dicks)
Als Weihnachtsmann auf Verbrecherjagd - Armin Rohde hatte großen Spaß an der Rolle. Für ihr ist die "Schnitzel"-Reihe noch nicht auserzählt. (Bild: WDR / Frank Dicks)

"Drehbücher sind nicht immer der Weisheit letzter Schluss"

teleschau: Der fünfte "Schnitzel"-Film ist nun das "Weihnachtsschnitzel" geworden. Geht's auch danach weiter?

Armin Rohde: Das ist eine sehr gute Frage. Schon nach dem ersten Teil haben wir gedacht, die Figuren sind jetzt erzählt, was sollen wir da noch weiter machen? Aber die Produzentin und auch Ludger und ich steuern immer wieder Ideen bei, was den beiden noch widerfahren könnte. Ob das das letzte Abenteuer ist, wird sich zeigen, aber auf die Idee, als Weihnachtsmann zu laufen, sind Ludger und ich sofort angesprungen.

teleschau: Warum das?

Rohde: Bei Dreharbeiten stellten wir fest, selbst wenn wir einfach nur nebeneinander stehen und gar nichts machen, lachen die Leute schon, weil die Physiognomien, die wir haben, die Phänotypen, für die wir stellvertretend stehen, so verschieden sind. Man sieht uns schon von außen an, dass wir sehr unterschiedliche Angänge ans Leben haben, sodass das immer wieder zu Situationen führt, die auch zum Lachen reizen.

teleschau: Ist das auch privat so?

Rohde: Privat nicht, da muss ich Sie enttäuschen. Ludger Pistor ist einer der klügsten und philosophischsten Menschen, die ich kenne, er ist Hinduist, und ich bin Buddhist. Es ist nicht so, dass wir nicht auch zusammen lachen können, aber wir driften leicht philosophisch ab, wenn wir uns miteinander unterhalten. Ich bin ein großer Fan von Ludger mit seiner britischen Art zu spielen und seiner klugen Art, das Leben anzuschauen. Es funktioniert gut, wenn wir uns gegenseitig darauf aufmerksam machen, was uns gerade aufgefallen ist im Leben, in einer Situation, mit einem Menschen. Damit sind wir eigentlich eher zugange. Oder uns zu überlegen, wie wir die nächste Szene miteinander lösen und wie wir da noch ein bisschen mehr Gewürz drankriegen können.

teleschau: Gestalten Sie grundsätzlich das Drehbuch mit?

Rohde: Das letzte Buch fand ich gut geschrieben, aber nicht immer sind Drehbücher schon der Weisheit letzter Schluss. Es geht daher mitunter nicht anders, als dass man versucht, einen Satz zu verändern oder ihn sogar wegzulassen und durch einen Blick zu ersetzen. Mit Wolfgang Murnberger haben wir einen Regisseur an der Seite und im Rücken, der uns in diesem Angang sehr unterstützt und beflügelt durch seine liebevolle, respektvolle, neugierige Art.

teleschau: Wie feiern Sie als Buddhist privat Weihnachten?

Rohde: Ganz ruhig. Das Weihnachten meiner Kindheit haben meine Eltern derart wunderbar und voller Weihnachtsseligkeit und Lebkuchen und Nüssen und Apfelduft für uns Kinder bereitet, dass ich das als Erwachsener gar nicht wieder herstellen könnte. Diese Geschenkeorgie oder dass man kleine Tiere tötet, das ist für mich keine angemessene Weise, das Fest der Liebe zu begehen, um das es ja schließlich geht. Diese Tradition hat angefangen mit einem armen Ehepaar, das zu einer Volkszählung musste, sie fanden nirgendwo Obdach, bis eben das kleine Jesuskind in einem Stall zur Welt kam, und die einzigen Zeugen, die dabei waren, waren der Legende nach Ochs und Esel. Was es damit auf sich hat, jemandem, der in einer schwachen Position ist, zu helfen, das ist Sinn und Anlass des Weihnachtsfestes. Das gerät leider zu sehr in Vergessenheit.

teleschau: Und wie halten Sie es mit Geschenken?

Rohde: Ich schenke von Herzen gern, aber lieber zu Anlässen, die ich mir selber aussuche oder wo ich denke, das wäre jetzt eine gute Gelegenheit. Mit Kindern ist es wieder was anderes, die müssen ihre Weihnachtsgeschenke kriegen, aber dass Erwachsene sich das antun, diese Tage, die eigentlich der Ruhe, der Besinnung, der Nächstenliebe gewidmet sein sollten, mit Bluthochdruck zu verbringen im Gedränge, damit man in letzter Sekunde noch irgendwie den Bestecklöffel für Tante Erika besorgt! Alle kaufen Zeug, das sie nicht brauchen, mit Geld, das sie nicht haben, um Leute zu beeindrucken, die sie nicht mögen. Darauf kann ich verzichten.

Inkognito ins Auge des Sturms: Wolfgang (Ludger Pistor, links) und Günther (Armin Rohde) ermitteln als Weihnachtsmänner. (Bild: WDR / Frank Dicks)
Inkognito ins Auge des Sturms: Wolfgang (Ludger Pistor, links) und Günther (Armin Rohde) ermitteln als Weihnachtsmänner. (Bild: WDR / Frank Dicks)

"Mein Fußballinteresse war nie allzu groß"

teleschau: Was macht denn Sinn an Weihnachten?

Rohde: Dann lieber ein paar Plätzchen backen und es sich zu Hause gemütlich machen (lacht). Es ist immer wichtiger, auch nach dieser Pandemie und zu Kriegs- und Energiekrisenzeiten. Die Welt wird vielleicht nie wieder so sein, wie wir sie noch von vor drei Jahren kennen. Das sollte Anlass für uns alle sein zu fragen: Was brauche ich wirklich, um glücklich zu sein? Ist es wirklich dieser Staubfänger? Dabei liebe ich einkaufen, es ist eine heroische Aufgabe, der nur große Persönlichkeiten gewachsen sind (lacht). Ich bin ein Konsument, wie man ihn sich nur erträumen kann, aber selbst ich muss mir sagen, das muss nicht sein. Ich hab meine Leica, und ein Handy braucht man heutzutage auch, aber ein Auto habe ich schon lange nicht mehr, und wenn es nicht anders geht, leihe ich mir eins. Was brauche ich, und was kann ich abgeben? Wem kann ich helfen? - Das sind die wichtigsten Fragen mittlerweile.

teleschau: Gab es bei Ihnen Weihnachtsmann oder Christkind?

Rohde: Bei uns war es das Christkind. Und zwar war das so, dass am Nachmittag alle in die Badewanne gesteckt wurden. Dann kriegten wir alle unseren neuen Klamotten angezogen und mussten vor der Tür im Flur warten, bis es dunkel war. Meine Mama war die ganze Zeit verschwunden, weil sie noch mit dem Christkind reden musste, dann kam ein Silberglöckchen, und das hieß: Wir dürfen ins Wohnzimmer, wo dann der geschmückte Baum war mit echten Kerzen, darunter lagen die Geschenke, es duftete nach Lebkuchen und Äpfeln und Süßigkeiten, das war wunderbar! Und meine Mama sagte immer: "Ach, das Christkindchen ist gerade eben zum Fenster rausgeflogen." Das war jedes Jahr so, wir haben es immer um eine Zehntelsekunde verpasst.

teleschau: Lieber Adventskaffee oder die Fußball-WM schauen oder beides?

Rohde: Mein Fußballinteresse war nie allzu groß. Alle hacken jetzt auf Katar rum, was nur teilweise richtig ist, der Übeltäter ist ganz eindeutig die FIFA, weil die sich auf dieses Geschäft mit Katar überhaupt eingelassen haben, was niemals hätte passieren dürfen. Ich sehe für mich wenig Veranlassung, mir das anzuschauen.

Armin Rohde, hier mit Jule Böwe in "Das Weihnachtsschnitzel", mag die Botschaft seines neuen Films: dass an Weihnachten weniger mehr ist. (Bild: WDR / Frank Dicks)
Armin Rohde, hier mit Jule Böwe in "Das Weihnachtsschnitzel", mag die Botschaft seines neuen Films: dass an Weihnachten weniger mehr ist. (Bild: WDR / Frank Dicks)

"Uwe, ich bin dabei!"

teleschau: Wie war es, in der "Traumschiff"-Episode auf den Bahamas, die am Neujahrstag ins ZDF kommt, einen Homosexuellen zu spielen?

Rohde: Bei meiner Figur weiß man bis zum Ende nicht, wie schwul sie eigentlich ist (lacht). Meine Beziehung zu dem Mann, den Uwe Ochsenknecht spielt, halte ich nämlich sehr offen. Ich wollte jahrelang nicht aufs Traumschiff und habe schon Wolfgang Rademann gesagt: "Entschuldigung, ich glaube, das ist nichts für mich." Dann rief mich Uwe an, dem sie es angeboten hatten, und der wollte es nur machen, wenn ich sein Partner bin. Also sagte ich: "Uwe, ich bin dabei!" Und siehe da, es hat Spaß gemacht. Es war ein großes Vergnügen für mich, mit Uwe die zwölf Tage auf dem Schiff im Mittelmeer zu verbringen und auch die zehn Tage, die wir danach noch gemeinsam auf den Bahamas drehten. Allerdings war es schon sehr heiß. Schön anzugucken, aber Sie heben den kleinen Finger, und dann läuft der Schweiß schon runter. Das ist natürlich Jammern auf sehr hohem Niveau (lacht).

teleschau: Wollten Sie mit der Rolle des Schwulen auch für Toleranz werben?

Rohde: Überhaupt nicht, weil das für mich so selbstverständlich ist. Mir war immer schon egal, woher jemand kommt, welche Hautfarbe er hat, woran er glaubt, mit wem er pennt, egal! Alles andere war für mich uninteressant. Ob da nun jemand an Buddha, Mohammed, Jesus oder an Krokodile glaubt, ist mir wirklich sehr egal (lacht). Ich wünsche Ihnen Frohe Weihnachten!

Schick kann er auch: Armin Rohde macht die Wandelbarkeit seines Günther Kuballa aus der "Schnitzel"-Reihe (hier mit Christina Do Rego) großen Spaß. (Bild: WDR / Martin Valentin Menke)
Schick kann er auch: Armin Rohde macht die Wandelbarkeit seines Günther Kuballa aus der "Schnitzel"-Reihe (hier mit Christina Do Rego) großen Spaß. (Bild: WDR / Martin Valentin Menke)