Die Tops und Flops des Sportjahres 2019

Das Sportjahr 2019 war gespickt von großen und kleinen Ereignissen. Zeit, um auf die Tops und Flops des Jahres zurückzublicken.

Die Top des Jahres 2019

Jürgen Klopp feierte mit dem FC Liverpool den Gewinn der Champions League. (Bild: Getty Images)

Jürgen Klopp: Champions-League-Sieger mit dem FC Liverpool – was Jürgen Klopp in diesem Jahr als Trainer erreicht hat, ist herausragend. Fast hätte der 52-Jährige auch noch die Meisterschaft in der Premier League gewonnen, Manchester City lag am Ende um genau einen Punkt vor den Reds. Aber die Strahlkraft des internationalen Titels ist ungleich höher, und so baut Klopp auf der Insel weiter an seinem Heldenstatus. Wer hätte das gedacht?

Ein Deutscher führt drüben bei den kauzigen Engländern sämtliche Beliebtheitsskalen mit großem Abstand an. Es ist nicht nur die Art und Weise, wie er seine Mannschaft Fußball spielen lässt, es ist auch diese Mischung aus Charme, Humor und Bodenständigkeit, die die Leute an Klopp lieben. Der Ex-BVB-Coach ist in Liverpool – wie er selber sagt - „zuhause“ und hat auch deshalb rechtzeitig vor Weihnachten seinen Vertrag bis zum Ende der Saison 2023/24 verlängert. Trainer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft wird Klopp also vorerst nicht. Eigentlich schade.

Dirk Nowitzki beendete seine NBA-Karriere. (Bild: Getty Images)

Dirk Nowitzki: Gerade hat er noch von Bundespräsident Franz-Walter Steinmeier den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland erhalten – aber nicht für seine sportlichen Erfolge, sondern für sein soziales Engagement in Sachen Bildung. Dirk Nowitzki ist in vielerlei Hinsicht ein Vorbild. Dass der gebürtige Würzburger schon seit vielen Jahren Stiftungen für benachteiligte Kinder betreibt, wissen viele gar nicht. Und das ist eben auch typisch Nowitzki: Er spricht nicht viel über sowas, scheut sowieso das Rampenlicht und besticht stattdessen mit Bescheidenheit und Loyalität.

Was umso erstaunlicher ist, weil Nowitzki in seiner aktiven Karriere als Basketball-Profi in der NBA so ziemlich alles abgeräumt hat, was abzuräumen war. Highlight: der Titelgewinn mit den Dallas Mavericks im Jahr 2011. Im April hat Nowitzki nun seine Welt-Karriere beendet. Unglaubliche 21 Jahre hat er für seinen Herzens-Club Basketball gespielt und dabei das Spiel neu erfunden und die NBA verändert. Nowitzki ist ein Jahrhundertsportler. Er wird fehlen. 

Jan Frodeno gewann den Ironman auf Hawaii. (Bild: Getty Images)

Jan Frodeno: Bei der Wahl zum Sportler des Jahres landete Jan Frodeno hinter dem Überraschungs-Zehnkampf-Weltmeister Niklas Kaul „nur“ auf Patz zwei. Aber das, was der Triathlet dieses Jahr wieder geschafft hat, ist aus unserer Sicht nur schwer zu toppen. Auf Hawaii krönte sich „Frodo“ nach 2015 und 2016 zum dritten Mal zum Ironman-Champion.

Eine Leistung, die mit Worten nicht zu beschreiben ist. Wir verneigen uns einerseits also vor dem diesjährigen Triathlon-Weltmeister, andererseits (und dieses fast noch tiefer) vor der Kontinuität, die Frodeno seit vielen Jahren aufs Wasser und auf die Straße bringt. Wer sich auch nur einmal auf einen Halbmarathon vorbereitet hat, der kann ahnen, was es heißt, dauerhaft diese brutalen Distanzen auf höchstem Niveau zu beherrschen. Der 38-Jährige ist im positivsten Sinne ein Freak, der sein Leben (immerhin mit Frau und drei Kindern) derart diszipliniert lebt, dass am Ende fast immer größter sportlicher Erfolg steht. Frodeno ist ein Besessener – und ein geborener Champion. 

Die Flops des Jahres 2019

Die Leichtathletik-WM spielte sich vor leeren Rängen ab. (Bild: Getty Images)

Leichtathletik-WM in Katar: In Jahren, in denen keine fußballerischen Großveranstaltungen auf dem Programm stehen, verschiebt sich der Fokus. Und so sitzt man im Sommer zuhause vor der Glotze und schaut – Leichtathletik-WM. Diese fand dieses Jahr in Katar statt und war schon mal ein kleiner Vorgeschmack darauf, wie die Fußball-WM 2022 im selben Land so laufen könnte. Nun, es waren mitunter gespenstische, ja verstörende Bilder, die aus dem Wüstenstaat nach Europa transportiert wurden: überwiegend leere Ränge, ob der Hitze kollabierende Sportler, steinreiche Scheichs, die im Stadion offenkundig eher Business betrieben, als Sport zu konsumieren sowie Siegerehrungen unter Ausschuss der Öffentlichkeit.

Machen wir es kurz: Es war eine Fehlentscheidung, dieses Event nach Doha zu vergeben. Bis auf den Präsidenten des Leichtathletik-Weltverbandes, Sebastian Coe, teilten diese Meinung im Grunde auch alle. Stellvertretend soll hier der französische Athlet Yohann Diniz zu Wort kommen, der als Geher in seinen Wettbewerben mit den unmenschlichen Bedingungen zu kämpfen hatte: „Man hat uns in einen Backofen geschoben. Sie haben aus uns Meerschweinchen gemacht, Versuchstiere“, so der 41-Jährige. Das wird ein Spaß bei der Fußball-WM … .

Niko Kovac erlebte beim FC Bayern einen tiefen Fall. (Bild: Getty Images)

Nico Kovac: Die Verpflichtung von Nico Kovac als Bayern-Trainer war ein klassischer Move der Herren Rummenigge und Hoeneß. Ein Trainer-Talent überzeugt mit einer frischen, neuen Art und lässt guten Fußball spielen. Dann holt er auch noch Titel. Gegen die Bayern. Ergo: Auf Sicht könnte so jemand mit seinen Mannschaften den Münchnern gefährlich werden. Dann also lieber Schatulle auf und zack, selbst als Coach verpflichten. So geschehen also bei Kovac, der dann auch brav ablieferte und den Bayern das Double bescherte. Eigentlich nicht schlecht für einen, der neu ist. Aber schon früh in der Saison zeigte sich, dass in erster Linie FCB-Boss Rummenigge so seine Probleme mit und Zweifel an Kovac hatte – öffentliche Demontagen inklusive.

Weil Hoeneß, lange ein Fürsprecher Kovacs', den internen Machtkampf mit Rummenigge aber schon lange verloren hatte, standen die Zeichen irgendwie schon länger auf Abschied. Klar, Kovac selbst hat auch Fehler gemacht. Er konnte zum Beispiel zum Ende seiner Amtszeit, weite Teile der Mannschaft nicht mehr hinter sich versammeln, weil er selbst einzelne Spieler öffentlich degradierte und ganz zum Schluss gar von „die“ (die Mannschaft) und „wir“ (die Trainer) sprach. So war ausgerechnet nach einem 1:5 gegen Kovacs früheres Team, die Eintracht aus Frankfurt, Anfang November Schluss mit dem Missverständnis. Ob die Bayern-Bosse daraus auch was lernen?

Die russischen Athleten stehen jetzt unter Generalverdacht. (Bild: Getty Images)

Dopingurteil gegen Russland: Es ging ein Raunen durch die Sportwelt, als Anfang Dezember die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada ihr Urteil verkündete wonach russische Sportlern für vier Jahre von sämtlichen internationalen Sportveranstaltungen auszuschließen seien. Das klang alles sehr streng. Ist es aber bei genauerer Betrachtung gar nicht. Vorab: Mit Russland trifft die Strafe exakt die richtige Nation. In keinem anderen Land der Erde wurde (und mutmaßlich wird) Doping so systematisch und flächendeckend und teilweise mit Unterstützung des Staates exerziert, nachzulesen im McLaren-Report.

Zurück zum Urteil: Weil sich die Wada nicht zu einen Komplett-Bann Russlands durchringen konnte, bleibt manchen Sportlern aus dem Putin-Reich eine Hintertür. Als „neutrale Athleten“ dürfen diejenigen, die nicht in die Staatsdoping-Affäre verstrickt sind, sehr wohl an Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen teilnehmen – lediglich unter Verzicht von Flagge und Hymne. Hm. Natürlich wäre es extrem hart gewesen, auch diese Sportler zu sperren und für die nächsten vier Jahre aus dem Verkehr zu ziehen. Aber die heilende Wirkung, die davon mutmaßlich ausgehen würde, ist nicht zu unterschätzen. So ist es eben doch nur wieder ein zarter Versuch, Doping in Russland in den Griff zu bekommen. Nicht mehr und nicht weniger. Chance vertan, liebe Wada.