Bei DHDL bat Getaway vergeblich um Kapital – mittlerweile ist das Mobility-Startup profitabel

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2017 wollte kein Löwe Geld geben – mittlerweile hat Getaway-Gründer Edgar Scholler die Profitabilität erreicht
2017 wollte kein Löwe Geld geben – mittlerweile hat Getaway-Gründer Edgar Scholler die Profitabilität erreicht

Als Gründer Edgar Scholler in der TV-Show „Die Höhle der Löwen“ vor vier Jahren sein Startup Getaway vorstellte, musste er mit leeren Händen nach Hause gehen. Das 2015 gegründete Unternehmen wollte eine Plattform für Auto-Sharing zwischen Privatpersonen aufbauen. Scholler hat dafür eine App entwickelt, um eine schlüssellose Übergabe zwischen Autobesitzer und Mieter zu ermöglichen. Zwischenzeitlich sollen einige Tausend User auf der Plattform gewesen sein und rund 700 Fahrzeuge für den Verleih zur Verfügung gestanden haben, sagt er heute im Gespräch mit Gründerszene.

Nach dem Auftritt in der TV-Show wurde es ruhig um das Startup. Unter dem Radar haben die Berliner über mehrere Jahre einen White-Label-Service aufgebaut und mittlerweile namhafte Kunden an Land gezogen.

„Wir haben das P2P-Geschäft vor etwa zweieinhalb Jahren eingestellt“, sagt Scholler zu Gründerszene. Mit anderen Worten: Anstatt weiterhin Privatkunden den Autoservice anzubieten, ist Getaway ins B2B-Geschäft gewechselt. Das Startup baut für seine Kunden Sharing-Apps und hilft beim Flotten-Management, was sie wiederum unter ihrem eigenen Namen veröffentlichen.

Anlass für den Pivot habe der Markteintritt von Sixt ins Sharing-Geschäft 2018 gegeben, sagt Scholler. Die gesamte Autoverleih-Branche habe unter Druck gestanden, das eigene Angebot zu digitalisieren. So auch Sixt-Wettbewerber Europcar. Europcar war zusammen mit Daimler am Carsharing-Dienst Car2Go beteiligt, Europcar gab seine Anteile aber an Daimler ab. Nach dem Deal wurde die Marke Car2Go mit BMWs Sharing-Angebot Drive Now zu Share Now zusammengefasst. Europcar hat daraufhin bei Getaway angeklopft, um sich eine neue Sharing-Plattform bauen zu lassen. Mittlerweile ist der Konzern mit seinen Marken Ubeeqo und Buchbinder Kunde des Startups.

Profitables Carsharing ohne viel Risikokapital

„Unsere Stärke besteht darin, dass wir die Probleme der Endkunden kennen“, sagt Scholler. Eine coole Marke allein reiche nicht. „Erst wenn das Produkt profitabel sei, ist unser Auftrag erfüllt.“ Ein weiterer Kunde ist der Berliner Transporter-Verleih Robben & Wientjes. Getaway hat für die Firma eine Sharing-App entwickelt. „Überzeugt man einen B2B-Autobesitzer, sind es direkt mehrere Hundert Sharing-Autos“, sagt Scholler. Das 19 Mitarbeiter große Unternehmen Getaway betreut derzeit nach eigenen Angaben eine hohe dreistellige Anzahl von Kunden-Fahrzeugen. Und zwar profitabel.

„Wir haben nach dem Pivot keine weitere Finanzierungsrunde mehr benötigt und brauchen auch keine Geldgeber mehr“, sagt Scholler. Das Unternehmen hatte nach dem Auftritt bei „Die Höhle der Löwen“ nach eigenen Angaben noch rund 1,2 Millionen Euro Kapital eingesammelt. Laut Handelsregister sind der Investmentarm des Energiekonzerns Innogy Ventures sowie das Familiy Office Viva Forever und das Bauunternehmen Riva AG eingestiegen. Gründer Scholler hält noch immer über 80 Prozent.

„Wir haben sowohl weitere Projekte von bestehenden Kunden auf der Agenda als auch neue Kunden in der Pipeline“, kündigt Scholler an. Ein weiterer profitabler Player im White-Label-Business ist das Hamburger Startup Wunder Mobility. Die Hamburger haben unter anderem die Sharing-Plattform für den kürzlich verkauften E-Roller-Anbieter Emmy und das Carsharing-Angebot Miles aufgebaut.

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