Corona, Grippe oder Erkältung? So unterscheiden sich die Symptome

Elizabeth Gulino
·Lesedauer: 5 Min.

Die Grippe- und Erkältungssaison hat offiziell begonnen – und dürfte verwirrend werden wie nie zuvor. Während nämlich auch die COVID-19-Zahlen hierzulande wieder steigen, treffen dabei drei Krankheiten mit teils sehr ähnlichen Symptomen aufeinander.

Gehen wir mal davon aus, du fühlst dich schlapp, hast eine verstopfte Nase, Halsschmerzen, vielleicht sogar Fieber. Woran sollst du nun erkennen, ob du einen grippalen Infekt, eine ausgewachsene Grippe oder sogar Corona hast?

“Eine Erkältung, die Grippe und COVID haben tatsächlich viele Überschneidungen“, bestätigt auch die epidemiologische Krankenschwester Lauren Bryan aus Colorado gegenüber Refinery29. Was bei der Verbreitung aller drei Krankheiten hilft, sind Social Distancing, das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung und viel Zeit zu Hause. Trotzdem kann nichts das Risiko einer Erkrankung völlig eliminieren – vor allem, wenn du zum Beispiel weiterhin zur Arbeit musst, oder deine Kinder zur Schule gehen. Also haben wir bei Bryan und anderen medizinischen Expert*innen nachgefragt, worin sich die Symptome von Grippe, Erkältung und Corona unterscheiden.

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Ein kleiner Spoiler vorweg: Eine definitive Antwort gibt es darauf nicht; und sogar Corona- und Grippetests können manchmal daneben liegen. Die Symptome überschneiden sich, und gerade die von COVID-19 lernen wir erst noch kennen. Die Expert*innen haben uns aber ein paar nützliche Anhaltspunkte gegeben, die dir hoffentlich weiterhelfen, wenn du dir bezüglich deiner Symptome unsicher bist.

COVID-19-Symptome

Ein ziemlich eindeutiges Anzeichen einer Corona-Erkrankung scheint der Verlust des Geschmacks- und Geruchssinnes zu sein. “Das ist einzigartig und passiert so nicht bei der Erkältung oder Grippe”, erklärt Bryan. Die Forschung vermutet dahinter Schäden an den Nervenzellen in der Nase.

Das Problem mit diesem Symptom ist jedoch folgendes: Es tritt nicht in jedem Fall auf; daher solltest du dich auch mit den anderen Corona-Symptomen vertraut machen. Das Robert-Koch-Institut listet derzeit Husten, Fieber und Schnupfen als die häufigsten Symptome auf. Auch Halsschmerzen, Atemnot, Kopf- und Gliederschmerzen, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Bauchschmerzen, Erbrechen, Durchfall und eine Lungenentzündung (Pneumonie) können je nach Patient*in weitere Anzeichen für Corona sein. Bis die ersten Symptome auftreten, vergehen laut RKI durchschnittlich fünf bis 14 Tage.

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“Grippesymptome können denen von COVID dabei sehr ähnlich sein”, sagt Dr. Michael Richardson aus Boston. “Corona kann daher erst einmal wie eine Grippe wirken, hat aber tatsächlich deutlich vielfältigere Symptome. Das sind teils willkürliche Dinge wie Ausschläge, “COVID-Zehen”, Halsschmerzen, Herzprobleme, Hirnbeschwerden …“ Wenn du dich also fühlst wie mit einer Grippe, nur schlimmer, ist es womöglich Corona.

Grippesymptome

Die Anzeichen einer Grippe (auch: Influenza) treten meist sehr plötzlich und alle gleichzeitig auf. Vielleicht wachst du morgens noch fit auf, fühlst dich aber ein paar Stunden später schon furchtbar. Auch ist die Inkubationszeit bei der Grippe sehr kurz: Wenn du gestern angeniest wurdest und es dir heute schlecht geht, deutet das eher auf die Grippe als auf Corona hin.

Ebenfalls typisch für die Grippe ist das damit verbundene Ganzkörperleiden. Deine Muskeln tun weh, du hast Fieber und bist verschnupft? Klingt mehr nach Grippe als nach einer Erkältung, bei der sich die Probleme meist auf die verstopfte Nase und leichte andere Symptome beschränken. Dr. Judy Tung aus New York erzählt Refinery29, dass viele ihrer Grippe-Patient*innen klagen, sie fühlten sich, als hätte man sie mit einem Baseballschläger verdroschen.

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Die Grippe fängt meist mit einem Frösteln und starken Krankheitsgefühlen an und kann sich dann unter anderem mit Fieber, Halsschmerzen, Husten, tränenden Augen, einer laufenden Nase, Übelkeit sowie Kopf- und Gliederschmerzen zeigen. Kann, nicht muss – denn viele Erkrankte bekommen ihre Infektion womöglich gar nicht mit, obwohl laut der Weltgesundheitsorganisation jährlich rund zehn bis 20 Prozent der Weltbevölkerung an der Grippe erkranken.

Gerade in diesem Jahr wird von allen Seiten zur Grippeimpfung geraten. Und das ist wohl einer der mitunter größten Unterschiede zwischen Influenza vs. Corona oder Erkältung: Ja, es gibt eine Impfung – die jedoch nicht automatisch das Erkrankungsrisiko erlöschen lässt, da sie weit im Voraus anhand von Spekulationen zur Form des Virus im kommenden Jahr entwickelt wird. Dennoch kann eine Impfung gegen eine andere Grippeform die Symptome und den Verlauf der tatsächlichen Infektion mindern, weswegen die Impfung vor allem chronisch Kranken, Menschen ab 60 Jahren und Schwangeren empfohlen wird.

Erkältungssymptome

Wenn du eine verstopfte Nase und Halsschmerzen hast, dauernd niesen musst, aber weder Kälteschauer noch Fieber hast, bist du vermutlich nur erkältet. Das kann auch durchaus häufiger passieren: Erwachsene erkranken rund zwei- bis viermal im Jahr am sogenannten grippalen Infekt und stecken diesen aufgrund seiner meist milden, langsam auftretenden Symptome gut weg. Dazu zählen beispielsweise ein kratzender oder schmerzender Hals, Husten, Schnupfen, Heiserkeit, Kopfschmerzen und Abgeschlagenheit, manchmal auch Fieber.

Was mache ich jetzt, wenn ich mich krank fühle?

Im Corona-Jahr 2020 gilt: Bei all diesen Symptomen solltest du sicherheitshalber davon ausgehen, dass es sich um Corona handeln könnte, und entsprechende Sicherheitsmaßnahmen treffen, meint Dr. Richardson. Bevor du dich testen lassen kannst, wirst du es nie genau wissen können, und solltest daher – wenn möglich – erst einmal in deinen eigenen vier Wänden bleiben, um nicht selbst zum Super-Spreader zu werden.

Werden deine Symptome immer schlimmer und du leidest irgendwann unter Kurzatmigkeit oder Atemnot, solltest du deinen Arzt oder deine Ärztin anrufen. Dort wird man dir dann sagen, wie du weiter verfährst. Nützliche Informationen rund zum Corona-Test sowie einen eTerminservice findest du hier.

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