Caner steigt bei Adler-Aktionär Aggregate ein und wird CEO

(Bloomberg) -- Der österreichische Geschäftsmann Cevdet Caner wird neuer Chef der Aggregate Holdings SA, einst der größte Aktionär der Adler Group SA. Gleichzeitig wird er Anteilseigner.

Der überraschende Schritt ist die jüngste Wendung in der turbulenten Geschichte des Investmentvehikels von Günther Walcher - ebenfalls ein Österreicher, der sein Vermögen mit der Skilift-Zugangskontrolle Skidata gemacht hat. Caner hat Aggregate bereits in der Vergangenheit beraten, bestreitet jedoch eine Rolle hinter den Kulissen bei Adler.

“Die Entscheidung, Cevdet Caner zum CEO zu ernennen, ist nicht nur eine Anerkennung für seinen enormen Beitrag in der Vergangenheit, sondern vor allem ein Bekenntnis zu unseren Zukunftsplänen”, sagte Walcher am Montag in einer Mitteilung.

Caner übernimmt 20% an Aggregate von Walcher, bisher Alleineigentümer des Unternehmens, für einen nicht genannten Betrag. Ebenso wie Adler geriet Aggregate im vergangenen Jahr ins Visier des streitbaren Leerverkäufers Fraser Perring, der schwere Vorwürfe vorbrachte. Aggregate ist zwar nicht an der Börse, doch seine Anleihen haben unter den Angriffen durch Perrings Viceroy Research schwer gelitten. Aggregate hat den Großteil seines Anteils an Adler zwar abgeben müssen, bleibt aber ein relevanter Aktionär.

Daher gibt der Schritt Caner auch eine formale Rolle in Bezug auf Adler, dessen Auseinandersetzungen mit einigen Gläubigern sich zu verschärfen scheinen. “Ich freue mich darauf, die Planung und Umsetzung der nächsten Phase der Strategie von Aggregate zu leiten”, so Caner in der Mitteilung.

Aggregate setzt außerdem einen zunächst zweiköpfigen Beirat ein, dem Michael Cohrs angehört, einst zusammen mit Anshu Jain Leiter der Investmentbank der Deutschen Bank, sowie Luciano Gabriel, Verwaltungsratspräsident des Schweizer Immobilienunternehmens PSP Swiss Property AG.

Öffentliche Funktion

Der neue Posten ist für Caner die erste öffentliche Funktion, seit seine Plattenbau-Investitionsfirma Level One im Jahr 2008 Insolvenz anmeldete und eine Reihe von Verfahren auslöste, in denen er später freigesprochen wurde.

Im Jahr 2012 begann er, über seine Familienstiftung in Adler zu investieren, wie Bloomberg zuerst berichtete. Daneben beriet er auch Walcher bei dessen Immobilieninvestitionen. Innerhalb weniger Jahre stieg Aggregate zum Hauptaktionär von Consus Real Estate auf, ein Unternehmen, welches später mit Adler fusionierte.

Das Schicksal des Unternehmens wendete sich jedoch im Oktober, als Perrings Viceroy Adler systematischen Betrug, überhöhte Immobilienbewertungen und intransparente Geschäfte mit verbundenen Parteien vorwarf, von denen Caner und ihm nahestehende Personen auf Kosten außenstehender Aktionäre profitierten.

Obwohl Adler und Caner die Vorwürfe vehement bestritten haben, hat der Bericht Schockwellen in der deutschen Immobilienbranche und im Netz der mit Adler verflochtenen Unternehmen ausgelöst. Die Anleihen von Aggregate werden zu etwa 35% des Nennwerts gehandelt. Aktien der Adler Group sind in den vergangenen 12 Monaten um 83% gefallen.

Ein Bericht, den Adler beim Wirtschaftsprüfer KPMG in Auftrag gegeben hatte, um Perrings Behauptungen zu entkräften, ging eher nach hinten los. Statt zu widerlegen, dass Caner der heimliche Adler-Chef ist, kam heraus, dass er erheblichen Einfluss ausübte und dass Caners Schwager an mindestens einer Transaktion mit Adler beteiligt war.

Infolge des Einbruchs der Aktien verlor Aggregate einen Anteil von 20%, den es als Sicherheit für ein Darlehen an die Vonovia SE verpfändet hatte. Aggregate besitzt nun nur noch 6% an Adler.

Überschrift des Artikels im Original:

Caner Takes Stake in Adler’s Investor Aggregate, Becomes CEO

(Neu: Hintergrund zu Caner und Adler)

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