"Wird in diesem Jahr noch 20 Cent mehr kosten": Ein Brauer und Gastwirt erzählt, warum die Preise für Bier noch weiter steigen werden

Helmut Kurschat ist Gastronom in Berlin und kämpft mit den gestiegenen Preisen. - Copyright: Tristan Filges
Helmut Kurschat ist Gastronom in Berlin und kämpft mit den gestiegenen Preisen. - Copyright: Tristan Filges

Vieles wird teurer – darauf haben sich Verbraucher seit Anbeginn des Jahres bereits eingestellt. Doch neben gestiegenen Preisen für Lebensmittel steigt auch das Lieblingsgetränk der Deutschen kräftig im Preis. Bier wird teurer – und zwar heftig.

Ortsbesuch bei einem, der es wissen muss. Helmut Kurschat betreibt die Gaststätte "Brauhaus Südstern" in Berlin, nur wenige Meter von der gleichnamigen U-Bahn-Station Südstern entfernt. Das "Südstern" schlängelt sich einmal durch die gesamte Tiefe des Gebäudes hindurch. Auf der rechten Seite ist eine mehrere Meter lange Bar, links stehen Holztische und Stühle. Auf der gegenüberliegenden Seite des Haupteingangs ist der Biergarten.

Kurschat braut sein Bier selbst

Anders als viele Kneipen, Bars oder Biergärten lässt sich Kurschat sein Bier nicht liefern. Er braut es selbst, dafür hat er sogar einen eigenen Braumeister angestellt. Und dennoch kommt der Betreiber nicht drumherum, die Preise für den Gerstensaft anzuheben. Im vergangenen Jahr kostete ein Bier mit einer Größe von 400 Millilitern bei Helmut Kurschat noch 3,60 Euro. Heute sind es 3,90 Euro, ein Anstieg von knapp acht Prozent.

Kurschat (rechts im Bild) trinkt ein Bier mit seinen Gästen - Copyright: Tristan Filges
Kurschat (rechts im Bild) trinkt ein Bier mit seinen Gästen - Copyright: Tristan Filges

Wir wollten von ihm wissen, an welchen Faktoren das genau liegt.

"Die Kosten für alles sind gestiegen", sagt Kurschat, nachdem wir es uns im Biergarten gemütlich gemacht haben. Aber: "Wir kriegen unsere Ware noch". Das Problem für das "Südstern" sei vor allem, dass die Herstellung von Bier sehr energieintensiv sei. Denn die Kessel, in denen das Bier gebraut wird, werden mit Strom aufgeheizt.

"Glücklicherweise habe ich noch einen alten Vertrag, der bisher zumindest nicht erhöht wurde." Damit hat Kurschat tatsächlich Glück. Wie die Zeitung "NZZ" berichtet, zahlen Kunden, die heute einen Stromvertrag abschließen, Hunderte oder gar Tausende Euro mehr als noch vergangenen September. Andere Stromanbieter kündigten sogar laufende Verträge, weil sie die Kosten nicht mehr tragen konnten.

Lohn-, Malz und Lieferkosten sind gestiegen

Warum also ist der Preis für das Bier dennoch gestiegen? An Kurschats Geldbeutel zehren gleich mehrere Kostenfaktoren, die alle gestiegen sind. Dazu zählen unter anderem die Lieferanten, die die Zutaten für das Bier unter anderem von Bamberg nach Berlin bringen. Wegen der gestiegenen Spritkosten verlangten sie höhere Preise für die Anlieferung.

Durch den Ukraine-Krieg sind die Preise für Diesel und Benzin stark gestiegen, beide überschritten zeitweise die Marke von zwei Euro je Liter. Auch der seit dem ersten Juni geltende Tankrabatt hat den Sprit nachhaltig kaum vergünstigt. Die Preise bewegen sich nach wie vor auf Rekordniveau.

"Hinzu kommt, dass auch die Lohnkosten in unserem Betrieb steigen, das kann ich nicht einmal verteufeln. Zwölf Euro, die jetzt als Mindestlohn gelten sollen, sind immer noch nicht übermäßig viel", sagt Kurschat. Im Sommer beschäftigt er bis zu 15 Menschen in seinem Betrieb, alle davon möchte er fair bezahlen.

Preise werden an Verbraucher weitergegeben

Und auch das Malz, das für die Bierherstellung gebraucht wird, sei teurer geworden, sagt er. "Es wird von allen Seiten am Gewinn geknabbert." Letztendlich müssten diese Zusatzkosten aber irgendwie gedeckt werden. "Bei uns geht es über die Verbraucher, an die wir die gestiegenen Kosten weitergeben", so Kurschat.

Hopfenblüten und Malzkörner braucht es, um Bier zu brauen. Vor allem das Malz hat sich stark verteuert. - Copyright: picture alliance/dpa | Thomas Banneyer
Hopfenblüten und Malzkörner braucht es, um Bier zu brauen. Vor allem das Malz hat sich stark verteuert. - Copyright: picture alliance/dpa | Thomas Banneyer

Diesen Eindruck bestätigt auch Holger Eichele, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauerbunds, auf Anfrage von Business Insider. Bereits in der Corona-Krise seien die Preise für Malz nach oben geklettert. Und verglichen mit April vergangenen Jahres noch einmal um 70 Prozent gestiegen.

"Für die Brauereien wird es immer schwieriger, Braumalz zu bezahlbaren Preisen zu beziehen". Immer wieder komme es auch zu Lieferengpässen, da die Lieferkette extrem gespannt sei. Der Mälzerbund konkretisiert auf unsere Anfrage den Zeitraum der Preiserhöhung: Beginnend ab Herbst 2021 seien die Kosten für die Malzherstellung "sehr stark" gestiegen.

Preis für Braugetreide hat sich verdoppelt

Auch bei den Mälzereien schlagen verschiedene Faktoren ins Kontor. So hat sich laut dem Verband der Einkaufspreis für Braugetreide im Jahreszeitraum von 200 Euro je Tonne auf 400 Euro verdoppelt. Der Preis für den Hauptenergieträger Erdgas sei mit 78 Euro je Megawattstunde rund dreieinhalb Mal höher als noch im März 2021. Außerdem würden die CO2-Abgabe und die gestiegenen Kosten für die Logistik die Mälzereien zusätzlich belasten.

Die Auswirkungen dieser Preisspirale müssen Verbraucher schon jetzt ausbaden – auch, wenn sie sich ein Bier im Supermarkt kaufen. Wie eine Auswertung des Marktforschungsunternehmens Nielsen IQ ergab, die Business Insider vorliegt, hat sich das Bier über die vergangenen elf Jahre fast immer konsequent verteuert. So kostete es im Jahr 2011 noch 1,13 Euro, heute werden 1,43 Euro für einen Liter fällig. Den stärksten Anstieg verzeichnete es von 2021 auf 2022. Grund offenbar: der Ukraine-Krieg. Lediglich von 2019 auf 2020 blieb der Preis für einen Liter gleich.

Helmut Kurschat schenkt in seinem Betrieb ein Bier ein - Copyright: Tristan Filges
Helmut Kurschat schenkt in seinem Betrieb ein Bier ein - Copyright: Tristan Filges

Gastronom Kurschat aus Berlin geht jedenfalls nicht davon aus, dass das Ende der Preissteigerungen schon erreicht ist. "Ich denke, dass der Preis allein in diesem Jahr noch weitere zehn bis 20 Cent ansteigen wird", prognostiziert er.

Seit mittlerweile mehr als 40 Jahren ist Kurschat in der Gastronomie tätig. Wie lange er das noch machen will? "Noch fünf Jahre geht mein Mietvertrag hier, dann bin ich 70. In diesem Alter darf dann auch mal Schluss sein", sagt er. Wie es dann mit der Brauerei weitergehe, wisse er noch nicht. Bis dahin dürfen es sich Kunden also noch im Biergarten gemütlich machen. Wie viel sie in fünf Jahren allerdings für das Bier zahlen müssen, wird sich noch zeigen.

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