Der Filzstiftpräsident: Trump verteidigt sich mit Zettelnotizen und das Internet lacht

Moritz Piehler
Freier Autor
Trumps Notizen sorgen für Spott. (Bild: Mark Wilson/Getty Images)

Trump verteidigt sich gegen die Impeachment-Vorwürfe. Und liest dabei seine Notizen von einem mit fettem Filzstift handgeschrieben Zettel ab. Jetzt spottet man im Internet über den angeschlagen US-Präsidenten.

In den Anhörungen zum Amtsenthebungsverfahren gegen Donald Trump kommen fast täglich neue Details ans Licht, die ihn in der Ukraine-Affäre schwer belasten. So soll der US-Präsident telefonisch versucht haben, die ukrainische Führung unter Druck zu setzen, damit diese gegen seinen potentiellen Präsidentschaftswahl-Herausforderer Joe Biden ermittelt.

Der US-Botschafter in der EU, Gordon Sondland, der am Mittwoch als Zeuge vor dem Ausschuss befragt wurde, belastete Trump nun hinsichtlich des folgenschweren Ukraine-Telefonats schwer. Auf die zentrale Frage, ob es ein “Quid Pro Quo”, also eine auf Gegenleistung beruhende Vereinbarung gegeben habe, sagte er: “Wie ich bereits zuvor ausgesagt habe, in Bezug auf den Anruf und das Meeting im Weißen Haus: Die Antwort darauf ist Ja.” Und Sondland weiter: “Jeder wusste Bescheid. Es war kein Geheimnis.”

Trumps kuriose Antwort

Bisher war es Trumps Strategie, die Zeugen zu diskreditieren und - oft per Tweet - einzuschüchtern. Jetzt äußerte er sich in einem seiner berühmten “Hubschrauber-Interviews” auf kurios anmutende Weise zur Anhörung von Sondland. Er trat auf den Rasen vor dem Weißen Haus und las vor seinem Helikopter die Zeilen seines mit riesigen Filzstiftlettern handgeschriebenen Zettels vor: “Ich will nichts. Ich will nichts. Ich will kein Quid Pro Quo. Sag Zelensky, er soll das Richtige tun. Das ist das letzte Wort vom US-Präsidenten.”

Hintergrund: Im September hatte Sondland den US-Präsidenten gefragt, was dieser von der Ukraine wolle - Trumps Antwort: “Ich will nichts. Ich will nichts. Ich will kein Quid Pro Quo. Sag Zelensky, er soll das Richtige tun. Das ist das letzte Wort vom US-Präsidenten.” So zumindest schilderte es Sondland bei der Anhörung, so dass Trump diese Aussage Sondlands nun wiederum selbst zitierte - um so wohl zu betonen, dass er einem Quid Pro Quo eine klare Absage erteilt hätte.

Die Notizen, die er sich gemacht hatte, wurden fotografiert und sorgten für Stirnrunzeln, Spott und Häme im Internet. Es ist nicht das erste Mal, dass Trump mit seinen als “Sharpie Notes” bekannten handgeschriebenen Zetteln für eine Meme-Welle sorgte. Von Musikreferenzen zu Briefen an den Weihnachtsmann war kaum ein Vergleich dabei, dem Trump unter dem Hashtag #sharpiegate entkam. Comedian Amber Ruffin, die sonst für Seth Meyers’ “Late Night”-Show schreibt, fühlte sich zum Beispiel an einen ersten Entwurf zu Alicia Keys’ Hitsong “If I Ain’t Got You” erinnert.

Einen anderen User erinnerten Trumps lyrische Worte an den Text des Partysongs “High Hopes” der Band Panic! At the Disco.

Und der Musiker Nick Lutsko fühlte sich durch die Notizen inspiriert, eine Emo-Ballade aus dem Statement zu machen. Lutsko hat schon mehrfach Reden des Präsidenten in poppige Punkstücke umgewandelt.

Userin Laura Bassett fühlte sich an die Gedichte ihrer blinden Oma erinnert, die sie immer an Weihnachten geschickt bekommt und postete ein Vergleichsfoto als Beweis.

Trump selbst ließ sich von all dem überhaupt nicht beirren, wie man es von ihm gewohnt ist. Bei seinem Besuch in einer “Apple”-Fabrik in Texas am Mittwochnachmittag las er seine “Sharpie Notes” einfach noch ein weiteres Mal vor, als Reporter ihn nach der Sondland-Aussage fragten.