Coronavirus: Wie die Ausbreitung mit dem Wetter zusammenhängt

Ann-Catherin Karg
Freie Journalistin

In der allgemeinen Krisenstimmung heben die für die Jahreszeit warmen Temperaturen in Deutschland nicht nur die Laune, sondern könnten auch einen Effekt auf die Ausbreitung des Coronavirus haben. Insbesondere der Luftfeuchtigkeit kommt eine besondere Bedeutung zu.

Je wärmer es wird, umso schwächer könnten die Coronaviren werden. (Bild: Getty Images)

Auch in Deutschland wächst die Zahl der mit dem Coronavirus Infizierten mittlerweile exponentiell und Wissenschaftler sind sich darin einig, dass sich über kurz oder lang 60 bis 70 Prozent aller Deutschen infizieren werden. Damit das Gesundheitssystem dem standhalten kann, geht es vor allem darum, diesen Prozess zu verlangsamen. Abseits aller Schließungs- und Reglementierungsmaßnahmen der Bundes- und Landesregierungen gibt es mit dem Wetter aber noch einen weiteren Faktor, der die Verbreitung des Virus eindämmen könnte.

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”Der Sommer könnte unser bester Verbündeter sein“

Gegenüber der ARD sagte der Virologe Alexander Kekulé: ”Wenn es warm wird, werden die Coronaviren normalerweise schwächer und die Krankheit schwächt sich ab. Der Sommer könnte unser bester Verbündeter sein.“ Und auch der Berliner Virologe Christian Drosten, der die Regierung in Sachen Coronakrise berät, sagte im Gespräch mit dem RBB, die Wärme im Sommer, die UV-Strahlen und die Tatsache, dass Leute vermehrt draußen seien und sich weniger aneinander infizieren können, könnten einen positiven Effekt für die Menschen darstellen.

In trockener Winterluft bleiben Viren hochkonzentriert zurück

Wie genau es dazu kommt, erklärte die Meteorologin Katja Horneffer kürzlich im ”heute journal“ des ZDF anhand einer 3D-Animation. Wichtig sei vor allem die Luftfeuchtigkeit, denn: ”Die Tröpfchenwolke, die Infizierte ausatmen, kann Millionen Erreger enthalten. Bei trockener Luft verdunstet das Wasser dieser Wolke sehr schnell, und die Viren bleiben hochkonzentriert länger in der Luft als bei höherer Luftfeuchtigkeit.“ Hitze und UV-Strahlen setzten vor allem den Viren zu, die von einer Fettschicht umgeben seien.

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Das SARS-Virus zum Beispiel sei durch höhere Temperaturen geschwächt worden, weil die schützende Fettschicht dann schwächer wird. Insofern könnten die wärmeren Sommermonate die Zahl der Neuerkrankten auf natürliche Weise eindämmen und dadurch wichtige Zeit gewonnen werden, die Forscher benötigen, um einen Impfstoff zu entwickeln.

Der Sommer 2020 soll wieder heiß werden

Wettervorhersagen des Britischen Wetterdienstes Met Office deuten darauf hin, dass Deutschland wieder ein Rekordsommer mit großer Hitze bevorstehen könnte. Den daraus entstehenden Problemen wie eine schlechte Ernte und eine erhöhte Waldbrandgefahr stünde dann immerhin die Eindämmung des Coronavirus entgegen.

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