Die größten Produktflops: Amazons Fire Phone

Ann-Catherin Karg
Freie Journalistin

Mit einem eigenen Smartphone wollte Amazon-Chef Jeff Bezos Apple in die Schranken weisen und erreichen, dass die Kunden ihren Amazon-Einkauf künftig auch über ein Amazon-Gerät tätigen. Doch das von Bezos als Prestigeprojekt geplante Smartphone wurde alles andere als gut aufgenommen, was vor allem an zwei Faktoren lag.

Das Fire Phone war das erste Smartphone von Amazon (Bild: Getty Images)

Jeff Bezos ist seit mittlerweile 25 Jahren Chef des weltgrößten Online-Versandhandels Amazon und hat es in dieser Funktion zum reichsten Mann der Welt gebracht. Der Gedanke an ein gescheitertes Projekt dürfte ihm allerdings bis heute schlechte Laune bereiten: Sein 2014 auf den Markt gebrachtes Fire Phone, das sich nur rund ein Jahr dort hielt.

25 Jahre Amazon: Vom Online-Buchladen zum Billionen-Konzern

Ein 3D-Feauture sollte das Amazon-Gerät einzigartig machen

Mit dem in den USA zunächst für 649 Dollar verkauften Gerät wollte Jeff Bezos ein Produkt unter die Leute bringen, das ebenso gut wie das iPhone sein und die Konkurrenz sogar überflügeln sollte: Ausgestattet u.a. mit einer 13-Megapixel-Kamera und vor allem einem 3D-Feature mit dem Namen Dynamic Perspective. Laut Insider-Berichten hatte sich Bezos geradezu verbissen in die Idee des 3D-Displays, das seine Funktion ohne Brille und aus möglichst vielen Blickwinkeln entfalten sollte.

Top 10: Die beliebtesten Waren im Online-Handel

Die Entwicklung gestaltete sich schwierig und war immens teuer

Etwa ab dem Jahr 2010, als Apple das iPhone 4 an den Start brachte, sollen die Amazon-Experten an den speziellen Vorgaben ihres Chefs gewerkelt und zu deren Realisierung Unsummen an Geldern verschlungen haben. Insgesamt arbeiteten mehrere Teams an dem Projekt “Tyto“, das 2013 noch einmal komplett auf Null gestellt und in “Duke“ umbenannt wurde. Laut dem US-Magazin “Fast Company“ arbeitete ein weiteres Team an einer preisgünstigeren Variante des High-End-Smartphones.

Jeff Bezos war ein großer Fan des Fire Phones (Bild: Getty Images)

Das 3D-Feature begeisterte vor allem Jeff Bezos

Als Bezos das Fire Phone 2014 endlich der Öffentlichkeit präsentierte, wird er sich des Erfolges ziemlich sicher gewesen sein. Das 3D-Feature Dynamic Perspective funktionierte, doch als wirklich großen Wurf und lohnendes Alleinstellungsmerkmal im Vergleich zu den iPhones konnte es außer Bezos so niemand recht empfinden. Die Kunden wussten schlicht wenig mit dem Feature anzufangen, das Experten als “verwirrend“ und “sinnlos“ kritisierten und das noch dazu einen großen Nachteil mit sich brachte: Die dafür notwendigen vier Front-Kameras auf dem Smartphone verbrauchten so viel Strom, dass die Akku-Leistung erheblich herabgesetzt wurde. Zudem schreckte viele Kunden der relativ hohe Preis von 649 Dollar.

Erst sanken die Preise, dann verschwand das Smartphone komplett

In Deutschland war das Fire Phone zum Verkaufsstart nur mit einem Telekom-Vertrag erhältlich, wenig später konnten Kunden es auch ohne Vertrag, dafür mit einem Telekom-Netlock, kaufen. Hier wie dort verkauften sich die Geräte so schlecht, dass die Preise schon bald rapide sanken. In Deutschland wurden die Smartphones dann ab Mai 2015 nicht mehr angeboten, in den USA ab August desselben Jahres. Jeff Bezos sprach noch im Dezember 2014 von “milliardenschweren Fehlern“, die sein Unternehmen gemacht habe. Laut “Wirtschaftswoche“ musste Amazon im dritten Quartal 2014 ganze 170 Millionen Dollar abschreiben, die allein durch Lagerkosten des Fire Phones entstanden waren.

Weitere Artikel aus der Serie:

Die größten Produktflops: Dasani und Ipsei - Wie Coca-Cola mit Wasser floppte

Die größten Produktflops: Die "rauchfreie Zigarette" Premier

Die größten Produktflops: Tempo Toilettenpapier

Die größten Produktflops: Der Cosmopolitan-Joghurt

VIDEO: Bei Anruf Amazon (vielleicht)