Die Tagesschau erntet Kritik für ihren TikTok-Auftritt

Seit Mittwoch ist die Tagesschau nicht nur auf Facebook und Instagram, sondern auch auf TikTok unterwegs. Was auf den ersten Blick angesichts der Beliebtheit der Plattform wie ein logischer Schritt erscheint, zieht nun schon Kritik auf sich. Denn das chinesische Unternehmen ist umstritten.

TikTok ist vor allem bei jungen Menschen beliebt (Bild: Getty Images)

Ziel ist es vor allem, die jüngere Zielgruppe für die Tagesschau zu begeistern, hieß es von Seiten der ARD, als die Nachrichtensendung am Mittwoch auf TikTok durchstartete. Die Kurzvideo-Plattform ist vor allem bei jungen Leuten zwischen 16 und 24 Jahren beliebt, die dort nun auch witzige Clips mit den Tagesschau-Sprechern Jan Hofer oder Judith Rakers und auch aktuelle Nachrichten bewundern dürfen.

Freier Journalismus auf einer zensierten Plattform?

Doch kurz, nachdem ein Clip davon live ging, wie Hofer per Knopfdruck die Farbe seiner Krawatte anpasst, wurden schon erste kritische Stimmen laut. Denn die Plattform, die seit 2018 dem chinesischen Technologieunternehmen Bytedance gehört, werden immer wieder Vorwürfe der Zensur laut. So stellte die “Washington Post” fest, dass bei der Suche des Begriffs “Hongkong” kaum Inhalte zu den dortigen Protesten zu finden seien. Laut “The Guardian” würden in der Türkei kritische Videos über Präsident Recep Erdogan gesperrt.

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Laut Christian Mihr, Chef von “Reporter ohne Grenzen”, gebe es auch Hinweise, “dass TikTok selbst in Europa Inhalte filtert, die der chinesischen Staatsräson zuwiderlaufen“, wie er “Bild” sagte. Er sieht den Account der Tagesschau kritisch und nannte der Zeitung gegenüber ebenfalls Berichte über die Proteste in Hongkong als Beispiel, die der TikTok-Seite der Tagesschau landen könnten. “Sollten diese zensiert werden, wäre es aus unserer Sicht angezeigt, dass die Tagesschau-Redaktion dies auf ihren anderen Kanälen öffentlich macht.”

Auch Zuschauer zeigen sich besorgt

Jedoch will die Tagesschau die Plattform durchaus als News-Outlet verwenden. Neben “TikTok-typischen eher humorigen Kurzvideos” wolle man “auch das Potenzial ausloten, das diese Plattform für die Vermittlung von Nachrichten bietet”, wie der erste Chefredakteur von ARD-aktuell, Marcus Bornheim, erklärte.

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Doch auch Tagesschau-Zuschauer und Social-Media-User haben Zweifel daran, inwiefern das möglich sein wird. Auf der Instagram-Seite schrieb ein User: “Warum unterstützen Sie eine chinesische Plattform, die durch den staatlichen Einfluss systemkritische Inhalte, zensiert und blockt?“ Auf Twitter und Facebook reagierte die Tagesschau teilweise auf die Kritik und betonte, weiterhin für unabhängigen Journalismus zu stehen.

Auf Facebook antwortete die Tagesschau auf einen kritischen Kommentar: “Wie bei allen bisherigen Plattformen, werden wir auch über TikTok weiter kritisch berichten. So, wie wir es bei Facebook oder Twitter auch tun.”