Die Schattenseiten des Avocado-Booms

Ann-Catherin Karg
Freie Journalistin

In den letzten Jahren sind Avocados so beliebt geworden, dass man sie heute ganz selbstverständlich in Supermärkten, auf Speisekarten von Hipster-Cafés bis zu Lieferdiensten und in jedem Ratgeber zu guter Ernährung findet. Dabei schädigt die Kultivierung der als Superfood gepriesenen Frucht nicht nur die Anbaugebiete und deren Anwohner, sondern bringt auch kriminelle Banden auf den Plan.

Der Hype um die Avocado hat auch negative Seiten (Symbolbild: Getty Images)

Sie machen satt, aber nicht dick, stecken voller ungesättigter Fettsäuren, Vitamine und Antioxidantien, senken den Cholesterinspiegel und sind dabei noch so hip und fotogen, dass man bei Instagram unter dem Hashtag #avocado mehr als zehn Millionen Beiträge angezeigt bekommt. Weltweit werden Avocados immer beliebter, gerade auch in Deutschland.

In den letzten Jahren hat sich der Absatz verdoppelt

Laut dem Statistischen Bundesamt lag der Absatz 2017 bei 57 Millionen Kilogramm. Gegenüber dem Vorjahr war das ein Wachstum von 22 Prozent, innerhalb des vergangenen Jahrzehnts hat sich der Absatz sogar mehr als verdreifacht. Und momentan deutet nichts daraufhin, dass dieser “Siegeszug“, als den der Chef der World Avocado Organization die wachsende Beliebtheit bezeichnete, bald ein Ende finden könnte.

Für die Konsumenten ist die vielseitige Verwendbarkeit der Avocado von Salaten über Smoothies bis zu Brotaufstrichen verlockend, dazu kommt ein steigendes Interesse an tierischen Ersatzprodukten. In der veganen Küche gilt die Frucht als gesunde und leckere Alternative zu Fleisch und kann beim Backen zum Beispiel Eier und Butter ersetzen. Ein universal einsetzbarer Glücksfall für bewusste Verbraucher, könnte man denken. Doch das ist nur die eine Seite der Medaille.

Der Wasserverbrauch in enorm hoch

Um am Ende ein Kilo Avocados, also etwa zwei bis drei Stück, ernten zu können, braucht man um die eintausend Liter Wasser. Problematisch ist das vor allem deshalb, weil Avocados am besten in warmen Regionen wie in Mexiko, Südafrika oder Israel gedeihen, in denen Wasser ohnehin oft knapp ist. Wenn durch die wachsende Nachfrage immer mehr Wasser für die Bewässerungsanlagen verwendet wird, geht das auf Kosten der Bevölkerung und deren Bedarf an Trinkwasser. Schon 2017 haben Experten des mexikanischen Landwirtschaftsministeriums prognostiziert, dass die weltweite Nachfrage nach Avocados bis 2030 um fast 50 Prozent steigen wird.

Echter Foodporn: So eine Avocado haben Sie noch nie gesehen

Für den Anbau werden Wälder gerodet und Pestizide verspritzt

Rund 40 Prozent der Avocados, die weltweit verkauft werden, kommen aus Mexiko. Das liegt zum einen an den vulkanischen Böden und zum anderen am milden Klima, das mehrere Ernten pro Jahr möglich macht. Mit knapp 140.000 Hektar befindet sich das größte Anbaugebiet im Bundesstaat Michoacán. Heimische Agrar- und Umweltorganisationen weisen seit Jahren darauf hin, dass zugunsten riesiger Monokulturanlagen immer mehr Waldflächen, teilweise illegal, gerodet werden.

Pro Jahr soll es um 600 bis 1000 Hektar gehen. Die Folgen reichen von einem Rückgang der Artenvielfalt bis zu Bodenerosionen. Dazu kommt der Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden, die in die umliegenden Gewässer und das Grundwasser gelangen. Die Nachrichtenagentur AFP berichtete schon 2017 von den Bewohnern eines Dorfes, die seit der Ausdehnung der Avocado-Plantagen vermehrt unter Leber- und Nierenproblemen litten.

Bandenmitglieder wollen an den Avocado-Bäumen in Mexiko mitverdienen (Symbolbild: Getty Images)

Kriminelle Banden verdienen mit

Das “grüne Gold“, als das Avocados in Mexiko bezeichnet werden, hat längst auch die berüchtigten Kartelle auf den Plan gerufen. Ein mit Avocado-Bäumen bepflanzter Hektar Land bringt im Jahr Erträge von umgerechnet rund 5000 Euro - und davon wollen die Kriminellen etwas abhaben. Bauern und Packer müssen Schutzgeld an die Gangster bezahlen, die ganze Städte und Regionen terrorisieren.

Food-Duo des Grauens? Die 5 verrücktesten Essens-Kombis

Drohungen, Gewalt und Entführungen haben bereits dazu geführt, dass sich die Bauern in eigenen bewaffneten Verteidigungsgruppen zusammengeschlossen haben, die auch auf Patrouille gehen. Der Einsatz der Bundespolizei soll die Position der Produzenten vorübergehend zwar gestärkt haben, das Problem besteht aber weiterhin. Manche Mitglieder des organisierten Verbrechens bauen selbst Avocado-Farmen in frisch gerodeten Waldgebieten auf und führen diese auch.

Ein Starkoch hat schon zum Boykott aufgerufen

Aufgrund dieser Umstände hat der irische Sternekoch JP McMahon seine Kollegen vor einigen Monaten dazu aufgerufen, in ihren Restaurants keine Avocados mehr zu verwenden. Er bezeichnete die Früchte als “die Blutdiamanten Mexikos“ und verglich sie außerdem mit Eiern aus Legebatterien. Daneben gibt es aber weiterhin auch Restaurants wie The Avocado Show in Amsterdam, in dem Avocados Hauptbestandteil jedes Gerichts sind und das eine weltweite Expansion plant.

VIDEO: Sizilien: Bauern setzen auf Südfrüchte