Corona: Schützt Luftanhalten vor dem Virus?

Sandra Alter
·Freiberufliche Journalistin
·Lesedauer: 3 Min.

Um eine Ansteckung mit Covid-19 zu vermeiden, ist Abstand halten wichtig – aber leider nicht immer möglich. Hilft es, in solchen Situationen die Luft anzuhalten?

COVID-19 Coronavirus message in a store to stay apart 2 meters from each other.
Zwei Meter Abstand zu anderen Menschen zu halten - das ist nicht immer einfach. (Bild: Getty Images)

Das haben die meisten von uns schon einmal erlebt: An der Ampel, auf dem Bürgersteig oder beim Joggen – plötzlich kommt jemand auf Sie zu, der keinen Mund-Nasen-Schutz trägt. Ausweichen und der Abstand von zwei Metern sind unmöglich.

Reflexartig halten viele Menschen dann die Luft an, bis der andere vorbei ist. Aber bringt das überhaupt etwas? Kann Luftanhalten wirklich verhindern, sich mit dem Coronavirus zu infizieren?

„Also ich glaube, solche Erlebnisse hat jeder. Der Reflex ist nicht falsch“, so Alexander Kekulé, Professor für Medizinische Mikrobiologie und Virologie, im Podcast von MDR Aktuell. Das Gefährliche an dieser Infektion sei hauptsächlich die Ausatemluft.

Luftanhalten könnte in Ausnahmefällen helfen

Dass Luftanhalten in Ausnahmefällen helfen könnte, dieser Überzeugung ist auch Professor Jose-Luis Jimenez, Aerosolexperte der University of Colorado Boulder. Etwa dann, wenn Sie an jemandem vorübergehen, der eine hohe Viruslast über Aerosole abgibt und dessen ausgeatmeter Atem mit geringer Verdünnung auf Sie trifft, erklärt er der britischen HuffPost.

Übermäßig große Sorgen, sich im Freien anzustecken, müsse sich jedoch niemand machen. „Das Risiko einer Übertragung, wenn Sie jemandem auf der Straße begegnen, ist ziemlich gering, insbesondere, wenn Sie eine gute Maske tragen“, so Prof. Jimenez.

Besser: Technik wie beim Schwimmen

Auch für Dr. Julian Tang ist es nicht ganz abwegig, die Luft anzuhalten, wenn man Menschen zu nahe kommt. Er empfiehlt folgende Technik: Wenn Sie jemanden auf sich zukommen sehen, atmen Sie kurz ein und wieder aus, sobald Sie an der Person vorbei gegangen sind. „Den Atem anzuhalten ist gut, aber wenn Sie ausatmen, ist es noch besser, weil Sie dann alle Viren wegblasen“, sagt er HuffPost.

Um die Technik zu verdeutlichen vergleicht es der Virologe mit der Atmung beim Schwimmen: Tief einatmen, beim Untertauchen die Luft anhalten und beim Auftauchen ausatmen. „Es ist eine physikalisch starke Methode, um das Einatmen von Aerosolen zu vermeiden“, so Dr. Tang

Risiko einer Ansteckung im Freien relativ gering

Dass das Risiko, sich an der frischen Luft anzustecken, im Vergleich zu Innenräumen jedoch eher gering einzuschätzen ist – da sind sich die meisten Experten einig. Zu diesem Schluss kamen auch Forscher der Universität Berkeley in San Francisco. Für eine umfassende Literaturstudie werteten die Wissenschaftler zwölf internationale Studien aus.

Ergebnis: In fünf Studien betrug der Anteil der Ansteckungen im Freien weniger als 10 Prozent. Im Vergleich dazu lag die Ansteckungsrate laut den vorliegenden Studien in Innenräumen bis zu 19-mal so hoch. Zu berücksichtigen sei dabei aber auch immer, wie häufig und wie lange Kontakte stattfinden und ob dabei Schutzausrüstung getragen werde oder nicht.

Auch Kleinigkeiten helfen

Professor Tang denkt jedoch, dass auch Kleinigkeiten helfen können, eine Ansteckung zu vermeiden. In Anbetracht dessen, dass man andere Menschen im Vorbeigehen nicht berühre und auch große Tröpfchen nicht einatmen könne, da sie zu Boden fallen, sei der Hauptansteckungsweg seiner Ansicht nach die Aerosolübertragung.

„Und wenn Sie das Risiko einer Inhalation kontrollieren möchten, wird das Luftanhalten oder eben das Ausatmen – wenn Sie es richtig ausführen, während Sie an jemandem vorbeigehen – zum Schutz im Freien beitragen“, erklärt Prof. Tang.

Video: So schützen FFP2- und OP-Masken