Traurig statt süß: Das steckt hinter dem "Rugby spielenden" Beluga-Wal

Ein wilder Beluga-Wal. (Symbolbild: gettyimages / David Merron Photography)

Auf den ersten Blick ein drolliger Clip: Ein wilder Beluga spielt Rugby. Doch mittlerweile haben sich zahlreiche Experten zu Wort gemeldet und den wahren Grund hinter der Zutraulichkeit des Wals erklärt.

„Beluga-Wal spielt am Nordpol Rugby mit Schiffscrew“, „unglaublicher Moment mit einem Wal“, „sehen Sie nur: ein Beluga spielt Rugby“, „ein Beluga verzückt Menschen“, „wie niedlich!“ – die Titel der Stories klingen alle ähnlich und wahrscheinlich haben auch Sie schon von dem weißen Beluga-Wal gelesen, gehört oder das mittlerweile berühmte Video gesehen, das sich seit Anfang November rasend verbreitet in den sozialen Netzwerken.

Ein Star in den sozialen Medien

Allein auf Twitter hat ein Nutzer eine Abrufzahl von 20 Millionen gesammelt. Dazu griffen unzählige Medien die Geschichte auf. Und sie klingt auch zu schön: Eine Schiffscrew, laut der Website „Utopia“ ein südafrikanisches Forscherteam, durchfährt das Meer nahe Norwegen. Da taucht ein Beluga auf, im Mund ein Rugby-Ball der diesjährigen Weltmeisterschaft. Das Tier übergibt den Ball, ein Besatzungsmitglied wirft ihn wieder ins Meer, der Wal schwimmt hinterher und bringt ihn zurück.

Doch bei dem Wal handelt es sich nicht um ein Wildtier. Es wurde von Menschen trainiert. Wie die „Huffington Post“ jüngst vermeldete, lautet der Name des Wals Hvaldimir. Hvaldimir tauchte dieses Jahr schon einmal in den Schlagzeilen auf, da wurde er in der Nähe der norwegischen Küste vor Hammerfest mit Kamerahalterung und Riemen versehen gefunden. Darauf stand: „Equipment St. Petersburg“. Deshalb gab es zunächst Gerüchte, der Wal sei aus einem russischen Militärprogramm entflohen oder freigelassen worden. Im Gespräch mit der „BBC“ sagte der ehemalige russische Militär Govorit Moskva dazu: „Glauben Sie wirklich, dass wir eine Mobilfunknummer auf ein Spionage-Tier geschrieben hätten?“

„Bitte nicht füttern“

Ob nun Spionage-Wal oder nicht, Fakt ist, der virale Beluga-Star ist engen Umgang mit Menschen gewöhnt. Deswegen ist der Vorfall mit dem Rugby-Ball auch kritisch zu sehen und kein „unglaublicher Moment“, der „Menschen verzückt“. Hvaldimir wird, seit er in Norwegen aufgetaucht ist, von ansässigen Meeresbiologen bei seiner Auswilderung überwacht. Demnach hat der Wal große Probleme mit dem Leben in freier Wildbahn: Immer wieder tauchte er in Buchten und Häfen auf, suchte Kontakt zu Menschen. In Hammerfest steht mittlerweile ein Schild, darauf steht: Nicht berühren, nicht mit dem Wal schwimmen, keine Gegenstände ins Wasser werfen, nicht füttern.

Der Wal muss lernen, alleine zu überleben. Ende September schrieben die norwegischen Forscher auf der Internetseite der extra gegründeten Hvaldimir-Stiftung: Er werde immer dünner, fresse nur selten. Im Oktober dann leichte Entwarnung, es gehe ihm etwas besser, doch noch immer suche er regelmäßigen Menschenkontakt.

Eigenständiges Jagen und Fressen ist deshalb nicht die Hauptsorge, wie Wissenschaftsjournalisten und Forscher auf Twitter schreiben. Vielmehr bestehe die Gefahr darin, dass das Tier zu sehr von sozialen Interaktionen mit Menschen abhängig sei und deshalb zu wenig mit Artgenossen interagiere.

Ein Wal verstarb bereits

Gefährlich sei zudem, dass der Wal keine Angst vor Schiffen habe, schreibt etwa ein kalifornischer Walforscher. Hvaldimir wurde auch schon wiederholt von Schiffsschrauben verletzt. „Utopia“ erinnert in diesem Kontext an ein sehr zutrauliches Orca-Weibchen mit Namen „Luna“, das im Jahr 2006 in die Schrauben eines Schiffs geraten war und danach verstarb.

Die Walforscherin Jackie Hildering schrieb auf ihrer Homepage zu dem Rugby-Spiel mit Hvaldimir: „Dieser Vorfall torpediert die Gewöhnung des Wals an ein Leben in freier Wildbahn. Er verringert dazu die Chancen, dass der Wal lernt, sich selbst zu ernähren und steht im krassen Widerspruch zu den norwegischen Bemühungen.“