Der Grund ist schlicht und ergreifend Rassismus: Zeitschrift verwechselt zwei schwarze Models

Das sudanesisch-australische Model Adut Akech. Foto: Getty

Nach einer peinlichen Panne erklärt das sudanesische Model Adut Akech, dass die australischen Medien “noch sehr viel Arbeit vor sich haben”. Die Zeitschrift Who hatte zuvor ein Foto des Models Flavia Lazarus veröffentlicht und dieses fälschlicherweise mit Akechs Namen betitelt.

Die 19-Jährige teilte über Instagram ihren über 497.000 Followern mit, dass sie sich sehr darauf gefreut habe, das Interview zu lesen, in dem sie über Geflüchtete und Rassismus gesprochen hatte. Sie war dann aber am Boden zerstört, als sie bemerkte, dass das in der Zeitschrift abgebildete Model nicht sie war.

Kein Respekt

“Ich habe mich darüber aufgeregt, ich war wütend und ich fühlte mich überhaupt nicht respektiert. Meiner Meinung nach ist das einfach inakzeptabel und es gibt keinerlei Entschuldigung dafür”, schrieb sie.

“Ich fühle mich nicht nur persönlich beleidigt und respektlos behandelt. Das ist respektlos allen Schwarzen gegenüber und daher war es mir so unheimlich wichtig, diese Sache anzusprechen. Wer auch immer dafür verantwortlich ist, dachte, dies sei ein Foto von mir, und das ist nicht in Ordnung.”

“Es zeigt einfach die Ignoranz der Leute. Sie sind so engstirnig, dass sie denken, dass alle schwarzen Frauen oder alle Menschen aus Afrika gleich aussehen“, fuhr sie fort.

“Ich glaube nicht, dass so etwas jemals mit einem weißen Model passieren würde.”

Und sie hat recht. Es wäre nicht mit einem weißen Model passiert.

Wir haben heute eine kurze Umfrage mit unseren Kollegen der Nachrichtenredaktion durchgeführt. Niemand von uns kann sich an einen Vorfall erinnern, bei dem so etwas mit einem weißen Promi in Australien passiert ist.

Das ist eine ganz schöne Meisterleistung, wenn man sich vor Augen hält, wie weiß die Branche eigentlich ist – egal ob auf Leinwand, Funk und Fernsehen oder dem Laufsteg.

Das ugandisch-australische Model Flavia Lazarus, das anstelle von Adut Akech auf dem Bild zu sehen war. Foto: Instagram/flavialazarus_

Nehmen wir beispielsweise das australische Frühstücksfernsehen. Die Anzahl blonder Schönheiten in den Sendungen Today, Sunrise und Studio 10 ist bemerkenswert hoch. Dennoch haben wir es geschafft, keine der TV-Moderatorinnen, die sich mit ihrem goldenen Haar, den blauen Augen und ihrem blassen Teint verblüffend ähnlich sehen, miteinander zu verwechseln.

Wir können unsere Sylvias von unseren Sams und Sonias und unsere Angelas von unseren Allisons unterscheiden.

Einige der beliebten TV-Moderatorinnen des australischen Senders Channel Nine. Fotos: Instagram/channel9style

Who reagierte mit einer Stellungnahme auf Aduts Posting und schrieb, dass der Fehler hoffentlich dazu führe, dass “die Menschen in unserer Branche über dieses Problem sprechen und es direkt angehen”.

“Wir von Who bitten vielmals um Entschuldigung dafür, dass wir in unserer aktuellen Ausgabe ein falsches Foto veröffentlicht haben”, sagte ein Sprecher der Zeitschrift. “Leider hat die Agentur, die das Interview mit Adut Akech organisiert hatte, uns mit dem Interview ein falsches Foto geliefert.”

Sorry, sorry, sorry!

“Who hat persönlich mit Adut gesprochen und erklärt, wie der Fehler zustande gekommen ist. Wir haben uns außerdem bei ihr entschuldigt.”

“Wir bitten außerdem Flavia Lazarus für den Fehler vielmals um Entschuldigung.”

“Wir wollten Aduts inspirierende Geschichte mit unseren Lesern teilen und zeigen, was sie erreicht hat. Wir wollen die Vielfalt in unserem Magazin verbessern und hatten das Interview mit dieser Absicht geplant. Hoffentlich hat unser Fehler zur Folge, dass mehr Leute in der Branche über dieses Problem sprechen und es direkt angehen.”

Adut Akech ist eines der bekanntesten Models der Welt. Sie war Karl Lagerfelds Couture Bride und ihr Gesicht ist auf dem Cover jedes bekannten Magazins auf der ganzen Welt erschienen. Sie ist UN-Botschafterin. Dennoch verwechseln weiße Journalisten sie immer noch mit anderen schwarzen Frauen. Das ist Rassismus. Hier ist ihr Post, den man unbedingt lesen sollte.Es passiert nicht zum ersten Mal.

Es passiert nicht zum ersten Mal, dass ein schwarzes Model von der australischen Presse verwechselt wird. Duckie Thot, eine ehemalige Teilnehmerin der Sendung Australia‘s Next Top Model, kommentierte Aduts leidenschaftlichen Beitrag: “Das ist mir auch schon mit einer anderen australischen Zeitschrift passiert... es ist total respektlos und traurig. Ich hoffe, dir geht es gut.”

Mahalia Handley, die Mitbegründerin der Social Media-Bewegung Shine 4 Diversity, erzählte Yahoo Lifestyle, dass sie selbst ähnliche Erfahrungen gemacht habe, als sie in der Modelbranche arbeitete.

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“Ich gebe Adut mit dem recht, was sie in ihrem Beitrag auf Instagram schreibt. So etwas wäre einem weißen Model nie passiert, weil so etwas einfach nicht vorkommt. Ich habe es selbst schon erlebt, dass Mode-Labels mich mit jemand anderem verwechselt haben. Ich bin froh, dass sie offen darüber spricht und ihre Plattform nutzt, um das wirkliche Problem anzusprechen, das hinter dem Fehler steckt, der mit ihr gemacht wurde”, sagt Mahalia.

“Die australische Modebranche sollte Fahrt aufnehmen und als ein Vorbild zeigen, wie wir verschiedene Kulturen und ethnische Gruppen feiern. Zeitschriften, Firmen und die Medien müssen einfach besser werden und die den Wandel verkörpern, nach dem die Branche förmlich schreit.”

Die ehemalige Teilnehmerin von Australia’s Next Top Model Duckie Thot sagt, dass sie in der Vergangenheit auch schon von der australischen Presse verwechselt wurde. Foto: Instagram/duckieofficial

Es ist nicht lange her, dass die amerikanische Vogue bewies, dass sich nicht nur australische Medien mit dem Thema Rassismus auseinandersetzen sollten.

Die Journalistin, Aktivistin und Sprecherin Noor Tagouri hatte sich auf eine große Story in der Februarausgabe des Heftes gefreut – nur um feststellen zu müssen, dass sie mit der pakistanischen Schauspielerin Noor Bukhari verwechselt worden war. “Ich bin so unglaublich traurig und verzweifelt”, schrieb Tagouri bei Instagram.

“Ich wurde in den Medien schon etliche Male verwechselt und falsch dargestellt. Das ging so weit, dass mein Leben deswegen in Gefahr war. Ich hätte das niemals im Leben von einer Publikation erwartet, die ich so sehr respektiere und seit meiner Kindheit lese.”

Vogue entschuldigte sich später öffentlich über seine Social Media-Kanäle. “Wir wissen auch, dass Verwechslungen in den Medien ein größeres Problem darstellen – insbesondere unter Menschen, deren Hautfarbe nicht weiß ist.”

“Wir waren überglücklich, als sich uns die Gelegenheit bot, Tagouri zu fotografieren und damit die Arbeit, die sie leistet ins Rampenlicht zu rücken. Dass wir sie verwechselt haben, tut wirklich weh”, hieß es in dem Post.

Wie also kann man versuchen, dieses Problem zu lösen? Dadurch, dass man Journalisten einstellt, die verschiedene kulturelle und sprachliche Hintergründe haben? Oder muss den Menschen mehr Wissen zum Thema Rasse vermittelt werden? Sollte man mehr Menschen mit dunkler Hautfarbe vor der Kamera zeigen?

All das.

Und wenn wir schon in einer Zeit leben, in der wir Ressourcen für Interviews verwenden, in denen wir Menschen mit dunklerer Hautfarbe zu ihrer Kultur und zu den Themen Flüchtlinge und Rassismus befragen, ist das Mindeste, was wir tun können, das richtige Foto zu veröffentlichen.

Alicia Vrajlal