Claire's zieht Kosmetik aufgrund von Asbestwarnung aus den Regalen

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Die beliebte Bekleidungs- und Accessoirekette Claire’s nimmt Make-up aus den Regalen, nachdem in einigen Kosmetikprodukten Asbestfasern gefunden wurden.

Zu Beginn dieser Woche gab die US-amerikanische Gesundheitsbehörde (Food and Drug Administration, FDA) eine öffentliche Warnung für Verbraucher heraus, um zu vermeiden, dass Kosmetika dieser Kette gekauft würden, nachdem in Tests Spuren von Tremolit-Asbest nachgewiesen wurden.

Die FDA empfahl Käufern von Claire’s Lidschatten Nr. 08/17, Claire’s Kompaktpuder Nr. 07/15 und Claire’s Konturpalette Nr. 04/17, diese nicht mehr zu verwenden und die Produkte zu entsorgen.

Die Behörde meldete, dass sie mit Produkttests begonnen hätte, nachdem Berichte über Claire’s Vertrieb von kontaminierten Kosmetikprodukten bei ihr eingegangen waren. Die Behörde gab allerdings auch an, dass bisher noch keine Berichte über „gesundheitsschädliche Wirkungen“  eingegangen seien.


#WARNUNG: Die FDA empfiehlt Verbrauchern, KEINE @claires-Lidschatten, Kompaktpuder und Konturpuderprodukte zu verwenden, da diese möglicherweise mit #asbestos-Fasern kontaminiert sind. Wenn Sie diese Kosmetika bei sich zu Hause haben, dürfen Sie sie nicht mehr weiterverwenden. https://go.usa.gov/xEwAg

Nach der FDA-Sicherheitswarnung gab Claire eine Erklärung heraus, in der den Kunden versichert wurde, dass ihre Produkte unbedenklich seien.

„Wir haben als Vorsichtsmaßnahme die drei von der FDA identifizierten Produkte aus unseren Filialen genommen und auch die restlichen Kosmetikprodukte auf Talkum-Basis entfernt“, heißt es in der Stellungnahme. „Wir werden selbstverständlich Retouren von Claire’s Kosmetikprodukten auf Talkum-Basis annehmen.“

Der Einzelhändler erklärte weiter, dass die Ergebnisse der FDA „erhebliche Fehler aufweisen“ würden und dass alle ihre Produkte unabhängig getestet würden, um den „relevanten Sicherheitsbestimmungen für Kosmetik“ zu entsprechen.

Claire´s hat gegenüber Yahoo Canada bestätigt, dass diese Erklärung auch für kanadische und andere internationale Filialen gilt. Die kanadische Gesundheitsbehörde hat noch nicht bestätigt, ob sie eine eigene Untersuchung einleiten werde. Es wäre jedoch nicht das erste Mal, dass die Behörde eine Überprüfung von Claire‘s durchführt.

Im Jahr 2017 testete die kanadische Gesundheitsbehörde Produkte von Claire‘s, nachdem Berichte über eine Asbestkontaminierung eingegangen waren. Damals wurde festgestellt, dass die Produkte zu diesem Zeitpunkt sicher waren.


Claire‘s behauptet, die Einstufung der Fasern durch die FDA als Asbest würde den Kriterien der Umweltschutzbehörde (Environmental Protection Agency, EPA) und der United States Pharmacopeia (USP) widersprechen. „Trotz unserer besten Bemühungen, diese Probleme mit der FDA zu erörtern, bestehen sie auf einer weiteren Öffentlichmachung“, fuhr der Einzelhändler fort. „Wir sind enttäuscht über diesen Schritt der FDA und werden weiterhin mit ihr zusammenarbeiten, um die Sicherheit unserer Produkte zu beweisen.“

Bei Claire’s steht die Sicherheit der Kunden an erster Stelle, und wir sind stolz darauf, unseren Kunden die hochwertigsten und sichersten Produkte anbieten zu können. Wir möchten auf die heutige Warnung der FDA eingehen, dass drei von Claire‘s verkauften Kosmetikartikel möglicherweise mit Asbest kontaminiert sein könnten.

Asbestverschmutzung ist ein ernstzunehmendes Gesundheitsrisiko, das die Kosmetik- und Talkumpuderindustrie seit langem plagt.

Talkum ist ein natürlich vorkommendes Mineral, das in Make-up und Babypuder verwendet wird. Dieses kann Asbest enthalten, ein bekanntes krebserregendes Mittel. Ob inhaliert oder an Körperbereichen wie dem Genitalbereich, unter den Brüsten oder unter den Armen, der Körper absorbiert Talk und seine potenziellen Karzinogene in die Lymphknoten, was zu Krebs führen kann.

In den 70er Jahren brachten Wissenschaftler erstmals Talkum mit Krebs in Verbindung, als Ärzte in den Tumoren von Patienten mit Eierstockkrebs Talkumpartikel bemerkten. 1973 setzte die US-amerikanische Lebensmittelbehörde Standards durch, um sicherzustellen, dass alle Talkprodukte auf Asbestfreiheit getestet werden.

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Trotz der neuen Bestimmungen ergab eine Studie von Dr. Daniel Cramer aus dem Jahr 1982, dass Frauen, die Talkumpuderprodukte im Genitalbereich verwendet hatten, ein um 92 Prozent erhöhtes Risiko hatten, an Eierstockkrebs zu erkranken.

Die Ergebnisse kamen nur wenige Monate, nachdem Johnson & Johnson dazu verurteilt wurden, für 22 Frauen und ihre Familien Schadensersatz in Höhe von 4,7 Milliarden US-Dollar (41 Milliarden €) zu leisten.

Diese hatten argumentiert, dass Asbest aus dem Talkumpuder des Unternehmens zu ihrem Eierstockkrebs beigetragen hätte. Im Jahr 2016 resultierte eine separate Klage darin, dass die Familie einer Frau aus Alabama eine Schadenersatzzahlung in Höhe von 72 Millionen US-Dollar (64 Millionen €) erhielt. Auch hier wurde argumentiert, dass die Frau an Eierstockkrebs gestorben sei, der durch die Verwendung von talkumhaltigen Produkten von Johnson & Johnson verursacht worden war.

Das Unternehmen wurde von mehr als 9.000 Frauen verklagt, die die Verwendung von Talkumpuder mit ihrem Ovarialkarzinom verknüpfen, obwohl Johnson & Johnson dies wiederholt abstreitet.

Die „American Cancer Society“ empfiehlt, die Verwendung von Talkum-Produkten „zu meiden oder einzuschränken“, wann immer dies möglich ist, bis weitere Studien zu den Wirkungen des Inhaltsstoffs abgeschlossen werden können.

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Laut der Kampagne für sichere Kosmetika wurden die Bestimmungen zur kosmetischen Sicherheit seit mehr als 80 Jahren nicht aktualisiert. Das bedeutet, dass Makeup-Produkte nicht denselben behördlichen Vorschriften unterliegen wie Körperpflegemittel oder Haushaltsartikel.

Einige Kosmetikunternehmen haben es sich jedoch zur Aufgabe gemacht, Produkte zu produzieren, die vollständig ohne Talk sind, darunter Smashbox, Honest Beauty und BareMinerals.

Sie können Talkum in Ihren Haushaltsprodukten und Hygieneartikeln reduzieren, indem Sie Nachforschungen betreiben und sich über die Inhaltsstoffe Ihrer Lieblingsmarken informieren.

Wenn Sie sich für die Verwendung von Talkumpuderprodukten entscheiden, dann versuchen Sie möglichst, das Einatmen zu vermeiden, es von Kindern fernzuhalten und es nicht im Genitalbereich zu verwenden, auch wenn das Produkt als asbestfreier Talkumpuder aufgeführt ist.

Elizabeth Di Filippo