Das macht WM-Held Oliver Neuville heute

Ben Barthmann
freier Sportjournalist

Oliver Neuville war in seiner aktiven Karriere ein Mann für die wichtigen Tore - etwa bei den Weltmeisterschaften 2002 (1:0 gegen Paraguay im Achtelfinale) oder 2006 (1:0 gegen Polen im Vorrundenspiel). Doch was macht der 46-Jährige heute?

Oliver Neuville erzielte das 1:0 gegen Polen bei der WM 2006. (Bild: Getty Images)

Das 4:2 gegen Costa Rica zum Start in die WM 2006 war ein Fußball-Fest gewesen. Gegen Polen aber im zweiten Spiel der Gruppe A fehlten dem deutschen Team die Tore. Michael Ballack und Miroslav Klose waren am Aluminium gescheitert, Trainer Jürgen Klinsmann blickte dennoch von der Trainerbank mürrisch auf die Anzeige. 90 Minuten durch, Nachspielzeit, 0:0 gegen biedere Polen.

Dann eroberte Deutschland nach einem Abstoß der Gäste den Ball im linken Halbfeld. Frings durfte lange durch das Mittelfeld marschieren, für heutige Verhältnisse geradezu lächerlich, wie viel Platz der Bremer hatte. Pass zu Bernd Schneider, der mit einem schönen Heber David Odonkor die rechte Außenbahn herunterschickte.

Odonkor, der eine Joker, den Klinsmann gebrachte hatte, nahm sich nur einen Kontakt. Direkt spielte er den Ball in die Mitte, wo der zweite Joker heranrauschte und auf der Fünferllinie den Ball ins Tor grätschte. Führung Deutschland, Abpfiff, zweiter Sieg im zweiten Spiel und damit der Auftakt zum bis heute herausragenden Sommermärchen.

Oliver Neuville schrieb den Anfang des Sommermärchens 2006

Der zweite Joker wurde zum Mann des Abends. Oliver Neuville, kurz vor der WM 33 Jahre alt geworden, war einer der umstrittenen Spieler im deutschen Kader. Klinsmann hatte den Stürmer reaktiviert, zwischen April 2004 und Herbst 2005 gehörte er nie zum Kader. Dann wurde er plötzlich zum Joker, zum Torschützen, zum Held der Polen-Partie.

In jedem Spiel der WM 2006 kam Neuville zum Einsatz, allerdings nie über mehr als 35 Minuten. Schon 2002 war er dabei gewesen, damals aber noch als fester Bestandteil der ersten Mannschaft. Nach seinem Debüt im Herbst 1998 beendete Neuville schließlich 2008 seine aktive Karriere im DFB-Team mit sieben Minuten bei der EM in Österreich und der Schweiz.

In Gladbach gab er 2010 das Karriereende bekannt, wechselte dann aber doch zu Arminia Bielefeld. Dort allerdings hielt es der Stürmer nur kurz durch: Im Januar 2011 löste er seinen Vertrag auf und wechselte, wie es bereits 2010 vorgesehen war, in die Jugendabteilung von Borussia Mönchengladbach.

Oliver Neuville ist Assistenztrainer der Gladbacher Profis. (Bild: Getty Images)

Oliver Neuville ist Co-Trainer der Gladbacher Profis unter Marco Rose

Nach einem Praktikum bekam Neuville die Rolle als Co-Trainer der U19 zugeteilt. Dort ist er seit 2013 tätig - und das schon unter dem fünften Cheftrainer. Der ehemalige Stürmer ist damit die große Konstante der Borussia in der eigenen A-Jugend.

Er betreute unter anderem Talente wie Mahmoud Dahoud, Sinan Kurt oder Jordan Beyer. Aktuell darf sich Neuville sogar als Tabellenführer der Bundesliga bezeichnen. Marco Rose holte den Ex-Nationalspieler in sein Trainerteam. Unter dem Neu-Coach ist Neuville als Assistenztrainer unter anderem für das Dolmetschen zuständig, spricht er doch fließend Italienisch, Französisch und Spanisch.

Sicherlich wird er dem ein oder anderen jüngeren Spieler die Geschichte des WM-Tores von 2006 erzählen. “Ich werde das Tor nie vergessen. So einen Moment wird es für uns nicht noch einmal geben”, sagte Neuville kürzlich in einem Interview mit den 11Freunden.

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