Debatte um nackte Brüste in der MLB

Ben Barthmann
freier Sportjournalist

Zwei Models haben während der World Series der MLB ihre Brüste entblößt und wurden dafür mit einer lebenslangen Sperre versehen. Die Debatte ist ohne Zweifel da, hat aber einen krummen Anstoß erhalten.

Existiert wirklich ein Doppelstandard in der MLB? (Bilder: Getty Images / Instagram Julia Rose)

Die kanadische Künstlerin Micol Hebron hat es schon vor vier Jahren gewusst. Nachdem soziale Netzwerke, darunter insbesondere Instagram, damit begannen, Fotos mit entblößten weiblichen Nippeln zu löschen, stellte sie eine scherzhafte Anleitung online, mit der Frauen ihre Nippel gegen männliche Nippel tauschen könnten.

Lange erhielt die Künstlerin dafür nur wenig Aufmerksamkeit, inzwischen aber hat das Posting seine Runde gemacht. Wirklich geändert hat sich seit 2015 aber nicht viel. Weibliche Brüste sind - ganz besonders im Sport - noch immer ein Aufreger, ein Skandal, eine Anmaßung.

Die männlichen Sportler aber dürfen sich bei jeder Gelegenheit das Trikot vom Leib zerren: Beim Torjubel, bei der Auswechslung, nach dem Spiel. Die Fans auf der Tribüne tun es ihnen gerne gleich. Manche springen, hüpfen und grölen gar bei Minustemperaturen ohne T-Shirt.

Julia Rose und Lauren Summer überraschten MLB mit Nippel-Aktion

Julia Rose und Lauren Summer haben diesen Doppelstandard satt. Sie buchten insgesamt sechs Karten für die World Series der MLB, eines der meist beachteten Sport-Events der USA. Sie warteten, bis die Kamera auf die Tribüne zeigte und rissen ihre Tops in die Höhe. Freie Nippel - mitten im besten US-Programm!

Sofort wurden die beiden Instagram-Bekanntheiten von der Security eingesammelt und in das Gefängnis des Stadions gesteckt. Dort wurde ihnen nach etwa zwei Stunden ein Brief überreicht, der ihnen lebenslanges Stadionverbot bei Spielen der Baseball-Liga aussprach.

Natürlich, es waren ja weibliche Brüste zu sehen, erhielt die Aktion sofort große Aufmerksamkeit. Videos, Bilder und Artikel durchzogen die (sozialen) Medien. Es zeigt sich: Hier ist durchaus eine Debatte offen. Zumal Rose und Summer jene Debatte selbst befeuerten.

Frauen-Körper werden oft sexualisiert - Nippel sind verpönt

Sie beklagten in diversen Interview nach ihrem TV-Auftritt den Doppelstandard. Beide sind Vertreter der #FreeTheNipple-Kampagne, die sich für eine gesellschaftliche Gleichberechtigung der sekundären Geschlechtsmerkmale der Frau einsetzt.

Es ist durchaus merkwürdig zu beobachten, wie der weibliche Körper in jedem noch so undenkbaren Szenario sexualisiert wird für Werbung und Aufmerksamkeit. Dass Stars und “Stars” ihren Körper einsetzen, um Aufmerksamkeit zu generieren ist schon seit langer, langer Zeit Alltag.

Aber wenn die wenigen, letzten Zentimeter Stoff auch noch verschwinden, ergibt das gleich einen öffentlichen Aufschrei. Es lässt sich nun darüber debattieren, ob die Männer nicht auch ihren Oberkörper verdecken sollten. Oder die Frauen nicht einfach so herumlaufen dürfen, wie sie wollen. Im Sport, im Alltag, überall.

Das Ziel von Rose und Summer ist ein anderes

Das Problem am Fall von Julia Rose und Lauren Summer ist in diesem Fall aber ein anderes. Sie investierten etwa 80.000 Dollar in ihre Tickets für die World Series - und dabei ging es ihnen nicht nur darum, sich für freie Nippel einzusetzen, oder, wie ebenfalls von ihnen angegeben, auf Brustkrebs aufmerksam zu machen.

Vielmehr war die Aktion der beiden Models auch eine Werbe-Aktion. Sie bewarben, Rose trug ein gelbes T-Shirt mit entsprechender Aufschrift, das Magazin SHAGMAG. Rose selbst freute sich laut eigenen Angaben über 120.000 neue Instagram-Follower nach ihrer Aktion. Der gemeinsame YouTube-Kanal ist weniger feministisch als vielmehr ein Sammelsurium von (Halb)-Nacktszenen und grenzt an Pornographie.

Dem propagierten Feminismus haben Rose und Summer somit kaum keinen Gefallen getan, boten sie letztlich doch nur ihre Körper zur Schau, um Aufmerksamkeit zu generieren. Nicht umsonst verwies die MLB in ihrem Schreiben zum Stadionverbot auch auf den werblichen Aspekt der Aktion.

Die Grenze zwischen instrumentalisierter Nacktheit und natürlicher Nacktheit mag nicht immer leicht zu ziehen sein. In diesem speziellen Fall allerdings ist die Sachlage von den Beteiligten nicht einmal verdeckt worden. Das erinnert stark an das bei Unternehmen oft heftig kritisierte Greenwashing - ein Femininwashing praktisch.

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