Die Queen of Pop wird 60! So beeinflusste Madonna über Jahre das weltweite Frauenbild

Nina Baum
Freie Autorin für Yahoo Style
Sängerin Madonna (links: 2017, rechts: 1985) hatte mit ihrer Mode, ihrem Lifestyle und ihren Texten maßgeblichen Einfluss auf das Frauenbild weltweit. (Bild: AP Photo/Peter Kemp)

Heute hat Madonna ihren 60. Geburtstag und allen Grund zu feiern. Denn die „Queen of Pop“ hat nicht nur seit 35 Jahren die Musikwelt maßgeblich beeinflusst, sondern seit den 80ern vor allem auch ein neues Frauenbild geprägt.

Seit Beginn ihrer Karriere in den 1980er-Jahren hat die amerikanische Sängerin mit ihren Liedern, Videos und ihrem Kleidungsstil einen großen soziokulturellen Einfluss auf die westliche Welt. Sie gilt bis heute als eine revolutionäre Figur in der feministischen Bewegung und stellte von Anfang an die Rollen der Geschlechter infrage.

Happy Birthday, Madonna: Eine Pop-Ikone wird 60

Blondes welliges Haar, knallroter Lippenstift und der typische Leberfleck: Madonna spielte mit weiblichen Attributen – ohne dabei billig zu wirken. (Bild: AP Photo)

Mode

Madonna überschritt schon immer modische Grenzen und ebnete so den Weg für Künstlerinnen wie Miley Cyrus oder Lady Gaga, die ebenfalls die modischen Extreme lieben. Mit erotischen und sehr sexy Outfits, die in Teilen oft überstilisiert waren, brachte Madonna einen ganz eigenen sexualisierten Stil in die Musikszene ein. Das berühmte Korsett mit den spitzen BH-Cups von Jean Paul Gaultier, das sie während ihrer „Blond Ambition World Tour“ 1990 trug, war der Inbegriff von modischer Provokation.

Galerie: Madonnas legendärste Looks 

Madonna in dem legendären Korsett von Jean Paul Gaultier während ihrer „Blonde Ambition Tour“ in der US-Stadt Philadelphia 1990. (Bild: AP Photo/Sean Kardon)

Frauenbild

Madonna wurde häufig mit der feministischen Bewegung in den USA in Verbindung gebracht. Jedoch hat sie nie eindeutig Stellung zu bestimmten Positionen bezogen oder sich klar feministisch positioniert. Doch mit ihrem Lebensstil, ihren Aussagen und Textzeilen ist sie maßgeblich dafür verantwortlich gewesen, die Mentalität und das Verhalten von Frauen in der Gesellschaft ab Mitte der 80er-Jahre zu beeinflussen – ebenso den Umgang der Gesellschaft mit diesem Verhalten.

Als sie 2016 ihren Billboard-„Frau des Jahres“-Award entgegennahm, hielt die Sängerin eine persönliche Rede, in der sie sich kritisch über Sexismus äußerte. „Ich stehe als Fußabtreter vor Ihnen. Oh, ich meine, als weibliche Entertainerin. Danke, dass Sie honorieren, dass ich 34 Jahre lang – trotz eklatantem Sexismus und Frauenfeindlichkeit und ständigem Mobbing und unerbittlichem Missbrauch – meine Karriere fortgesetzt habe.“

Im weiteren Verlauf der Rede widersprach sie auch den Behauptungen einer Schriftstellerin, dass ihr sexy Image kontraproduktiv für den Feminismus sei. „Oh, wenn Sie eine Feministin sind, haben Sie keine Sexualität, Sie leugnen es ja. Also sagte ich: Scheiß drauf. Ich bin eben eine andere Art von Feministin. Ich bin eine schlechte Feministin.“

Körperbild

Madonna brachte als Vorbild jungen Frauen bei, gleichermaßen vollkommen weiblich und sexuell zu sein – und dabei nie die Kontrolle über ihr Leben zu verlieren. Das stärkte ihren Status als selbstbestimmtes Sexsymbol und markierte einen starken Unterschied zu anderen, passiveren Sexsymbolen wie Marilyn Monroe, deren Frisur sie jahrelang übernommen hatte, oder Pamela Anderson, die von einem feministischen Ansatz weit entfernt war.

Madonna im Stil von Marilyn Monroe 1987 am Times Square in New York. (Bild: AP Photo) Sexualität

Sexualität

In ihrer Rolle als Superstar erreichte sie ein riesiges weibliches Publikum, dem sie ein bestimmtes Frauenbild vermittelte. Ihr freizügiger Kleidungsstil und ihr Lifestyle wurden für viele Frauen mit sexueller Freiheit in Verbindung gebracht. Die Art, ihren Körper in Szene zu setzen, mit ihm umzugehen und bei allem weiterhin selbstbestimmt, aber nicht billig zu wirken, war stilprägend für den Umgang vieler Frauen mit ihrem eigenen Körper, ihrer Sexualität.
Diese sexuelle Freiheit, die Madonna mit jeder Pore ihres Körpers zu leben scheint, beeinflusste jedoch nicht nur die heterosexuellen Frauen. Madonna gilt bis heute als eine der größten Gay- und Queer-Ikonen aller Zeiten. Sie brach in ihren Videos, Performances und Interviews alle Tabus, die es zu brechen gab und ließ immer wieder Geschlechtergrenzen verschwimmen.

Unvergessen bleibt in diesem Kontext auch der Kuss mit Britney Spears bei den MTV Video Music Awards 2003, der noch Wochen später für Diskussionen und Kontroversen sorgte.

Britney Spears und Madonna sorgten mit diesem Kuss eine Weile für Verwirrung. (Bild: AP Photo)

Bis heute setzt sich Madonna dafür ein, das Frauenbild zu verändern und plädiert dafür, dass Frauen sich gegenseitig mehr unterstützen, um sich einer Gleichberechtigung der Geschlechter anzunähern. Sei es als Unterstützerin Hillary Clintons während des Präsidentschaftswahlkampfes, mit jedem neuen Outfit auf dem roten Teppich oder auf der Bühne – Madonna war, ist und bleibt eine Vorreiterin in Sachen Frauenbild, Weiblichkeit und zeigt, dass das auch noch mit 60 authentisch wirkt.

Die Sängerin bei ihrer „Rebel Heart Tour“ im chinesischen Macau 2016. (Bild: AP Photo/Kin Cheung)