Cyberangriffe auf mindestens neun deutsche Supercomputer

teleschau

In den vergangenen Tagen wurden mehrere Supercomputer in Europa wegen Hacker-Angriffen vom Netz genommen - darunter nach bisherigen Erkenntnissen neun in Deutschland. Die Hintergründe sind weitgehend unklar.

Sie sind aus der Forschung nicht mehr wegzudenken: Supercomputer stellen enorme Rechenleistung für die Wissenschaft bereit - weltweit läuft seit Jahren ein Wettbewerb, wer den schnellsten hat. Seit einigen Tagen jedoch berichten zahlreiche Hochleistungsrechenzentren von mysteriösen Hackerangriffen, auch mehrere deutsche Superrechner sind betroffen. Zum Teil wurden die Zugänge offenbar gleichzeitig von unbekannten Angreifern kompromittiert. Mehrere Supercomputer wurden daher europaweit vom Netz genommen.

Einem Bericht des "Spiegel" zufolge sind alleine in Deutschland mindestens neun Supercomputer betroffen, darunter der "Hawk" in Stuttgart sowie das Leibniz-Rechenzentrum in München. Beide gehören zu den leistungsfähigsten Supercomputern weltweit. Aus München heißt es etwa: "Wir können einen Sicherheitsvorfall bestätigen, von dem unsere Hochleistungsrechner betroffen sind. Sicherheitshalber haben wir deshalb die betroffenen Maschinen von der Außenwelt abgeschottet." Die zuständigen Behörden seien informiert worden.

Beim "bwForCluster NEMO" in Freiburg hätten Angreifer außerdem durch einen gestohlenen Zugang Root-Privilegien erlangt - also umfangreiche Rechte auf dem betroffenen System. Auch der Betreiber "Archer" aus Großbritannien berichtet von Angriffen, deshalb seien nun alle existierenden Passwörter und SSH-Schlüssel überschrieben worden.

Über die Motive der Angriffe kann derzeit nur spekuliert werden. Zuletzt hatten die USA China vorgeworfen, in der Corona-Pandemie Einrichtungen anzugreifen, die an Impfstoffen oder Therapien gegen das Coronavirus forschen. US-Sicherheitsexperten gehen davon aus, dass Geheimdienste derzeit weltweit versuchen, an wichtige Forschungsergebnisse zum Coronavirus zu gelangen.