Datingtipps & positive Denkanstöße für Plus-Size-Frauen

Kelsey Miller

Mittlerweile können wir uns hoffentlich alle darauf einigen, dass der Valentinstag, na ja sagen wir mal ein bisschen albern ist. Das letzte Mal habe ich mir deswegen Stress gemacht, als ich etwa 13 Jahre alt war. Ich war dabei, die Valentinstagskarten für meine Klassenkamarad*innen auszudrucken und auf einmal war die Druckerpatrone leer. Schon krass wie zeitig die Gesellschaft (oder in diesem Fall meine Lehrerin) damit anfängt, uns diesen Schwachsinn einzutrichtern: Romantik ist wichtig. Versaut’s nicht, Kinder. Vielleicht fühlt sich Daten für mich deswegen selbst im Erwachsenenalter noch so an wie eine Pflicht. Und ich denke, ich bin nicht die Einzige, der es so geht. Abgesehen von wenigen Ausnahmen finden die meisten Leute Dating einfach nur anstrengend. Aber da müssen wir nun mal durch, wenn wir die nächste Stufe der Liebesleiter erklimmen wollen – also uns eine ernsthafte Beziehung wünschen. 

Und wenn du plus-size bist (oder dein Aussehen auf andere Weise nicht den Mainstream-Schönheitsidealen entspricht), musst du dich noch mal zusätzlichen Herausforderungen stellen. In der Datingwelt herrscht keine Chancengleichheit. Keine fairen Wettbewerbsbedingungen. Und es ist Quatsch, so zu tun, als wäre dem so. Doch einen größeren Körper zu haben, muss kein Dealbreaker sein – auch, wenn das vielleicht so wirkt. 
 
Das Internet ist voll mit Geschichten über Frauen, die Fat Shaming ertragen mussten oder auf Datingseiten gemobbt wurden. Und ja, es ist unglaublich wichtig, diese Geschichten zu erzählen! Aber sie machen nur einen Teil der Realität aus. Immer nur die negative Seite zu betrachten, kann dazu führen, dass sich Plus-Size-Frauen irgendwann gar nicht mehr trauen, neue Menschen zu treffen; dass sie das Dating aus Angst komplett aufgeben.

Deswegen möchte ich heute einen positiveren Blick auf das Thema richten. Dafür habe ich mich an Marie Southard Ospina gewandt, eine Journalistin, Stylebloggerin und badass Vertreterin der Body-Positivity-Bewegung. Sie ist eine Plus-Size-Frau, die viele Erfahrungen in Sachen Dating gemacht hat und seit ein paar Jahren eine glückliche Beziehung führt. Zusammen mit ihrer Freundin ein kleines Kind. Mit ihrer Hilfe habe ich eine Liste mit Remindern zusammengestellt, die du im Kopf behalten solltest, wenn du dich in die Datingwelt stürzt – ob du ein nervöser Newbie oder ein erfahrener Pro bist und keinen Bock mehr auf Bullshit hast.
 
Bevor es losgeht noch eine schlechte Nachricht: Eine gewisse Menge BS gehört zum Dating leider dazu, egal welche Kleidergröße du trägst. Aber die gute Nachricht ist, deine Figur spielt keine so große Rolle, wie du vielleicht denkst. Also klick dich durch die Slideshow, die dir dabei helfen soll, das Thema nicht mehr so negativ und verkrampft anzugehen, sondern realistisch und neugierig.

1. Ja, Fat Shaming gibt es wirklich.

Okay, eine negative Sache muss ich doch noch schnell ansprechen, bevor ich mich den positiven Dingen zuwende. Aber ich mach’s kurz und schmerzlos, versprochen.

„Wir alle wissen, dass in dieser Welt sehr viel Fat Shaming stattfindet und es viele Vorurteile gegenüber kräftigen Menschen gibt. Viele Menschen ziehen übergewichtige Personen gar nicht erst als potentielle Partner*innen in Betracht“, so Marie. Das ist sehr traurig, aber nun mal Fakt und es macht keinen Sinn, diesen komplett zu ignorieren. „Es gibt Menschen, mit denen du super klarkommst – auf freundschaftlicher, spiritueller oder emotionaler Ebene –, die sich aber wegen deines Gewichts trotzdem keine Beziehung mit dir vorstellen können.“ Aber das ist ihr Pech! Zum Glück gibt es auch Menschen, denen dein Gewicht egal ist. Und das sind nach Maries Erfahrung mindestens genauso viele. 
 
2017 waren in Deutschland 52,7 Prozent der Erwachsenenbevölkerung übergewichtig (BMI > 25). Und die sind keinesfalls alle single! Laut Statistika gab es 2019 in Deutschland nur rund 16,79 Millionen Singles. Ich sage nur, weil Ende 2019 hierzulande immerhin 81.453.631 Menschen lebten. Sprich ein extrem großer Teil führt irgendeine Art von Beziehung – und die meisten von ihnen haben keine Mainstream-Traummaße. Es gibt also keinen direkten Zusammenhang zwischen Körpergewicht und Beziehungsstatus. Ist so.





2. Thema Selbstbewusstsein

Selbstbewusstsein ist wie ein Highlighter für deine ganze Persönlichkeit; es lässt jeden Menschen sofort charismatisch und attraktiv wirken. Aber es wirkt sich nicht nur darauf aus, wie andere Personen dich sehen, sondern auch, wie du andere Personen siehst. 
 
„Als ich noch zur Schule ging, war Dating für mich richtig scheiße“, sagt Marie. „Ich hatte nicht mal ansatzweise das Körperbild von mir, das ich jetzt habe. Und ich kam aus einer Stadt, in der alle, die in irgendeiner Form “anders“ sind, ausgegrenzt wurden.“ Als sie dann aber für’s Studium nach New York zog, veränderte sich alles, „wegen der großen Diversity.“ Sie traf “ungleiche“ Paare, die unterschiedlich viel Körperfülle, unterschiedliche Hautfarben hatten und unterschiedliche Backgrounds besaßen. „Erst dann begriff ich, dass sowas überhaupt möglich ist. Aber ich konnte es nicht direkt auf mich selbst übertragen, weil ich damals Probleme mit meinem eigenen Körper hatte.“
 
Es hat eine Weile gedauert, aber irgendwann entdeckte Marie das Konzept der Body Positivity und lernte, ihren Körper zu lieben. „Ehrlich gesagt wurde das Daten so viel einfacher, als sich meine Körperwahrnehmung verbessert hatte. Ich glaube, ich war selbst mein größtes Hindernis in Sachen Dating. Ich frage mich, ob ich deutlich mehr Datingchancen gehabt hätte, wenn ich mich schon früher wohler in meinem Körper gefühlt hätte.“


Ich weiß, ich weiß: Wäre es nicht schön, wenn wir einfach einen Schalter umlegen und sofort selbstbewusst sein könnten? Das würde die ganze Sache auf einen Schlag klären und das Ende dieses Satzes wäre das Ende des Artikels. Aber so funktioniert das in der echten Welt ja leider nicht. Genau wie Dating an sich ist auch das Aufbauen des Selbstvertrauens eine schwierige Angelegenheit. Für die meisten ist es eine echte Herausforderung, aber es lohnt sich, also halte durch!








3. Ein paar Worte zum Thema Fetischismus.

Viele Plus-Size-Frauen haben Angst, ein Fetischobjekt zu werden, statt einer romantischen Partnerin. Auch wenn manche es vielleicht richtig genießen jemandes Fetisch zu sein, ging ich immer davon aus, bei den meisten würde das anders aussehen. Also fragte ich Marie nach Tipps, um die Fat Fetishists der Dating-Szene besser erkennen zu können. Und das war der Moment, in dem sie mich wachrüttelte. Aber so richtig. 

„Ich bin grundsätzlich gegen Fetish Shaming! Sexualität ist ein so komplexes Thema und ich habe so viele Menschen getroffen, die mindestens eine ungewöhnliche sexuelle Vorliebe haben, weswegen Blümchensex nicht wirklich was für sie ist. Ich denke es kommt oft daher, dass du etwas magst, von dem man dir beigebracht hat, es nicht zu mögen.“ Wie es aussieht, bringt das Wort “Fetisch“ anscheinend seine ganz eigenen Vorurteile mit sich – genauso wie das Wort “fett“.


Abgesehen davon gibt es normalerweise einen Unterschied zwischen Fetisch und Vorliebe – aber in diesem Fall ist es vielleicht das Gleiche. Manche Menschen stehen zum Beispiel auf blonde Haare. Aber blonde Haare sind etwas “Normales“. Ein neutrales Merkmal. Aber die Körpergröße ist das nicht. Wahrscheinlich würden die meisten Männer nie ihren Kumpels erzählen, dass sie auf fette Mädels stehen, meint Ospina. „Wenn du auf etwas stehst, das nicht konventionell attraktiv ist, wird das immer noch oft als Fetisch betrachtet.“ Oder anders gesagt: Es gibt keine klaren Abgrenzungen zwischen Fetisch und Vorliebe, wenn es um die Körpergröße gibt. Also versuch, dich nicht zu sehr an der Sprache aufzuhängen.





4. Ein paar Worte zum Thema Fetischist*innen
 
Selbst, wenn du jemanden triffst, der oder die sich selbst als Fetischist bezeichnet, glaub nicht direkt, die Person ist mag dich nur wegen deines Körpers. „Viele gehen davon aus, wenn du einen Fetisch hast, ist das alles, was du in einer Person siehst. Und das ist einfach falsch“, sagt Ospina. Dich macht schließlich auch mehr aus als nur dein Gewicht – und sie eben mehr als nur ihr Fetisch.
 
„Ich habe sehr gern Leute mit Fat Fetish gedatet“, erzählt Marie. Für sie bedeutete das einfach immer nur, dass sie wusste, ihr Gewicht würde nie ein Problem darstellen. „Ich wusste sofort, die Person würde meinen Körper mögen. Lieben sogar. Sie liebten all das, von dem uns die Gesellschaft weismachen will, es wären Makel, wie Dehnungsstreifen oder Röllchen oder Cellulite.“ 
 
„Ich habe gute Erfahrungen mit Datingwebsites für Übergewichtige gemacht“, so Marie. Für sie fühlte sich das immer wie ein sicherer Ort an. Aber sie versteht auch, dass andere sich nicht wohl damit fühlen würden und betont, dass es genauso gut möglich ist, jemanden auf den Mainstreamseiten und -Apps kennenzulernen (und im wahren Leben – sie hat ihre Freundin zum Beispiel offline getroffen). „Wenn ein Fetisch nicht dein Ding ist, cool. Muss es nicht sein.“ Aber es kann.





5. Bleib dir treu.

Es gibt diese These in der Datingwelt, und zwar besonders in der Onlinedatingwelt, der erste Eindruck ist meistens fake. Wir posten unsere Lieblingsbilder, wählen ein besonders cooles Profilfoto aus und machen uns vorm Absenden jeder einzelnen Nachricht ewig Gedanken über die Wortwahl. Und natürlich ist nichts falsch daran, sich von seiner besten Seite präsentieren zu wollen – aber stell sicher, dass das trotzdem immer noch eine Seite von dir ist.
 
„Ich verstehe voll und ganz, wenn du nicht sofort komplett ehrlich sein willst – vor allem, wenn du Angst hast, das, was du von dir preisgibst könnte gegen dich verwendet werden“, sagt Ospina und bezieht sich damit besonders auf Fotos. Viele Frauen verzichten sogar bewusst drauf, Ganzkörperfotos zu posten. Aber was passiert, wenn es irgendwann zum Date kommt? Dann bekommst du sicher kurz vorm Treffen voll Panik, weil du nicht weißt, wie sie oder er sich dich vorgestellt hat. „Ich denke wirklich es ist allein schon für deine mentale Gesundheit wichtig, diesem Angstgefühl vorzubeugen. Versuch, wenigstens ein Ganzkörperbild zu posten. Ich meine, du solltest natürlich schon ein Foto nehmen, das du auch magst. Aber manchmal verwenden wir die Bilder, die am “vorteilhaftesten“ sind; auf denen wir durch die Pose oder das Licht schmaler aussehen.“ Und davon würde ich dir abraten.
 
Du kannst auch überlegen, ob du dein “über mich“ anpassen willst. Ospina hat beispielsweise in ihrem Profil Wörter wie “fat positive“ oder “fat babe“ stehen. Sie bevorzugt das Wort fat, aber du kannst natürlich auch andere Schlagwörter verwenden, die dir besser gefallen – zum Beispiel curvy, Plus Size, Body Positivity. 
Um es kurz zu machen: Wenn deine Fotos echt und unverfälscht sind und zeigen, wie du wirklich aussiehst, sind die Chancen niedriger, dass du Leute kennenlernst, die ein Problem mit deinem Aussehen haben. Und solche Leute brauchst du nun wirklich nicht in deinem Leben, sagt Ospina. Recht hat sie. 





6. Reminder: You’re allowed to date people you’re attracted to. Growing up, Ospina says, “I was taught that fat people go with fat people and thin people go with thin people… If I liked a boy who was more conventionally attractive than me — who had a chiseled jaw line instead of the double chin like I had — my mom would be like, ‘It’s probably not gonna happen. Here’s this nice chubby boy over here.’ And maybe I was attracted to the chubby boy, but maybe I wasn’t. Maybe I was attracted to the guy with the jaw line.” But the message was clear: “Stick to your box.”

Obviously, that message is baloney. But it’s easy to believe when that message gets delivered every day, in every media image and every social norm we encounter the moment we step outside. “It takes a long time to deconstruct that and to learn that attraction and beauty are so subjective and individualized,” Ospina adds. “We’re taught to believe that beauty is one thing and attraction is one thing, and it’s not. Even if it’s just slight differences, we’re all attracted to different people and we all perceive beauty differently. And that’s okay. That’s a beautiful thing.”

Like confidence, this is a bit of mental rewiring that’s worth the effort. Once you learn that, you’ll be naturally less self-critical, and therefore less likely to assume that anyone — regardless of their jaw line — will be critical of you.



7. At the same time, mind your own biases.
While we all have individual preferences, it’s important to remember that sometimes those inclinations are influenced by the outside world. Sometimes, they can underscore an unconscious bias. Grindr, the hugely popular gay dating app, has been struggling to address this evident issue among their users — a certain subset of which overtly declare they want, “no fats, no femmes, no Asians.” So, how do you find the line between going for what you want, and making sure you’re treating potential partners fairly?

“Analyzing and being critical of your preferences to learn where they’re coming from, and trying to be honest with yourself, is hugely important,” says Ospina. “[But] I don’t think a preference is inherently a bias.” Furthermore, just because someone has a preference, that doesn’t mean they can’t or shouldn’t consider people who don’t necessarily meet those preferences. You should expect a certain degree of openness, both from your potential partners and from yourself.

“That openness is super important,” Ospina concludes. “You can have a preference, but just be really body positive and allow yourself to meet and explore potential relationships with people of all walks of life and all aesthetics. “I think that’s important.”

Bias is something we all suffer from. It’s a societal issue that trickles down into our individual lives in many ways, most of which are unconscious. It’s very likely that bias plays a role in forming at least some of our personal preferences when choosing romantic partners. As Ospina points out, it’s important to explore our own unconscious biases — and that can be really complicated. But, treating people the way you’d like to be treated? That part is simple.





8. Intimacy is about practice (and deep breaths)
Just like dating, getting intimate with someone new is a little nerve-wracking for everyone — and I don’t just mean literal intercourse. Kissing, cuddling, anything that requires physical closeness can cause anxiety. And if you don’t like your body, it’s virtually impossible to imagine someone else could.

Now, not all plus-size women dislike their bodies (far from it). But most of us have gotten negative feedback on our bodies at some point, and there’s something about being alone in the dark, pressed up against a paramour, that brings those old nasty voices to the surface. Don’t beat yourself up. Just take a deep breath and remember this:

“No one has forced this person to be in a room with you,” says Ospina. “They’re there because they want to be there. They’re there because they are already attracted to you. They already want to be on the bed with you. They already wanna see you naked.” And, guess what: If you’ve gotten this far, they probably already know what you look like. “You can wear whatever clothes you want to try and hide [your body], but there is no a-line skirt that’s going to convince anyone that you’re not fat.” Ospina adds, teasing like a loving older sister: “They probably already know.”

Whether you’re searching online profiles, prepping for a first date, or already in the bedroom, Ospina urges you to remember this: “The world is full of internalized and externalized fat shaming. Those are all things that need to be worked on. But don’t convince yourself that there aren’t people who will see you for more than your body — or people who won’t love your body. There are plenty who will.” So if you want to be out there, get out there. “Just remember, you’re fucking rad.”





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