Diese LinkedIn-Nachricht verschaffte dem Absender eine Führungsrolle bei einem Startup — obwohl es niemanden einstellen wollte

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Kathryn Minshew.
Kathryn Minshew.

Kathryn Minshew, Mitbegründerin und CEO der Karriereberatungs- und Jobbörse The Muse, wollte im Jahr 2012 keinen Marketingleiter einstellen. Dann erhielt sie eine LinkedIn-Nachricht von Elliott Bell, die ihre Meinung änderte. Bell wurde ein paar Monate später als Marketingleiter eingestellt und arbeitete anschließend vier Jahre lang bei The Muse.

Es mag nicht der konventionellste Weg sein, einen Job zu finden, aber seit dem Ausbruch der Pandemie werden Online-Netzwerke bei der Jobsuche immer wichtiger. Und da der Arbeitsmarkt im Moment sehr umkämpft ist, sollten Arbeitnehmer nach ausgefallenen Wegen suchen, um sich in ihren jeweiligen Branchen einen Weg zu bahnen. Obwohl die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft im Dezember um 199.000 gestiegen ist, hat die Arbeitslosenquote immer noch nicht wieder das Niveau erreicht wie vor der Pandemie.

Manchmal kann eine einfache LinkedIn-Nachricht der kleine Schubs sein, den eure Karriere braucht, um auf diesem umkämpften Markt hervorzustechen und eine neue begehrte Stelle zu ergattern.

Hier ist die vollständige LinkedIn-Nachricht, die Bell Minshew schickte. Minshew und ihr Mitgründer und COO Alex Cavoulacos haben sie sogar in ihrem Buch "The New Rules of Work" 2017 abgedruckt. Solch großen Eindruck hat der Initiativbewerber Elliott Bell also mit der Message gemacht.

"Hallo Kathryn,

auch wenn ich mir etwas fehl am Platz vorkam, habe ich gestern mit EatDrinkJobs an der Women 2.0-Konferenz teilgenommen und hatte die Gelegenheit, Sie pitchen zu sehen. Ich war begeistert von Ihnen, Ihrem Team und vor allem von Ihrem Unternehmen.

Ich habe sechs Jahre bei Seamless.com verbracht und eng mit großartigen Führungskräften wie Jason Finger (den Sie gut kennen) zusammengearbeitet. Ich sehe so ein unglaubliches Potenzial in Ihrem Unternehmen, und ich würde gerne in irgendeiner Form daran teilhaben. Mein Fokus liegt auf dem Bereich Marketing und ich habe viel Marketing-Erfahrung für jene Unternehmen und Nutzer, die Sie anscheinend anziehen. Ich würde Ihnen gerne mehr darüber erzählen, wie meine Fähigkeiten Ihnen helfen könnten, Ihre aktuellen Wachstumsziele zu erreichen und zu übertreffen.

Ich gratuliere Ihnen zu Ihrem derzeitigen Erfolg. Nochmals, ich würde mich sehr über die Gelegenheit freuen, mehr über Ihr Unternehmen zu erfahren und Ihnen zu sagen, wie ich hilfreich sein kann.

Beste Grüße,

Elliott"

1. In einem Interview legte Minshew genau dar, warum Bells Botschaft so überzeugend gewesen war: Er habe etwas Persönliches hinzugefügt – dass er sie auf einer Konferenz hatte sprechen sehen.

2. Er habe etwas Nettes über sie gesagt – dass sie und ihr Team ihn beeindruckt hätten.

3. Er habe deutlich gemacht, dass er sich darauf freue, mit The Muse zusammenzuarbeiten und nicht mit irgendeinem anderen Unternehmen.

4. Er habe zwei Sätze über seinen Hintergrund hinzugefügt, was für sie gerade genug Information gewesen sei, um zu sehen, ob er zu ihr passe.

5. Er habe den Namen eines gemeinsamen Kontakts erwähnt. So habe sie diese Person als Referenz nach Bell fragen können.

6. Er habe keine übertriebene Bitte geäußert, wie beispielsweise ein 30-minütiges Telefonat direkt am folgenden Tag.

"Du wirst nie bekommen, worum du nicht bittest"

In einem Artikel für The Muse schrieb Bell, dass es nur zwei Minuten gedauert habe, diese Nachricht zu schreiben. Bell schrieb Minshew eine sogenannte "Cold E-Mail" (kalte E-Mail). "Cold E-Mailing" bedeutet, einen Gesprächspartner zu kontaktieren, mit dem man noch nie zuvor in Kontakt stand. TheMuse-COO Cavoulacos erklärte, warum man Nachrichten verschicken sollte. "Du wirst nie bekommen, worum du nicht bittest. Und was hätte Bell denn schlimmstenfalls passieren können? Kathryn hätte die E-Mail nicht gesehen, nicht gelesen, oder sie hätte zurückgeschrieben und gesagt: 'Tut mir leid, nein'? Bell hätte sich buchstäblich in der gleichen Situation wiedergefunden wie zuvor."

Diese Beobachtung spiegelt etwas wider, das auch Liz Wessel, eine ehemalige Google-Mitarbeiterin und derzeitige CEO der Job-Website "WayUp" über "Cold E-Mailing" gesagt hat. "Stellt euch nicht selbst infrage", sagte Wessel. "Schlimmstenfalls antworten sie nicht. Wen interessiert das dann? Ernsthaft, wen kümmert das? Solltet ihr also Cold E-Mails verschicken? Ja, auf jeden Fall." Wessel hat sogar alle ihre Mitarbeiter bei "WayUp" dazu ermutigt, ihren Idol eine solche kalte E-Mail zu schicken, und sie hat Tipps, wie man die perfekte Nachricht formuliert. Wenn ihr nicht den Mut aufbringt, eine "Cold E-Mail" zu versenden, solltet ihr euch überlegen, wie ihr den Ansatz in eurem Kopf anders gestalten könnt. Wie Minshew erklärte: "Die Person am anderen Ende könnte genauso begeistert sein, jemanden zu finden, mit dem sie zusammenarbeiten kann."

Dieser Text wurde von Lisa Ramos-Doce aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.

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