Clinton macht sich über Trumps Erdogan-Brief lustig

Donald Trump (rechts) schüttelt die Hand des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan während des G-20-Gipfels im Juni. Mittlerweile schreibt der US-Präsident lieber Briefe. Foto: AP Photo / Susan Walsh

Auf Twitter veröffentlichte die ehemalige Präsidentschaftskandidatin der US-Demokraten, Hillary Clinton, einen gefälschten Brief von John F. Kennedy an Nikita Chruschtschow. Darin ahmt sie Ton und Formulierungen nach, die Donald Trump in seinem schon jetzt berühmten Schreiben an Recep Tayyip Erdoğan nutzte.

Jetzt mischt sich auch noch Hillary Clinton ein. Dazu in einer Art und Weise, wie es auch Donald Trump selbst gut zu Gesicht gestanden hätte: auf Twitter mit einem Meme.

Clinton veröffentlichte am Sonntag auf ihrem Feed die Parodie eines Briefes von John F. Kennedy an Nikita Chruschtschow, Kennedys damaligen Gegenpart in der Sowjetunion. In Anspielung auf Trumps jüngst veröffentlichten Brief an den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan. Überschrieben hat Clinton ihre Version, die im Jahr 1962 zur Zeit der Kubakrise spielt, mit den Worten: „Das habe ich in den Archiven gefunden…“

Der Brief liest sich so:

„Sehr geehrter Ministerpräsident Chruschtschow,

Seien Sie kein Idiot, ok? Schaffen Sie ihre Raketen raus aus Kuba. Und jeder wird rufen: ‚Yay! Chruschtschow! Sie sind der Beste!‘ Wenn Sie das aber nicht machen, wird jeder sagen: ‚Was sind Sie für ein Arschloch!‘ Und jeder wird ihre verdreckte Heimat nur noch ‚The Soviet Bunion‘ nennen.

Wegen Ihnen muss ich hier außerdem Überstunden schieben.

Ich rufe Sie später an.

Fühlen Sie sich gedrückt,

John Fitzgerald Kennedy“

Clintons Tweet verteilte sich rasend schnell, bislang wurde er knapp 40.000 Mal geteilt. Dazu fand er sogar Eingang in einen Part bei der Late Night Show von „Jimmy Kimmel“.

Der Brief, auf dem Clintons Version fußt, ist zudem ein Beispiel für eine der erfolgreichsten Trump-Strategien: Ablenkungsmanöver. Seit er im Amt ist, reagiert Trump auf Gegenwehr aus Politik oder Gesellschaft mit einer – so schreibt es der Spiegel – „Strategie der ständigen Eskalation“. Nimmt die Empörung über eine kontroverse Aussage, einen Tweet oder ein neues Dekret Überhand, reagiert Trump mit einer neuen „Monstrosität“. Bis „die schiere Menge der Monstrositäten unbewältigbar wird“.

Aktuelles Beispiel: Trump hat vor zwei Wochen angeordnet, US-Truppen aus Nordsyrien, aus einem, wie er sagt, „unnötigen Krieg“, abzuziehen. Mit dieser wohl spontanen Entscheidung überraschte er sowohl Demokraten als auch Republikaner und erfuhr sofort, über die Parteigrenzen hinweg, vehemente Ablehnung. Sicherheitspolitiker warnten umgehend davor, dass die türkische Armee dies zum Anlass nehmen würde, in Nordsyrien einzumarschieren. Und so kam es auch.

Beschämend für das Amt des Präsidenten

Also entschied sich Trump, einen Brief an das türkische Staatsoberhaupt Recep Tayyip Erdoğan zu schreiben. Der alsbald auf wundersame Weise den Weg an die Öffentlichkeit fand. Und schon diskutierte die Öffentlichkeit nicht mehr über Trumps gefährliche Außenpolitik, sondern darüber, dass seine Briefe „beschämend für das Amt eines Präsidenten seien“ – so zumindest formulierte es der demokratische Kongressabgeordnete Mike Levin.