Coronavirus-Pandemie: Angstzustände und Depressionen nehmen zu – das kann man dagegen tun

Style International Redaktion
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Um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, setzen viele Regierungen auf den nationalen Lockdown, sowie Ausgangsbeschränkungen. Doch die Pandemie hat nicht nur phyische, sondern verstärkt auch psychische Probleme zur Folge.

Coronavirus-Pandemie: Angstzustände und Depressionen nehmen zu – das kann man dagegen tun
In zwei Studien, die am Freitag im Journal of the American Medical Association veröffentlicht wurden, untersuchten Wissenschaftler nicht nur, was Menschen mit psychischen Gesundheitsproblemen möglicherweise stärker gefährdet, sondern auch, was getan werden kann, um das Risiko zu verringern. (Foto: Getty Images)

Die Coronavirus-Pandemie breitet sich rund um den Globus aus und Ärzte und Krankenschwestern arbeiten unter Hochdruck daran, die über 1,8 Millionen Menschen zu behandeln, die weltweit infiziert sind. Auch die Bundesregierung und die Landesregierungen in den USA haben ihre Bemühungen zur Eindämmung der Pandemie verstärkt. Dazu gehört auch die Anordnung an die Bürger, bis auf Weiteres zu Hause zu bleiben.

In einer neuen Studie, die am Freitag im Journal of the American Medical Association (JAMA) veröffentlicht wurde, warnen Experten die Amerikaner allerdings auch, sich noch einer anderen Bedrohung bewusst zu sein – psychischen Problemen.

Studie: Lockdown kann psychische Probleme verursachen

„Katastrophen großen Ausmaßes, egal ob traumatisch oder umweltbedingt, gehen fast immer mit mehr Depressionen, posttraumatischen Belastungsstörungen (PTSD), Drogenkonsum sowie einer Vielzahl weiterer psychischer Probleme und Verhaltensstörungen einher“, schreiben die Autoren. „Im Kontext der COVID-19 Pandemie scheint es wahrscheinlich, dass Angstzustände und Depressionen, Drogenmissbrauch, Einsamkeit und häusliche Gewalt erheblich zunehmen werden.“

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Die Autoren führen anschließend aus, dass „mehrere Aspekte“ des von vielen US-Bundesstaaten verhängten Lockdowns psychische Probleme verursachen können. Dazu zählen unter anderem die wirtschaftliche Belastung, soziale Isolation, eingeschränkter Zugang zu Unterstützung durch Gemeinschaften und Religionen und Barrieren für die Behandlung psychischer Probleme. Um diese Probleme zu bekämpfen, gibt es ein paar Möglichkeiten, positiv zu bleiben.

Akzeptiere was passiert

Dr. Jen Hartstein, Psychologin und Gastautorin für psychische Gesundheit bei Yahoo Lifestyle, empfiehlt, dass die Akzeptanz der aktuellen Geschehnisse ein erster Schritt in Richtung Heilung sein kann. „Ereignisse wie diese haben Einfluss auf unsere psychische Gesundheit, weil sie Instabilität in unserem Leben verursachen… sie stören unsere täglichen Routinen und sorgen dafür, dass wir uns vermehrt Sorgen machen über die Erkrankung, wie sie unser Leben und die Menschen beeinflusst, die uns wichtig sind, etc.“, sagt sie. „Wir haben keinen Maßstab dafür, wie wir mit einer globalen Situation wie der, mit der wir derzeit konfrontiert sind, umgehen sollen. Die traumatische Natur der Situation löst bei vielen von uns unterschiedliche emotionale Reaktionen aus: Häufig Depressionen und Angstzustände“, sagt sie. „Indem man diese Gefühle aktiv wahrnimmt, ohne darauf zu reagieren, ermöglicht es einem, mit einem Plan weiterzumachen.“

Bekämpfe Einsamkeit mit Routinen und virtuellen Aktivitäten

Die JAMA-Forscher empfehlen, die „Unvermeidbarkeit von Einsamkeit“ zu akzeptieren, während man sich drinnen aufhalten muss. Statt sich nur darüber zu ärgern, empfehlen sie, den Ärger als Antrieb für eine tägliche Routine zu nutzen, die so viele regelmäßige Aktivitäten wie möglich umfasst. „Die Nutzung digitaler Technologien kann die soziale Distanz überbrücken, selbst wenn man physisch auf Distanz gehen muss“, schreiben die Autoren und fügen hinzu: „Wie bereits erwähnt, kann Online-Ersatz für tägliche Aktivitäten extrem hilfreich sein.“

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Falls du es noch nicht getan hast, solltest du nach digitalen Möglichkeiten suchen, mit Leuten in Kontakt zu kommen und Dinge zu tun, die du magst – wie beispielsweise Gottesdienste, Yoga-Klassen, Kurse und Besuche von Freunden. Hartstein stimmt zu: „Soziale Distanzierung ist rein physisch“, erklärt sie Yahoo Lifestyle. „Wir können aber auf so viele Arten mit anderen in Kontakt bleiben und es ist wichtig, dass wird das auch tun. Wir stecken da alle zusammen drin – wortwörtlich und im übertragenen Sinn.“

Etabliere ein Unterstützungssystem für regelmäßigen Austausch

Obwohl die sozialen Medien manchmal Angstzustände verursachen können, erkennen die Forscher an, dass sie eine wichtige Rolle spielen. Die sozialen Medien können auch eingesetzt werden, um Gruppen zu ermutigen, sich zu vernetzen und Individuen an vertrauenswürdige Ressourcen zur Unterstützung der psychischen Gesundheit weiterzuleiten. Die Plattformen können auch Check-in-Funktionen verbessern, um den regelmäßigen Kontakt zwischen Individuen herzustellen und es Personen zu ermöglichen, Informationen über ihr Wohlbefinden und ihre Ressourcenbedürfnisse mit anderen zu teilen“, schreiben sie.

Achte auf Anzeichen, ob sich deine psychische Gesundheit verschlechtert

Auf seine Stimmung und die der anderen zu achten – und es zu sagen, wenn man eine Veränderung wahrnimmt – ist eine aktive Möglichkeit, während der Pandemie psychische Probleme zu vermeiden. „Wenn du bemerkst, dass jemand, der dir nahesteht, Probleme hat, dann ist es wichtig, Hilfe zu finden. Vielleicht bemerkst du, dass jemand häufiger als sonst weint oder nicht zurückruft und sich isoliert oder jegliche Interaktion vermeidet“, so Hartstein. „Vielleicht ist die Person reizbarer und aufbrausend. Fällt dir irgendeine größere Veränderung im Verhalten auf, dann frag nach, was los ist. Lass die Person wissen, was dir aufgefallen ist, ohne darüber zu urteilen, und beginne ein Gespräch.“ Vor allem für Opfer häuslicher Gewalt ist es wichtig, dass sie sich regelmäßig mit jemandem austauschen – während der Coronavirus-Krise hat die häusliche Gewalt Berichten zufolge zugenommen.

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Teste als Option für eine Behandlung eine Online-Beratung

Es mag schwer erscheinen, via Zoom über seine Gefühle zu sprechen. Die Forscher sagen allerdings, dass es eine sehr gute Möglichkeit sein kann, Probleme zu bewältigen. Telemedizinische Konsultationen zur psychischen Gesundheit, Gruppensitzungen und Pflege via Technologieplattformen sind wichtige Komponenten einer gestuften Versorgung - sowohl für das akute Krisenmanagement als auch für eine routinemäßigere Kommunikation und Unterstützung“, schreiben sie. „Die Gesundheitssysteme, sowohl im öffentlichen als auch im privaten Sektor, werden Mechanismen entwickeln müssen, um wichtige Medikamente aufzufüllen und zu liefern, darunter auch Psychopharmaka.“ Hartstein merkt an, dass viele Städte auch Hotlines für Probleme während der Krise eingerichtet haben. „Informiere dich über deine Möglichkeiten für Unterstützung”, sagt sie.

Leg dein Handy weg und beweg dich

Die sozialen Medien und andere Apps sind eine gute Möglichkeit, mit anderen in Kontakt zu bleiben. Aber Hartstein sagt, es ist wichtig, zu erkennen, dass das Gehirn manchmal eine Pause braucht. „Man verbringt derzeit schnell mehr Zeit vor Bildschirmen – ganz einfach, weil sie verfügbar sind. Man bleibt auch leichter bei den Nachrichten hängen und Dingen, die unsere Angst verschlimmern“, sagt Hartstein. „Nutze deine Zeit am Bildschirm sinnvoll. Lege eine Zeit fest, zu der du die Nachrichten checkst. Bestimme außerdem eine feste Zeit, in der die elektronischen Medien aus bleiben.” Und was kann man stattdessen tun? Ganz einfach: Beweg dich. „Bewegung sorgt für die Ausschüttung des Glückshormons Dopamin“, so Hartsein. „Manchmal ist es schwer, es zu aktivieren, aber wir wissen, dass Bewegung hilft. Mach einen Online-Kurs, gehe spazieren.“

Abby Haglage

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