In diesen Kosmetikprodukten versteckt sich Mikroplastik

Ann-Catherin Karg
Freie Journalistin

Als Mikroplastik werden Kunststoffteile bezeichnet, die kleiner als fünf Millimeter sind. Diese entstehen zum Beispiel durch Plastiktüten, die in den Meeren treiben, das wissen die meisten. Dass die Industrie Mikroplastik aber auch in vielen Kosmetik- und Körperpflegeprodukten einsetzt, ist zwar weniger bekannt, aber dafür nicht minder schädlich für die Umwelt.

In vielen Kosmetikprodukten versteckt sich Mikroplastik (Symbolbild: Getty Images)

In Kosmetik- und Körperpflegeprodukten erfüllen synthetische Kunststoffe verschiedene Funktionen und werden dementsprechend vielseitig eingesetzt. In Cremes sorgt Acrylates Crosspolymer für Geschmeidigkeit, in Shampoo enthaltenes Polyquaternium bewirkt, dass sich ein Plastikfilm um die Haare legt, damit es beim Kämmen nicht so ziept, in Peelings sorgen die Microbeads für den gewünschten Abschleifeffekt abgestorbener Hautschüppchen und in Duschgels für die angenehme Konsistenz.

Die Kläranlagen können die Partikel nur partiell herausfiltern

Daneben wird Mikroplastik auch in Make-ups, Sonnencremes und Lippenstiften verwendet, reguliert die Viskosität der Produkte, kommt fest, wachs- oder gelartig, gelöst oder flüssig als Bindemittel oder Füllstoff vor und das übrigens auch in Reinigungsmitteln. Die Kläranlagen können die Polymere nicht vollständig herausfiltern, weshalb sie über das Abwasser in Flüsse und Meere gelangen. Dort ziehen sie Umweltgifte an, die von Tieren wie Fischen, Muscheln und Seehunden gefressen werden und so auch in die Nahrungskette gelangen. Laut Umweltbehörde landen durch Kosmetikprodukte jedes Jahr deutschlandweit rund 922 Tonnen festes Mikroplastik in der Kanalisation.

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Mikroplastik steckt auch in vielen Lippenstiften (Symbolbild: Getty Images)

In Deutschland sind die Produkte nicht verboten

In Ländern wie Großbritannien, Kanada und den USA ist Mikroplastik in Kosmetik inzwischen verboten, in Deutschland nicht. Zwar haben Hersteller wie L’Oréal, Unilever, und Johnson & Johnson schon vor Jahren angekündigt, ebenfalls kein Mikroplastik mehr verwenden zu wollen – und doch enthalten deren Produkte laut dem Umwelt- und Naturschutz BUND noch heute teilweise Mikroplastik.

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Ob ein Produkt Plastik enthält, kann man leicht überprüfen

Der BUND setzt sich unter anderem für ein Verbot von Mikroplastik und anderen Kunststoffen in Kosmetik- und Körperpflegeprodukten ein und stellt auf seiner Website www.bund.net/mikroplastik  zur Ansicht eine Liste von Produkten zur Verfügung, die Polymere enthalten. Darunter Peelings, Duschgels und Cremes von bekannten und häufig gekauften Marken wie Balea (dm), Isana (Rossmann), Nivea, The Body Shop, Yves Rocher und La Roche Posay. Wer sich unsicher ist, ob sein Duschgel, Shampoo oder was auch immer Plastik enthält, kann sich die Smartphone-App “Code Check” oder “Beat The Microbead” herunterladen und in der App den Strichcode des Produkts fotografieren.

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