Darum regt sich nicht nur Naomi Campbell über die deutsche „Elle“ auf

Ann-Catherin Karg
Freie Journalistin

Ziel des Instagram-Accounts Diet Prada ist es seit mittlerweile fünf Jahren, die Schattenseiten der Modebranche zu beleuchten und klar zu benennen, wenn irgendwo etwas falsch läuft. Mit einem Feature über schwarze Models ist jetzt die deutsche „Elle“ in den Negativ-Fokus geraten.

Naomi Campbell ist nicht die einzige, die es auf die "Elle Germany" abgesehen hat" (Bild: Getty Images)

„Black is back“ steht über einem Feature in der November-Ausgabe der „Elle“. Normalerweise würde man dabei an die die Farbe Schwarz denken, die wie alle anderen immer mal wieder mehr und dann wieder weniger angesagt ist. In der „Elle“ allerdings sind damit nicht etwa Kleidungsstücke gemeint, sondern Models. Der Text dazu: „Schön, erfolgreich, engagiert: Nie waren Models of Colour so gefragt wie jetzt. Diese großartigen Frauen inspirieren uns aber auch abseits der Laufstege!“

So wenig Text, so viele Patzer

Diet Prada postete die entsprechende Seite und schrieb dazu, weshalb sie gleich in mehrfacher Weise völlig daneben ist. Erstens, weil die „Elle“ wie viele andere Magazine auch dafür bekannt sei, insgesamt wenige schwarze Models zu zeigen. Zweitens, weil Menschen niemals im Trend oder aber außerhalb eines solchen sein könnten. Drittens, weil die Redaktion das Model Naomi Chin Wing fälschlicherweise als Janaye Furman bezeichnet. Viertens, weil sie sich offensichtlich so wenig mit schwarzen Models auskennt, dass sie das viel beschäftigte Model Joan Smalls in eine Reihe mit Newcomerinnen stellt. Und fünftens, weil auf dem Cover des Magazins, auf dem das Feature angekündigt wird, nicht etwa ein schwarzes Model zu sehen ist, sondern die Weiße Gertrud Hegelund.

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Wir sind hier, um zu bleiben“

Innerhalb von 20 Stunden bekam der Post 82.000 Likes und machte auch Supermodel Naomi Campbell auf die „Elle Germany“ aufmerksam. In ihrem Post wendet sie sich direkt an die Chefredakteurin Sabine Nedelchev. Der „höchst beleidigende“ Inhalt mache sie traurig, schrieb Campbell, die sich überdies anbot, der Chefredakteurin in puncto Diversität unter die Arme zu greifen. „Ich habe unzählige Male betont, dass wir kein Trend sind“, schreibt Campbell weiter. „Wir sind hier, um zu bleiben.“ Wer schwarze Models in den Fokus rücken wolle, solle dies auf eine elegante und respektvolle Art und Weise machen.

Auch dieser Post bekam in der kurzen Zeitspanne von 14 Stunden 74.000 Likes.

Die Chefredakteurin hat sich mittlerweile entschuldigt

Mittlerweile hat die Chefredakteurin in einem Statement auf die Vorwürfe reagiert und sich insbesondere für die Model-Verwechslung entschuldigt.

Sie schreibt weiter, es sei das eigentliche Vorhaben gewesen, sich „der Farbe Schwarz von verschiedenen Seiten zu nähern“. „Als eines der Themen war es unser Ziel, starke schwarze Frauen zu präsentieren, die als Models für die Modebranche arbeiten. Dabei haben wir einige Fehler begangen, für die wir uns bei allen entschuldigen, die wir verletzt haben könnten.“