Clubhouse: Warum die Trend-App mit Vorsicht zu genießen ist

Willy Flemmer
·Freier Autor für Yahoo
·Lesedauer: 3 Min.

Kaum eine andere App ist momentan so angesagt wie Clubhouse. Doch das soziale Netzwerk steht in der Kritik. Der Anbieter gilt als Datenkrake.

Aktuell, Symbolbild und Logo der neuen Hype und Social-Media-App Clubhouse . Die Audio-Anwendung ist aktuell eine der beliebtesten im Apps im App Store von Apple. Aktuell wird auf Grund der Members only und Einladungsstrategie sowie der geltenden Datenschutzrichtlinien viel ueber die App gesprochen
Kaum eine andere App ist momentan so angesagt wie Clubhouse. Doch das soziale Netzwerk steht in der Kritik (Bild: ddp images)

Mit Clubhouse wächst einer der stärksten Konkurrenten für Facebook und Twitter heran. Doch das bei immer mehr Nutzern angesagte soziale Netzwerk steht auch in der Kritik. Unter anderem beklagen Skeptiker den problematischen Umgang des Betreibers mit den Nutzerdaten.

Alle Welt redet von Clubhouse, dabei ist das soziale Netzwerk noch gar nicht richtig gestartet. Auf die App können derzeit nur die Apple-Nutzer zugreifen, was denn auch immer mehr Menschgen tun. Die Anwendung gehört aktuell zu den am meisten heruntergeladenen im App Store des Anbieters. Hinzu kommt die Einschränkung, dass man für die Verwendung des 2020 gegründeten Dienstes eine Einladung braucht.

Clubhouse an Adressbüchern interessiert

Letzterer Umstand leitet zum ersten Kritikpunkt über. Um die Vernetzung der Nutzer zu gewährleisten, werden diese bei der Anmeldung gebeten, mit dem Dienst ihr Adressbuch zu teilen. Das Problem dabei: Während der Betreiber mit dem Wissen des Nutzers auf sein Adressbuch zugreift, geschieht der weitere Umgang mit den Daten ohne Wissen und Zustimmung des Nutzers und erst Recht der Kontaktpersonen.

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Dass der Dienst die Adressbücher benutzt, um ihren Kontaktpersonen eine Einladung zu Clubhouse zu verschicken, liegt also nicht im Einflussbereich der Nutzer. Auch können sie nicht verhindern, dass der Betreiber ihre Kontakte auf seinen Servern speichert und auf Grundlage der Daten so genannte Schattenprofile erstellt – von Nutzern wohlgemerkt, die noch gar nicht Teil des Netzwerks sind.

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Mit Clubhouse kommunizieren die Nutzer mit ihrer Stimme. (Symbolbild: Getty Images)

Dieses Vorgehen ist höchst bedenklich. Der Anbieter verstößt damit gegen die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union, in der die Regeln für den Umgang mit Nutzerdaten in Europa formuliert sind. Es sei "problematisch", dass "die Kontaktdaten von Adressbuchkontakten, die noch nicht bei Clubhouse angemeldet sind, ohne deren Einwilligung an das Unternehmen übermittelt werden", meint der Medienanwalt Christian Solmecke gegenüber dem Magazin Netzwelt.

Ist Clubhouse ein Datenkrake?

Neben den Adressbüchern ist Clubhouse an zahlreichen anderen Nutzerdaten interessiert. Dazu zählen Informationen wie Name, Foto, Telefonnummer und E-Mail-Adresse der Mitglieder, ferner Details über Geräte, die sie verwenden, sowie ihr Verhalten auf der Plattform. Nicht zuletzt zeichnet der Dienst die Gespräche der Nutzer mit der Begründung auf, eventuelle Verstöße gegen die Richtlinien der App nachzuverfolgen.

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All das stößt ebenfalls auf Kritik, wenngleich der Anbieter damit nicht gegen geltendes EU-Recht verstößt. Denn diese Form der Datensammlung geschieht mit Wissen und nach Zustimmung der Mitglieder. Dazu wieder Anwalt Solmecke: "Da Clubhouse es den Nutzern freistellt, die Kontaktdaten aus dem eigenen Adressbuch weiterzugeben, ist bei der App selbst in dieser Beziehung kein Verstoß gegen das Datenschutzrecht festzustellen."

Aller Bedenken zum Trotz scheint der Erfolg von Clubhouse nicht aufzuhalten. Denn der Anbieter wird dem sich wandelnden Geschmack der Nutzer gerecht, die sich immer mehr via Audio informieren und miteinander vernetzen. Auf der Plattform kommunizieren die Mitglieder mit ihrer Stimme. Dazu stehen ihnen "Räume" zur Verfügung, die alle Nutzer betreten können. Auch hat jedes Mitglied die Möglichkeit, selbst einen Chat-Raum zu öffnen. Will man sich an einer Diskussion beteiligen, muss man sich melden, um von den Sprechern eingeladen zu werden.

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