Darum hat Aldi die schnellste Kasse Deutschlands

Willy Flemmer
Freier Autor für Yahoo

Aldi soll die schnellste Kasse Deutschlands haben. Wir zeigen, mit welchen Mitteln der Discounter-Riese sich diesen Ruf erarbeitet hat.

Aldi hat die schnellste Kasse aller deutschen Discounter. Was macht der Konzern anders als seine Konkurrenten? (Bild: Getty Images)

Keiner liebt sie, die langen Warteschlangen an den Supermarkt-Kassen. Und doch kommt keiner um sie herum. So sehr sich die Kassensysteme in den letzten Jahren technisch verbessert haben, Wartezeiten an den Kassen gehören zum Einkauf trotzdem noch immer wie das Amen in der Kirche. Kurz vor Ladenschluss, an den Wochenenden oder am letzten Werktag vor einem Feiertag ist es ganz besonders schlimm. Resignieren kommt für die Supermarkt-Betreiber nicht in Frage. Sie können die Auswirkungen des Unvermeidlichen allenfalls minimieren. Vereinfachung und Effizienz sind daher das A und O in der Philosophie eines jeden Discounters. Und keiner setzt dieses Prinzip in Deutschland konsequenter um als Aldi.

Schnelligkeit durch Effizienz

Wie wichtig dem Supermarkt-Riesen sowohl im Norden (Aldi Nord) als auch im Süden (Aldi Süd) Effizienz ist, zeigt sich auch und vor allem an der berüchtigten schnellen Kundenabwicklung an der Kasse. Kein anderer Discounter in Deutschland reicht diesbezüglich an Aldi heran. Das belegt eine Studie des Marktforschungsunternehmens Ematrix. Dessen Forscher waren im Rahmen des "Kassenbarometers 2009" zu der Erkenntnis gelangt, dass ein Kassenvorgang bei Aldi durchschnittlich zwischen 20 und 25 Sekunden dauert. Das ist fast doppelt so schnell wie der Zweitplatzierte. Die Frage lautet daher: Wie gelingt es Aldi, seine Kunden so viel schneller als seine Konkurrenz an der Kasse zu bedienen? Die Antwort: Es ist eine Mischung aus menschlichem Können und technischer Effizienz.

Tatsächlich haben die Aldi-Mitarbeiter/innen einen großen Anteil am Erfolg des Discounters. Sie werden auf effizientes und zügiges Arbeiten getrimmt, wie Mitarbeiter einmal der britischen Zeitung Hull Daily Mail mitteilten. Der Konzern verheimlicht seine hohen Erwartungen an seine Mitarbeiter nicht: "Wer bei Aldi Süd an der Kasse sitzt, muss vor allem eines sein: flink und multi-tasking-fähig", heißt es auf dem Firmenblog. Auch Köpfchen müssen die Kassierer offenbar haben. Zumindest gut rechnen müssen sie. Das Wechselgeld zeigt eine Aldi-Kasse ihnen nicht an, das müssen sie schon selbst ausrechnen. Ein Kinderspiel? Soll das mal einer nachmachen, wenn er unter Zeit- und Menschendruck steht. Außerdem müssen Aldi-Mitarbeiter ein gutes Gedächtnis haben. Sie blättern nicht lange in einem Heftchen, um die Artikelnummer einer Obst- oder Gemüsesorte zu finden, sie kennen alle Nummern auswendig.

Aldi setzt auf Effizienz und Schnelligkeit. (Bild: Getty Images)

Die Technik macht den Unterschied

Der Mensch ist jedoch nicht der einzige Grund, warum Aldi "den Ruf" hat, "der schnellste der Welt zu sein" (Pressetext des Konzerns). Auch die Maschine macht's. Zum Beispiel hat der Discounter "sein gesamtes Kassensystem auf seine Kassier/innen eingestellt", wie es weiter heißt. Hinzu kommt ein optimiertes Scanner-System. Die Verpackungen der Eigenmarken haben extra große Strichcodes, weshalb das Produkt von den Scannern schneller erfasst werden kann. Die Lesegeräte sind so empfindlich, dass sie auch stehende, liegende, zerknitterte oder unterbrochene Codes erkennen. Und wenn das Kassieren doch mal ins Stocken gerät, dann können sich die Mitarbeiter mit ihren Kollegen via Headsets abstimmen. Auch damit wird das Arbeitstempo aufrechterhalten.

Bleibt noch zu klären: Warum der ganze Aufwand? Die Frage ist rhetorisch gestellt, denn die Antworten liegen auf der Hand. Das Minimalziel ist natürlich die Vermeidung von Warteschlagen an der Kasse. Der Kunde soll sich zweitens wohlfühlen und drittens gerne wiederkommen. Viele Einkäufer führen viertens zu vielen verkauften Produkten, was fünftens eine niedrige Preispolitik zur Folge hat. Das alles steigert sechstens den Umsatz und den Gewinn des Konzerns. Das Ergebnis gibt den Strippenziehern hinter den Kulissen recht: Aldi hat nicht nur den Ruf, der schnellste Supermarkt der Welt zu sein, er ist mit einem Jahresumsatz von knapp 85 Milliarden Dollar (im Jahr 2018) weltweit auch einer der erfolgreichsten.