Kann das Coronavirus auf Kleidung überleben?

Antonia Wallner
Freie Autorin

Preisschild ab, Klamotten an: Wer neue Kleidung shoppt, möchte sie am liebsten sofort nach dem Kauf anziehen. Doch das ist keine gute Idee – und kann sogar gesundheitsschädlich sein. Besonders durch die aktuelle Lage mit Covid-19 herrscht bei vielen Kunden Unsicherheit, ob man sich durch Kleidung vielleicht doch mit dem Virus anstecken kann.

Neue Kleidung sollte immer vor dem ersten Tragen gewaschen werden. (Bild: Getty Images)

Zwar wird das neuartige Coronavirus vor allem durch Tröpfchen übertragen, aber auch auf Oberflächen kann der Erreger eine Zeit lang haften bleiben und von dort über Schmierinfektionen seinen Weg in den Körper finden. Dabei kommt einem natürlich auch Kleidung in den Sinn.

Der Impuls, neue Kleidung ohne Waschen zu tragen, kann manchmal übermächtig sein. Doch so groß die Lust auf die neuen Sachen auch ist: Widersteht dem Drang, die neuen Lieblingsteile direkt nach dem Kauf anzuziehen! Ganz unabhängig vom Coronavirus tut ihr euch und vor allem eurer Haut damit absolut keinen Gefallen.

Chemiecocktail auf der Haut

Kein Kleidungsstück ist frei von Chemikalien. Das fängt schon bei der Produktion an, wo vor allem zum Färben oft giftige Stoffe verwendet werden. Dann werden die Teile extra für den Transport mit speziellen Mitteln bearbeitet, damit sie möglichst lange faltenfrei und glatt sind. Auch gegen Schimmel wird Kleidung oft behandelt, da die Transportwege lang sind. Werden T-Shirt, Hose und Co. nicht gewaschen, kommt all die Chemie direkt mit der Haut in Berührung. Manche reagieren darauf mit einem Ausschlag. Im Extremfall kann sogar ein allergischer Schock ausgelöst werden.

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Kann das Coronavirus auf Kleidung haften?

Darauf gibt es noch keine eindeutige Antwort. In Studien wurden bisher vor allem Oberflächen wie Stahl, Pappe oder Plastik untersucht. Dort können Coronaviren mehrere Stunden haften bleiben. Einzelne Experten haben sich aber zu einer möglichen Übertragung über die Kleidung geäußert.

"Der normale Kunde sollte sich keine Sorgen um seine Kleidung machen", sagte etwa Sarah Fortune, Professorin und Vorsitzende der Abteilung für Immunologie und Infektionskrankheiten an der Harvard T. H. Chan School of Public Health gegenüber der Webseite “MarketWatch”. “Wenn man im Gesundheitswesen tätig ist und möglicherweise einer hohen Virendichte ausgesetzt ist, sieht es anders aus. Aber die meisten von uns sollten sich auf ihre Hände und ihr Gesicht konzentrieren."

Selbst wenn das Coronavirus an der Kleidung haften würde: Ein normaler Waschgang reicht völlig aus, um es zu zerstören. (Bild: Getty Images)

"Coronaviren halten auf einer festen, nicht porösen Oberfläche im Vergleich zu porösen Stoffen im Allgemeinen viel länger", meint dagegen Juan Dumois gegenüber “MarketWatch”. Er ist Arzt für pädiatrische Infektionskrankheiten im John Hopkins All Children's Krankenhaus in St. Petersburg, Florida. Dumois vermutet, dass der Erreger auf "Kunstfasern" wie Polyester besser überleben würde als auf Baumwolle.

Sein Kollege Dr. Amesh A. Adaljy vom Johns Hopkins Center für Gesundheitssicherheit in Maryland präzisiert im Interview mit dem Onlinemagazin “Health” noch einmal genauer: "Ich vermute, dass Viren für mehrere Stunden bis vielleicht einen Tag an Kleidungsstücken überleben können".

Dabei käme es aber auch auf Umwelteinflüsse wie Temperatur und Luftfeuchtigkeit an, die das Wachstum der Viren begünstigen oder auch eingrenzen könnten.

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Ist ein spezieller Hygienespüler notwendig?

Nein. Coronaviren haben eine Lipidschicht, die bei hohen Temperaturen und fettlöslichen Substanzen kaputt geht. Daher reicht es absolut aus, die Kleidung bei normaler Temperatur und mit normalem Waschmittel zu waschen. Gibt es Corona-Kranke im Haushalt sollte die Schmutzwäsche mit Handschuhen angefasst und nicht ausgeschüttelt werden. Auch der Wäschekorb sollte hinterher zusätzlich gereinigt werden.

Neue Sachen wascht ihr am besten gleich zweimal. Damit – neben eventuellen Coronaviren – auch wirklich der Großteil der Giftstoffe aus den Fasern entfernt wird. Das gilt insbesondere für Teile, die eng am Körper getragen werden, wie T-Shirts, Tops oder Unterwäsche.

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