Diese sechs ungesunden Essgewohnheiten sind laut Wissenschaftlern eine Folge der Pandemie

Style International Redaktion
·Lesedauer: 5 Min.

Wissenschaftler haben die Corona-Pandemie mit sechs ungesunden Essgewohnheiten in Verbindung gebracht.

Die Corona-Pandemie hat auch Auswirkungen auf unser Essverhalten. (Symbolbild: Getty Images)
Die Corona-Pandemie hat auch Auswirkungen auf unser Essverhalten. (Symbolbild: Getty Images)

Die Isolation durch die Lockdowns in Kombination mit Ängsten, sich anzustecken oder sogar die Trauer um Opfer hat bei vielen dazu geführt, dass sie essen, um sich zu trösten. 

Wissenschaftler haben nun herausgefunden, dass über die Hälfte aller Briten Probleme hatte, ihr Gewicht zu halten, als sie beim ersten Lockdown zu Hause bleiben mussten.

Die gemeinnützige Organisation gegen Essstörungen, "Beat", verzeichnete im vergangenen Jahr bei der Inanspruchnahme ihrer Hotline einen Anstieg um 320 Prozent.

Wissenschaftler erkennen sechs verschiedene Ernährungsmuster

Wissenschaftler der University of Minnesota befragten mehr als 700 Menschen und konnten dabei "sechs Muster erkennen, die auf gestörtes Essverhalten während der Pandemie hindeuten".

Dazu gehören gedankenloses Essen und Naschen, erhöhter Nahrungsmittelkonsum, eine Abnahme des Appetits oder der Essensaufnahme, "essen, um mit der Situation fertigzuwerden", "Beschränkungen der Nahrungszufuhr aufgrund der Pandemie" und das "Wiederauftreten oder eine Zunahme" an Essstörungen.

Die Wissenschaftler sehen die Gründe dafür in "psychischem Stress", "finanziellen Schwierigkeiten" und einer "abrupten Änderungen des Tagesablaufs".

Experte klärt auf: So vermeiden Sie typische Fehler bei Corona-Selbsttests

"Die Pandemie hat zu einer schnellen Umsetzung von Maßnahmen des öffentlichen Gesundheitswesens geführt, um die Verbreitung des Coronavirus einzudämmen", erklärte die Hauptautorin der Studie, Dr. Melissa Simone. Obwohl diese Schutzmaßnahmen notwendig sind, können die Veränderungen im Alltag durch die anhaltende Pandemie negative Auswirkungen auf das Risiko für und die Symptome von Essstörungen haben.

"Essstörungen haben eine der höchsten Sterblichkeitsraten unter den psychischen Erkrankungen. Daher ist es wichtig, Zusammenhänge zwischen den Folgen der Pandemie und gestörtem Essverhalten zu erkennen."

Es wird angenommen, dass allein in Großbritannien etwa 1,25 Millionen Menschen an einer Essstörung leiden.

In den USA erkranken neun Prozent der Bevölkerung – das entspricht 28,8 Millionen Menschen – im Laufe ihres Lebens an einer Essstörung.

Übergewicht bei Kindern nimmt zu

Forscher haben noch einen weiteren Nebeneffekt der Pandemie festgestellt, nämlich die Zunahme von Übergewicht bei Kindern.

Durch Lockdowns wurde quasi Zeit gekauft, die Wissenschaftler dazu nutzen konnten, wirksame Impfstoffe und Medikamente gegen das neue Coronavirus zu entwickeln.

"Die Anordnung zu Hause zu bleiben, hatte jedoch einen drastischen Einfluss auf den Alltag, auf den Beschäftigungsstatus und das Einkommen vieler Menschen. Daraus ergaben sich Folgen für die Psyche in Form von Stress, Ungewissheit, Sorgen und Hoffnungslosigkeit", schrieben die Forscher aus Minnesota in der Fachzeitschrift International Journal of Eating Disorders.

Es ist bekannt, dass Essstörungen durch Einsamkeit, Ängste und "Hürden für Bewegung" wie die Schließung von Fitnessstudios verstärkt werden.

Die wirtschaftlichen Konsequenzen und die "Nahrungsmittelunsicherheit" haben die Situationen möglicherweise weiter verschlimmert.

Studie beweist: Wer sich mehr bewegt, möchte auch mehr essen

Um den Einfluss der Pandemie besser zu verstehen, analysierten die Wissenschaftler Teilnehmer der Studie "Eating and Activity over Time". Hierfür füllten 720 Freiwillige mit einem Durchschnittsalter von 24 Jahren zwischen April und Mai 2020 einen Fragebogen aus.

Den Teilnehmern wurden Fragen zu psychischer Belastung, Stress, finanziellen Schwierigkeiten und Nahrungsmittelunsicherheit während der Pandemie gestellt.

Bei knapp einem von zehn Teilnehmern (acht Prozent) wurde ein "extrem ungesundes Verhalten zur Gewichtskontrolle" festgestellt, während mehr als die Hälfte (53 Prozent) "weniger extreme" Verhaltensweisen zeigte. Binge-Eating wurde von 14 Prozent der Teilnehmer angegeben, wie die Ergebnisse zeigen.

Übergewicht ein Risikofaktor für schweren Krankheitsverlauf

"Es wurde viel über Übergewicht und den Zusammenhang mit COVID-19 gesprochen", sagt Co-Autorin Dr. Dianne Neumark-Sztainer.

Übergewicht wurde bereits zu Beginn der Pandemie als einer der Risikofaktoren für einen schweren Krankheitsverlauf bei einer COVID-Erkrankung genannt.

"Es ist auch wichtig, sich auf die große Anzahl von Menschen zu konzentrieren, die ein gestörtes Essverhalten zeigen und für die während und nach der Pandemie ein hohes Risiko für eine Essstörung besteht", so Dr. Neumark-Sztainer.

"Die Mehrheit der jungen Menschen, die an der Studie teilgenommen haben, kommt aus unterschiedlichen ethnischen und einkommensschwachen Schichten, die oftmals keinen Zugriff auf Dienste haben, die sie benötigen."

Ernährung: Wer abends nascht, schadet seiner Arbeitsleistung

"Wir müssen die Bedürfnisse dieser Bevölkerungsgruppen erfüllen, um dafür zu sorgen, dass sich die Ungleichheit im Gesundheitssektor nicht weiter verstärkt."

Neben den sechs Essensmustern fanden die Forscher auch heraus, dass "mangelhafte Stressbewältigung" mit einer "höheren Anzahl von extrem ungesunden Verhaltensmustern zur Gewichtskontrolle" in Verbindung steht.

Nahrungsmittelunsicherheit, Symptome von Depressionen und finanzielle Schwierigkeiten stehen in Verbindung mit einer "höheren Anzahl von weniger extrem ungesunden Verhaltensmustern zur Gewichtskontrolle."

Wirtschaftliche Folgen noch lange spürbar

Die Wissenschaftler glauben, dass die Bewältigung von Stress, Depressionen und finanziellen Schwierigkeiten bei "gleichzeitiger Bereitstellung von Werkzeugen zur Entwicklung einer Routine" für junge Erwachsene besonders effektiv sein könnte, die während einer öffentlichen Gesundheitskrise besonders anfällig für eine Essstörung sind.

"Die wirtschaftlichen Folgen der COVID-19-Pandemie werden wahrscheinlich noch lange über die Verbreitung eines Impfstoffs hinaus andauern", so Dr. Simone.

"Da unsere Ergebnisse darauf hindeuten, dass mäßige oder schwere finanzielle Schwierigkeiten mit gestörtem Essverhalten in Verbindung stehen können, ist es wichtig, dass Präventions- und Behandlungsmaßnahmen für Essstörungen erschwinglich, leicht zugänglich und für Menschen mit erhöhtem Risiko weit verbreitet sind."

"Daher können sich online- oder Smartphone-basierte Hilfsangebote als effektive und zugängliche Modi für gezielte Interventionsmaßnahmen erweisen."

Alexandra Thompson

VIDEO: So erhöht Übergewicht das Covid-Risiko