Darum sind Muschelketten so ein problematischer Schmuck-Trend

Nina Baum
Freie Autorin für Yahoo Style
Der Muschelhandel in Indien und seine Folgen nehmen überhand. (Bild: Getty Images)

Modebloggerinnen tragen sie wieder und Models werden vermehrt bei Shootings mit dem hübschen Schmuck ausgestattet – derzeit ist der Muschelketten-Trend aus den 90er- und frühen 00er-Jahren wieder voll im Kommen. Dabei zerstört der Handel mit Muscheln das Leben im Meer und bedroht die Umwelt massiv.


Muscheln schmecken nicht nur lecker und sehen als Dekoration und Schmuck schön aus – sie sind vor allem ein wichtiger Teil des Ökosystems Wasser. Ob im See, Fluss oder im Meer: Weichtiere oder Mollusken gehören zu der marinen Lebenswelt wie Wasserpflanzen und Tiere. Doch in großen Teilen der Welt werden sie ihrem Lebensraum tonnenweise entrissen und das auf eine grausame Art und Weise. Dabei gelten nur wenige Arten als geschützt. Das große Problem dabei ist, diese beim Fang von den ungeschützten zu unterscheiden.

Doktorand Amey Bansod besuchte 2014 im Zuge seiner Arbeit zum Muschelaufkommen für das Magazin „National Geographic“ in Indien mehrere Muschelhändler – mit erschreckenden Ergebnissen: Lagerhäuser voller Muscheln, die sukzessive aus dem Meer geerntet werden. Ein Arbeiter erklärte ihm, dass zwischen 30 und 100 Tonnen der Meeresbewohner pro Monat zu Schmuck verarbeitet würden. Und von diesen Lagerhäusern und Muschel-Produktionsstätten gebe es Hunderte entlang der indischen Küste, so Bansod.

Kunsthandwerker verarbeiten die Muscheln in ihren Werkstätten haufenweise zu Schmuck. (Bild: Getty Images)

Dabei befinden sich auf den Bergen von Weichtierschalen in den meisten Fällen noch lebende Tiere. Diese werden – wenn sie nicht bereits während der Lagerung unter freiem Himmel ausgetrocknet sind – spätestens beim Reinigungsbad in heißem Öl und Säure getötet. Nach einer letzten Politur per Hand werden viele der Muscheln zu Kunsthandwerkern in nahegelegene Städte verschifft, die daraus Schmuck und andere Andenken herstellen, um sie an Touristen zu verkaufen. Darunter sind etliche Arten, die vom Aussterben bedroht sind.

Mindestens 50.000 bekannte Molluskenarten leben weltweit in den Gewässern. Während viele der Sorten wegen ihres Fleisches geerntet werden, wird mit anderen Arten wie dem Gemeinen Perlboot aus dekorativen Zwecken gehandelt. Ihr wichtiger Platz im Ökosystem – nämlich die Reinigung des Wassers und die Rolle als Nahrung für andere Tiere – fällt damit weg.

Das Gemeine Perlboot ist ein begehrtes Objekt für Schmuckstücke. (Bild: Getty Images)

Doch was tun, wenn Modetrends die Ausbeutung der Meere weiter vorantreiben? Wie kann man einen effektiven Weg finden, den destruktiven Handel zu stoppen? Als Alternative könnte man, laut Alejandra Goyenechea von „Defenders of Wildlife“, Glas geblasene Objekte anfertigen, die die Form von Muscheln haben.

Seit Jahren versucht die Tierschützerin, Kunsthandwerker-Verbände und die Regierung in Indien davon zu überzeugen, von dem massenhaften Handel mit echten Muscheln auf die Produktion von künstlich hergestellten umzusteigen. Bisher vergeblich.

Bislang gelten Muscheln als weniger schützenswert als große Tierarten wie Tiger, Elefanten und Löwen. Die Veränderungen müssen daher von den Verbrauchern vorangetrieben werden, die sich des Problems bewusst werden und sich in Zukunft weigern, Muscheln als Deko-Objekte und Schmuck zu kaufen. Muscheln müssen als Wildtiere anerkannt werden, die nicht an unseren Hals oder auf unsere Kaminsimse gehören.