Das sind die 11 verrücktesten Sportarten der Welt

Ben Barthmann
freier Sportjournalist

Fußball, Formel 1 oder Boxen: Klar, diese Sportarten kennt so ziemlich jeder. Aber wie steht es eigentlich um die Bekanntheit von Schachboxen, Schienbeintreten oder Zombierennen? Wohl eher schlecht - dabei steckt hier eine Menge Potenzial.


Das Schienbeintreten klingt nicht nur schmerzhaft, sondern ist es auch. (Bild: Getty Images)

1 - Schienbeintreten

Klingt schmerzhaft? Ist es auch! Beim Schienbeintreten geht es um genau das, was der Titel der Sportart bereits verrät. Die Kontrahenten stehen sich gegenüber und versuchen, sich mit kräftigen Tritten zu Boden zu schicken. Wichtig ist nur, dass sich die Gegner bei ihren Tritten gegenseitig an den Schultern festhalten, sonst ist der Tritt nicht regelkonform.

Inzwischen ist die Sportart sogar etwas für die breitere Masse geöffnet worden: Durch das Verbot von Stahlkappen und das gleichzeitige Erlauben von Beinbekleidung ist der Wettkampf etwas weniger schmerzhaft als früher. Inzwischen werden die Hosenbeine gerne mit Stroh ausgestopft. Für Traditionalisten eine Farce, für die Schienbeine aber eine Wohltat.

2 - Speed-Climbing

Erst vor wenigen Tagen erlebte das Speed-Climbing, auf Neudeutsch auch gerne Speedklettern genannt, einen neuen Weltrekord. Die Indonesierin Aries Susanti Rahayu kletterte die 15 Meter an einer steilen Wand in unfassbaren 6,995 Sekunden und verdiente sich damit den Spitznamen der “Spiderwoman”.

Damit wäre eigentlich auch schon alles zur Aufgabenstellung in dieser außergewöhnlichen Sportart gesagt: Eine steile Wand, wenig Hilfsmittel und ein sicherndes Seil. Wer zuerst oben ist, hat gewonnen. Aufgrund des hohen Tempos kämpfen die Athleten regelmäßig mit verstauchten Knöcheln, Fingern und Handgelenken.

Das Käse-Rennen aus Großbritannien ist ein Extremsport der besonderen Art. (Bild: Getty Images)

3 - Käserennen

Wo wir gerade schon bei Rekorden waren: Das Käserennen hat im Sommer 2018 seinen größten “Star” verloren. Chris Anderson verkündete nach seinem 22. Sieg bei der Cooper's Hill Cheese-Rolling and Wake sein Karriereende. Seitdem treten andere aus seinem Schatten - sofern das bei diesem Sport wirklich möglich ist.

Die Idee ist denkbar simpel. Ein Käserad wird den Berg hinunter gejagt und die Menge startet hinterher. Dass ein Großteil der Teilnehmenden sofort auf den ersten Metern hinfällt, dürfte oftmals Alkoholpegel wie Steile des Hangs gleichermaßen geschuldet sein. Wer zuerst nach dem Rad das Tal erreicht, hat gewonnen. Unten stehen oft kräftige Männer und halten die Fallenden auf.

Beim Zombierennen sind schicke Verkleidungen gerne gesehen. (Bild: Getty Images)

4 - Zombierennen

Gerannt wird auch in dieser Sportart. Allerdings sind die Teilnehmer hier nicht die Jäger, sondern die Gejagten. Im Zombierennen, einer Trendsportart, die ihren Erfolg unter anderem auf Serien wie “The Walking Dead” gründete, sind die “Überlenden” auf der Flucht und werden von Zombies verfolgt.

Die Rennen gehen dabei oft quer durchs Gelände, zum Teil werden auch Hindernisse auf die begrenzte Laufbahn gestellt. Die Zombies versuchen dabei, die Lebenden zu fangen und ihnen Items abzunehmen. Das können Armbänder, Luftballons oder Anstecker sein. Wer als Erster das Ziel erreicht und noch mindestens ein Lebensitem hat, hat gewonnen.

Im Quidditch kann es richtig rau zugehen. (Bild: Getty Images)

5 - Quidditch

Während das Zombierennen eher in die Kategorie Eventsport fällt, hat sich Quidditch in den letzten Jahren enorm weiterentwickelt. Inzwischen finden Europa- und Weltmeisterschaften statt. Das Spielprinzip basiert dabei aus der bekannten Harry-Potter-Reihe von Joanne K. Rowling - wenn auch mit einigen (und immer mehr) Anpassungen.

Besonders beeindruckend ist der gleichzeitige Umgang mit fünf Bällen. Wer beim Fußball schon überfordert ist, sollte dem Quidditch also lieber fernbleiben. Hier schwirren Schnatz, Bludger und Quaffles gleichzeitig durch die Gegend. Zwischen den Beinen tragen die Spieler den Besen und versuchen, je nach Position, Punkte auf kleine Ringtore zu erzielen oder den Schnatz zu fangen. Es gewinnt, wer am meisten Punkte hat, die Berechnung sparen wir uns an dieser Stelle.

Rene Wegner und Oliver Müller aus Köln haben Headis erfunden. (Bild: Getty Images)

6 - Headis

Einen erstaunlich steilen Aufstieg erlebte das Spiel “Headis”, das unter anderem schon im deutschen TV bei “Schlag den Raab” zu sehen war. Im Grunde finden hier Prinzipien aus Tischtennis und Fußball zusammen. Mit dem Kopf wird ein weicher Ball auf einer Platte hin und her gespielt.

Die Matches sind dabei zum Teil hochspektakulär, was der Sportart sehr schnell große Aufmerksamkeit einbrachte. Inzwischen setzen viele Fußball-Klubs auf Headis und haben entsprechende Platten sowie Bälle angeschafft. Borussia Dortmund oder Manchester City sind unter anderem involviert.

Beim Pelota Vasca geht es brutal zu. (Bild: Getty Images)

7 - Pelota Vasca

Beim Pelota Vasca geht es um einen Ball, der gegen eine Prellwand geschlagen wird. Klingt erstmal unspektakulär, ist aber unfassbar anstrengend und auch nicht ungefährlich. In der Sportart, die ihren Ursprung im Baskenland hat, treten zwei oder mehr “Pelotari” gegeneinander an.

Es gewinnt, wer eine zuvor festgelegte Anzahl an Prellungen des Balls gegen die Wand erreicht. Klingt immer noch unspektakulär? Dann aufgepasst: Der etwa 100 Gramm schwere Ball aus Holz und Latex wird mit der Hand geschlagen. Entsprechend häufen sich die Verletzungen an der Hand - und am restlichen Körper, weil die Gegner gerade zum Ende einer Runde wie irre dem zurückprellenden Ball entgegenwerfen.

Beim Calcio Storico gibt es regelmäßig viele Verletzte. (Bild: Getty Images)

8 - Calcio Storico

Noch brutaler geht es beim Calcio Storico zu. Das Spiel aus Florenz ist eine Mischung aus Fußball und Rugby. Am 24. Juni findet das Finale vor der Franziskanerkirche statt. Dabei wird der Platz mit Sand bedeckt und die Mannschaft losgelassen. In 50 Minuten müssen möglichst viele Punkte erzielt werden, indem der Ball in das Netz der Gegner befördert wird.

Das ist mit Händen und Füßen erlaubt. Was aber auch erlaubt ist, würde außerhalb des Sports an Körperverletzung grenzen. Schläge, Tritte und Ringen sind erlaubt, das Spiel wird in den 50 Minuten immer wieder unterbrochen, weil Sanitäter auf das Feld eilen und einen der insgesamt 54 Spieler auf dem Feld herausziehen.

Das Schachboxen findet in Indien viele Fans. (Bild: Getty Images)

9 - Schachboxen

Schach kann als Zuschauer unfassbar langweilig ausfallen. Also warum nicht etwas Gewalt ins Spiel bringen? Das haben sich die Erfinder des Schachboxen gedacht. Ein Kampf setzt sich dabei aus sechs dreiminütigen Schachpartien (das Tempo muss entsprechend hoch sein) und fünf dreiminütigen Boxrunden zusammen.

Das Umschalten ist also ganz besonders wichtig. Wer beim Boxen noch darüber grübelt, wie er die Eröffnung seines Gegners beim nächsten Match umspielt, bekommt schnell empfindlich auf die Mütze. Wer beim Schach noch benommen von den Schlägen seines Gegners ist, wird wohl manche blöde Entscheidung treffen.

Beim Extrembügeln ist das passende Brett immer dabei. (Bild: Getty Images)

10 - Extrembügeln

Irgendwann wurde dem Briten Philipp Shaw langweilig. Als Hausmann in den 90er-Jahren fühlte er sich unterfordert, klemmte sich sein Bügelbrett unter den Arm und zog los. Mit seiner Entscheidung löste er einen irren Trend aus. Beim Extrembügeln geht es darum, an den ungewöhnlichsten Orten die letzten Falten aus einem Hemd zu bekommen.

Die Einfälle wurden 2002 in Deutschland sortiert. In der German Extreme Ironing Section wurden in der ersten Ausgabe 75 Teilnehmer aus neun Ländern gegeneinander ins Rennen geschickt. Gebügelt wurde an festgelegten Punkten, eine Jury bewertete nicht nur Komplexität und Individualität, sondern auch die Qualität der gebügelten Hemden.

Das Genie der Szene: Matthew Hearne aus Großbritannien lief 2004 einen Marathon in voller Ausrüstung. In vier Stunden und acht Minuten bügelte er unentwegt.

Das Royal Shrovetide Football ist ein echtes Derby. (Bild: Getty Images)

11 - Royal Shrovetide Football

Das Royal-Shrovetide-Fußballspiel ist nicht direkt eine Sportart, fand aber doch in seiner langer Geschichte einige Nachahmer. Im Grundsatz treten zwei Dörfer aus Großbritannien in einem einzigen, riesigen Fußballspiel gegeneinander an. Von 14 bis 22 Uhr wird versucht, einen Ball ins Tor der Gegner zu befördern. Das Spielfeld ist dabei etwa fünf Kilometer lang.

Teilnehmen darf jeder. Die Regeln sind entsprechend spärlich, der Ball wird auch regelmäßig mit der Hand gespielt: Nicht durch Privatbesitz laufen, nicht über Friedhöfe rennen, der Ball darf nicht versteckt oder mit motorisierten Fahrzeugen transportiert werden. Seit langer Zeit gibt es Bemühungen, den Sport zu verbieten. Die Verletzungsgefahr ist hoch. Ein Durchbruch konnte aber bisher nie erzielt werden.

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