Mögliche Gründe, weshalb Greta Thunberg den Friedensnobelpreis nicht gewann

Am Freitag wurde es verkündet: Der diesjährige Friedensnobelpreis geht an den äthiopischen Ministerpräsidenten Abiy Ahmed. Dabei galt Greta Thunberg als Favoritin für die Auszeichnung. Wieso ging sie letztlich doch leer aus?

Trotz Favoritenrolle erhielt Greta Thunberg den Friedensnobelpreis nicht (Symbolbild: Adam Berry/Getty Images)

Schon bevor die Entscheidung gefallen war, hatte sich Henrik Urdal, Direktor des Friedensforschungsinstituts in Oslo, dagegen ausgesprochen, dass Greta Thunberg mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wird. Neben ihrem in seinen Augen zu jungen Alter äußerte er Zweifel daran, dass ein Zusammenhang zwischen der Erderwärmung und bewaffneten Auseinandersetzungen bestünde.

Globaler Überblick: Hier wird überall demonstriert

Denn, wie der Wissenschaftler und Preisstifter Alfred Nobel in seinem Testament festgehalten hatte, solle sein Friedenspreis an “am meisten oder am besten auf die Verbrüderung der Völker und die Abschaffung oder Verminderung stehender Heere sowie das Abhalten oder die Förderung von Friedenskongressen hingewirkt“ und “im vergangenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen erbracht“ haben. Auch wenn Thunberg Menschen weltweit im Bestreben für mehr Klimaschutz zusammengebracht hat, lässt sich zu diesem Zeitpunkt kein messbarer Erfolg für den weltweiten Frieden feststellen.

Zu viel mediale Aufmerksamkeit als wahrer Grund?

Dennoch galt Greta Thunberg in den Augen vieler weiterer Experten und auch Buchmacher als Favoritin auf den Preis. Dass sie ihn dennoch nicht gewann, liegt laut Friedensforscher Ulrich Schneckener, Vorsitzender der “Deutschen Stiftung Friedensforschung“, in erster Linie an der großen Aufmerksamkeit, die die junge Schwedin in kurzer Zeit erlangt hat.

“Greta Thunberg – oder besser noch ‘Fridays for Future‘ – wären auch preiswürdig gewesen, aber die Bewegung genießt bereits eine hohe weltweite Medienöffentlichkeit und Präsenz”, sagte er der “Bild”-Zeitung. In diesem Jahr habe es eine “klassische” Entscheidung gegeben: Ein aktiver Politiker sei für die Versöhnung zwischen zwei verfeindeten Staaten ausgezeichnet worden.

Abiy Ahmed wurde für seine Initiative zur Lösung des Grenzkonflikts mit dem äthiopischen Nachbarland Eritrea ausgezeichnet (Bild: Mohammed Abdu Abdulbaq/Anadolu Agency via Getty Images)

Lob für die Entscheidung auch von Klimaaktivisten-Seite

Die Arbeit des äthiopischen Ministerpräsident Abiy Ahmed erhielt im Vergleich zu der “Fridays for Future”-Bewegung in der Tat wenig mediale Aufmerksamkeit. Er erhielt den Friedensnobelpreis insbesondere für seine Initiative zur Lösung des Grenzkonflikts mit dem äthiopischen Nachbarland Eritrea. Die Auszeichnung ist, wie alle anderen Nobelpreise auch, mit neun Millionen schwedischen Kronen (rund 830.000 Euro) dotiert.

Kommentar zu Greta Thunberg : Gut, dass sie den Friedensnobelpreis nicht gewonnen hat

Selbst die deutsche “Fridays for Future”-Aktivistin Luisa Neubauer begrüßte die Entscheidung mit der Begründung, dass im “Krieg gegen Natur, die Lebensgrundlagen und die zukünftigen Generationen” eben noch kein Frieden erzielt sei.