Deutsche Fankurven politisch wie selten zuvor

Ben Barthmann
freier Sportjournalist

Die deutschen Fankurven haben sich am Wochenende politisch wie selten zuvor gezeigt. Nicht nur Fans des SV Werder Bremen oder RB Leipzigs setzten Zeichen, die weit über den Sport hinausgingen.

Fans des FC St. Pauli machten am Wochenende auf Rojava aufmerksam. (Bild: Getty Images)

“Weder verirrter Einzeltäter noch Alarmsignal. Nie wieder muss mehr als nur ein Slogan sein. Gegen jeden Antisemitismus”, stand auf einem Banner, das Fans Werder Bremens bei der Partie gegen Hertha BSC (1:1) ausrollten. In der Ostkurve war dies als Reaktion auf die tragischen Ereignisse in Halle zu verstehen.

Jenen Ereignissen widmeten sich auch Fans von RB Leipzig. “Antisemitismus hat viele Formen. Alle davon sind tödlich. In Gedenken an die Opfer von Halle”, stand auch einem Banner im Stadion der Roten Bullen - ganz abgesehen von den üblichen Bekundungen in Regenbogenfarben.

Werder Bremen und St. Pauli mit Botschaften für Rojava

Weitere Banner zogen sich durch die Bundesliga, so unter anderem bei den Spielen zwischen Mainz und Fortuna Düsseldorf sowie dem FC Augsburg und dem FC Bayern.

Fans von Werder Bremen und von Zweitligist FC St. Pauli solidarisierten sich zudem mit der nordsyrischen Stadt Rojava, die im Fokus türkischer Attacken stand. Die Hamburger verwandelten ihre Südtribüne kurz nach Wiederanpfiff in der zweiten Halbzeit in ein gelb, grün, rotes Fahnenmeer und mit dem Banner “Rise up für Rojava” (engl.: Empört euch für Rojava).

Die Bremer Anhänger trugen mit “Hände weg von Rojava” zu einem der politischsten Wochenenden in der Geschichte der Bundesliga bei. Die Reaktionen auf die politischen Äußerungen der verschiedenen Fankurven waren größtenteils positiv.

Militärgruß türkischer Fußballer durchzieht den Amateur-Fußball

Allerdings ist die UEFA versucht, Sport und Politik zu trennen. Deshalb wird auch gegen die Fußballer der türkischen Nationalmannschaft ermittelt, die gegen Albanien und Frankreich den umstrittenen Militärgruß zeigten. Dieser machte am vergangenen Wochenende die Runde durch den Amateur-Fußball.

Zahlreiche türkische Klubs und Fußballer präsentierten über den Spieltag hinweg den Gruß an die türkischen Soldaten. Die verschiedenen Verbände hatten zuvor harte Konsequenzen angekündigt - die Durchführung derer scheint aber nach aktuellen Berichten nicht in aller Härte vollzogen zu werden.

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