Diese Menschen erkranken am ehesten an Burnout und so kann man die Krankheit in den Griff bekommen

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Studien haben ergeben, dass selbst vor der Pandemie 30 Prozent von uns wahrscheinlich im Verlauf ihres Lebens an Burnout erkranken werden. Aber manche Menschen, insbesondere Frauen, sind möglicherweise noch gefährdeter als andere.

Burnout ist ein Zustand der emotionalen, physischen und mentalen Erschöpfung, der durch übermäßigen, langanhaltenden Stress ausgelöst wird. Allerdings gibt es laut aktueller Studien noch weitere Symptome, auf die man achten sollte, so Gabriela Tavella, Co-Autorin von Burnout: A guide to identifying burnout and pathways to recovery (auf Deutsch: Burnout: Ein Leitfaden zum Identifizieren von Burnout und Wege zur Genesung).

Welches sind die Burnout-Symptome, auf die du achtgeben solltest? Foto: Getty
Welches sind die Burnout-Symptome, auf die du achtgeben solltest? Foto: Getty

Im Rahmen der Real Talk-Reihe von Yahoo sagte die Doktorandin und Forschungsbeauftragte an der UNSW im Gespräch mit uns, dass es noch andere Symptome gebe, die „wirklich wichtig“ sind, wenn es darum geht, festzustellen, ob man an einem Burnout leidet oder nicht.

Symptome von Burnout

„Eines davon ist kognitive Dysfunktion“, erzählt sie uns. „Dazu gehören Dinge wie nicht klar denken können, Vergesslichkeit, Schwierigkeiten sich zu konzentrieren und das mehrfache Lesen von Dingen, weil es einem so schwerfällt, sich zu fokussieren.“

„Ein weiteres Anzeichen ist eine Verschlechterung der Arbeitsleistung. Dazu kann es auch zu einem Mangel an Empathie kommen. Das gilt besonders für Menschen, die in Berufen arbeiten, wo sie viel mit Menschen zu tun haben, und wo sie normalerweise sehr viel Einfühlungsvermögen für ihre Patienten oder Schüler zeigen. Wenn sie allerdings erst einmal ausgebrannt sind, fangen sie an, sich nicht mehr so sehr um die Menschen zu sorgen, mit denen sie arbeiten.“

„Die letzte Gruppe an Symptomen ist etwas, was wir als Insularität bezeichnen. Das bedeutet einfach, dass man sich sehr zurückzieht. Man zieht sich also aus seinem sozialen Kreis, aus der Welt, die einen umgibt, zurück und man spürt einen Mangel an Interesse für Dinge.“

Gabriela Tavella ist Doktorandin und Forschungsbeauftragte an der UNSW. Foto: Mit freundlicher Genehmigung
Gabriela Tavella ist Doktorandin und Forschungsbeauftragte an der UNSW. Foto: Mit freundlicher Genehmigung

Was sind die Auslöser für Burnout?

Wenn man sich die Ursachen für Burnout ansieht, sind die meisten Menschen wahrscheinlich nicht überrascht, dass Stress bei der Arbeit eine große Rolle spielen kann. Dinge wie mit Arbeit überhäuft sein, zu knappe Fristen, nicht für seine Leistung anerkannt zu werden, Konflikte oder ein Arbeitsalltag, der keine Pausen ermöglicht, sind alles Faktoren, die irgendwann zu einem Burnout führen können.

Allerdings erklärt Gabriela, dass Burnout eine Gleichung ist, bei der auch die individuelle Veranlagung und die externen Stressfaktoren sowohl bei der Arbeit ALS AUCH zu Hause berücksichtigt werden müssen.

„Wir haben viele verschiedene Faktoren zu Hause in Betracht bezogen, die zu einem Burnout beitragen können“, sagt sie und zitiert eine Antwort von einer Studienteilnehmerin. Diese hatte angegeben, dass die Hauptursache für ihren Burnout im Zusammenhang mit zusätzlichen Aufgaben zu Hause stand. Sie war die ‚einzige Person‘, die zu Hause alles tun musste.

„Wenn man das Gefühl hat, dass Arbeit eine Art Flucht von zu Hause ist, kann das ein Anhaltspunkt dafür sein, dass die Umstände zu Hause in einem Burnout enden können.“

30 Prozent von uns werden wahrscheinlich in ihrem Leben an Burnout erkranken. Foto: Getty
30 Prozent von uns werden wahrscheinlich in ihrem Leben an Burnout erkranken. Foto: Getty

Wer ist von Burnout betroffen?

Frühere Studien haben gezeigt, dass Burnout tatsächlich bei denjenigen häufiger vorkommt, die in Berufen mit Menschen arbeiten (Arbeit mit Patienten, Schülern oder Kunden). Ebenfalls häufig betroffen sind Menschen mit informellen oder unbezahlten Betreuungsaufgaben.

Es überrascht daher nicht, dass die Beweise darauf hindeuten, dass Burnout bei Frauen häufiger vorkommt als bei Männern. Es gibt allerdings Diskussionen darüber, ob dies daran liegt, dass Frauen eher über psychische Probleme und Stress sprechen, insbesondere bei Studien.

„Es ist allerdings auch sehr wahrscheinlich, dass Frauen diese Sache namens ‚zweite Schicht‘ übernehmen“, so Gabriela.

„Vor der Pandemie bedeutete die ‚zweite Schicht‘, dass Frauen arbeiten gehen (egal ob Voll- oder Teilzeit) und wenn sie von der Arbeit nach Hause kommen, treten sie ihre zweite Schicht an. Diese besteht aus dem Kümmern um die Kinder, den Haushalt und dass sie primär für alles zu Hause verantwortlich sind. Deshalb war die Annahme, dass sie mehr von Burnout betroffen sind.“

Frauen erkranken eher an Burnout. Foto: Getty
Frauen erkranken eher an Burnout. Foto: Getty

„Durch COVID hat sich das Problem mit der ‚zweiten Schicht‘ für Frauen sogar verschärft. Obwohl Männer sich mehr um die Kinder kümmern, weil sie zu Hause sind, zeigen Untersuchungen immer wieder, dass Frauen immer noch den größten Teil der unbezahlten Arbeit im Haushalt leisten.“

Gabriela zitiert den Sydney Morning Herald und macht deutlich, dass es häufig vorkommt, dass ‚Frauen ihren Arbeitsplatz nach Hause verlegt haben und ihnen nur der Küchentisch zur Verfügung steht. Sie müssen sich auch um die Kinder um sie herum kümmern, während der Partner ungestört im Home-Office arbeiten kann.‘

Vom 6. – 10. September ist Frauengesundheitswoche – die größte Woche in Australien, in der sich alles um Gesundheit und das Wohlergehen von Frauen und Mädchen dreht.

Wenn es darum geht, wer anfälliger für Burnout ist, weist Gabriela auch darauf hin, dass unsere Persönlichkeitsmerkmale eine große Rolle spielen können.

„Es kann sein, dass man von einigen der zuvor erwähnten Stressfaktoren bei der Arbeit oder zu Hause betroffen ist, aber kein Burnout entwickelt, es sei denn, man hat begünstigende Persönlichkeitsmerkmale, die einen von vornherein anfälliger für ein Burnout machen“, sagt sie.

Die Forschung geht davon aus, dass es einige Arten von Persönlichkeitsmerkmalen gibt, die ein höheres Risiko darstellen, einschließlich Neurotizismus, Typ-A-Persönlichkeit und Introversion. Aber die wichtigste Eigenschaft, die Gabriela in ihren Studien herausgefunden hat, ist der Perfektionismus.

Perfektionisten gehören zu den Menschen, die ein erhöhtes Burnout-Risiko haben. Foto: Getty
Perfektionisten gehören zu den Menschen, die ein erhöhtes Burnout-Risiko haben. Foto: Getty

„Ein Hauptmerkmal für Perfektionismus ist, dass man sehr hohe, unrealistische Ansprüche an sich selbst stellt, denen man niemals gerecht werden kann. Man ist von vornherein zum Scheitern verurteilt und das kann Burnout zur Folge haben“, erklärt sie.

Wie behandelt und bewältigt man Burnout?

Bei der Behandlung und Bewältigung von Burnout betont Gabriela, dass es überwiegend darauf ankomme, die zugrundeliegenden Ursachen zu finden.

In ihrem Buch Burnout: A guide to identifying burnout and pathways to recovery stellen Gabriela und ihre Kollegen ein Bewältigungsmodell vor, das aus drei Schritten besteht:

  • Den äußeren Auslöser erkennen: Bei der Arbeit oder zu Hause, oder beides

  • Strategien gegen Stress einsetzen: Wie Sport und Achtsamkeitsübungen und sich loslösen

  • Erkennen, was die Persönlichkeit damit zu tun hat: Professionelle Hilfe in Anspruch nehmen

„Es kann wirklich helfen, sich an einen Experten für mentale Gesundheit, wie einen Psychologen zu wenden. So kann man lernen, die Art und Weise zu ändern, wie man über die Welt denkt“, rät Gabriela. Sie teilt eine kognitive Technik, die hierbei helfen kann.

„Wenn man zum Beispiel von Ängsten und Sorgen geplagt wird, ist eine Technik, Zeit für die Sorgen einzuplanen. Hierbei nimmt man sich sagen wir eine halbe Stunde am Tag bewusst Zeit, sich mit seinen Sorgen zu beschäftigen“, erklärt sie.

„Man kann also sagen, 17:30 Uhr ist meine Sorgen-Zeit. Wenn man sich allerdings zu anderen Zeiten des Tages über etwas Sorgen macht, gesteht man es sich ein und packt es zunächst weg. Wenn es dann 17:30 Uhr ist, kann man sich darüber Sorgen machen.“

„Und mit der Zeit – das braucht etwas Übung – lernt man zu erkennen, wann man sich Sorgen macht, und man wird besser darin, sich Sorgen zu machen und herauszufinden, welche Sorgen tatsächlich helfen, und welche nicht.“

Das Einplanen von ‚Sorgen-Zeit‘ kann eine Technik sein, mit der man Stress und Ängste in den Griff bekommt. Foto: Getty
Das Einplanen von ‚Sorgen-Zeit‘ kann eine Technik sein, mit der man Stress und Ängste in den Griff bekommt. Foto: Getty

Gabriela betont, der Schlüssel sei, sich mehrere Strategien zur Stressbewältigung anzueignen.

„Es ist keine Methode, die allen hilft, und lass dich nicht entmutigen, wenn du etwas ausprobierst und es nicht funktioniert. Es kann einfach heißen, dass du verschiedene Dinge ausprobieren musst, bevor du dein perfektes Rezept gegen deinen aktuellen Burnout gefunden hast.“

Besonders den Perfektionisten rät sie, zu versuchen, sich mehr auf das Gesamtbild zu konzentrieren.

„Eine der Hauptfolgen von Perfektionismus ist Prokrastination. Perfektionisten haben nämlich solche Angst vor ihrer Leistung bei einer Aufgabe, die perfekt sein muss, dass sie es aufschieben, diese Aufgabe überhaupt zu beginnen. Sie denken sich ‚Ich fange lieber gar nicht erst an, als dass ich es schlecht mache.‘“

„Man muss sich einfach auf das Erledigen der Aufgaben konzentrieren, anstatt dafür zu sorgen, dass diese perfekt sind – Dinge, wie sich auf das Ganze zu konzentrieren und nicht auf die kleinsten Details. Die kleinen Details können nämlich immer noch später verbessert werden.“

Burnout vs. Depression

Gabriela sagt, dass es bei Diskussionen um Burnout oftmals einen Zusammenhang zwischen Burnout und Depressionen gibt, besonders, wenn man sich die Symptome von Insularität und Rückzug ansieht. Ihr Team wertet momentan noch weitere Daten zu diesem Thema aus, nachdem eine Studie abgeschlossen wurde.

„Es gibt viele Gespräche über Stigma und wir wissen, dass Burnout weniger Stigma anhaftet als Depressionen“, betont sie.

„Viele Leute sagen eher ‚ja, ich habe Burnout‘, denn es ist nicht so stigmatisiert wie zuzugeben, dass man möglicherweise an einer Depression erkrankt ist. Es kommt daher die Frage auf, ob Menschen nicht Krankheiten wie Depressionen lieber als Burnout bezeichnen.“

Sie sagt allerdings, dass eine Beziehung zwischen den beiden Erkrankungen besteht, obwohl diese „sehr komplex“ ist.

„Wir wissen, dass es bei Burnout häufig zu Symptomen kommen kann, die auch bei einer Depression auftreten. Daher ist es wichtig, dass wir diese ernst nehmen. Aber wir wissen, dass Burnout auch Depressionen begünstigen kann und dass Depressionen Burnout begünstigen können“, sagt sie.

„Es ist also wirklich wichtig, dass man, wenn man an Burnout oder Depressionen leidet und nicht wirklich weiß, was los ist, sich an einen Spezialisten für psychische Gesundheit oder seinen Hausarzt wendet. Diese können mit ihrem Wissen nämlich herausfinden, was das eigentliche Problem ist.“

Kristine Tarbert

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