Dieser 1.300 € Spiegel fungiert als Personal Trainer

Ein Spiegel ist im besten Fall ein Statement und im schlimmsten Fall eine Quelle der Selbstquälerei.

Aber Brynn Putnam, eine ehemalige Tänzerin des New York City Ballet, hatte die Idee, einen Spiegel in ein Fitnessstudio mit einem virtuellen Trainer zu verwandeln. Das Unternehmen trägt den passenden Namen Mirror und wurde am Donnerstagmorgen gestartet.

Ein „Mirror“ kostet 1.279 € plus ein monatliches Abo für 33 € für den Trainingsunterricht. Das Unternehmen streamt wöchentlich 50 Live-Workouts von Boxen bis zu Barré aus seinem Produktionsstudio in New York. Das Display verfügt über einen LCD-Bildschirm, Surround-Sound-Lautsprecher, Kamera, Kameraobjektiv für Privatsphäre, Mikrofon und einseitig verspiegeltes Glas. Ein Lieferteam montiert den Spiegel  entweder an die Wand oder stellt ihn auf einen Ständer.

Boxunterricht durch den “Mirror“

Putnam ist auch CEO von Refine Method, einer Boutique-Studio-Kette mit drei Standorten in New York City. Seit der Gründung des Unternehmens im Jahr 2010 hat sie ein Netzwerk von Trainern aufgebaut, die auch „Mirror“-Trainingsunterricht erteilen.

“Ich stellte fest, dass ich ein Fitness-Studio-Besitzer war, der Schwierigkeiten hatte zu trainieren”, sagte Putnam zu Yahoo. “Als beschäftigte Unternehmerin und frischgebackene Mutter war es für mich immer schwieriger, in meine eigenen Fitnessstudios zu kommen, um mich fit zu halten. Also begann ich, darüber nachzudenken, wie wir das Studioerlebnis nach Hause bringen könnten.”

“Der Aha-Effekt kam, als wir ein paar normale Spiegel in unsere Fitnessstudios brachten und unsere Kunden sagten, es sei das Beste, was wir das ganze Jahr über gemacht hätten. Wir stellten fest, dass der Spiegel das perfekte Werkzeug war, um ein fast unsichtbares, interaktives Heim-Studio zu kreieren.”

Den Fußstapfen der Indoor-Radsport-Firma Peloton folgend, setzt auch Mirror auf die Beliebtheit des In-Home-Komfort, der nicht auf einen kleinen Bildschirm beschränkt ist. Sogar die Preise sind ähnlich, wenn nicht vielleicht sogar etwas wettbewerbsfähiger als ein Peloton Fahrrad, das um die 1.700 € kostet und zusätzliche 33 € monatlich für den Trainingsunterricht.

Der Boutique-Lichtblick

Fitness-Studios sind so beliebt wie eh und je. Laut der International Health, Racquet and Sportsclub Association haben 60,9 Millionen Amerikaner eine Mitgliedschaft in einem Fitness-Club. Das am schnellsten wachsende Segment ist die Boutique-Fitnessstudio-Industrie, die spezialisierte und zielgerichtete Workouts anbietet.

Über 18 Millionen Amerikaner sind Mitglied in einem Boutique-Fitnessstudio. Diese erstklassigen Veranstaltungsorte, die sich auf Klassen wie Boxen, Bootcamp und Indoor-Rudern konzentrieren, ziehen Mitglieder an, die im Durchschnitt 10 Jahre jünger und kulturell diversifizierter sind als der traditionelle Fitnessstudiogänger.

“Wenn sich dieser Trend in den kommenden Jahren fortsetzt, könnten die Studios die Gewinne aus einem Kundenkreis ziehen, der von anderen kommerziellen Clubs übersehen wird”, heißt es in dem Bericht von IHRSA.

Putnam zielt genau auf diesen Verbrauchertyp.

“Der Markt ist groß und wächst”, sagte sie. “Wir haben eine wachsende Bevölkerung von Millennials, die sich an höhere Unterrichtsqualität, Trainingsanweisungen und an das Erlebnis in Boutique-Studios gewöhnt haben. Sie finden es jetzt, aufgrund von Orts-, Zeit- oder Kostenfaktoren, schwieriger zu trainieren. Diese Bevölkerungsgruppe reift zu einem Kundenkreis heran, der höhere Qualitätsanforderungen an das Heimtraining stellen wird. ”

Eine “Mirror“-Yoga-Unterrichtseinheit

Die Wettbewerbslandschaft

Mirror gab am Donnerstag bekannt, zusätzliche 21 Millionen Euro Kapital von dem vorhandenen Investor Spark Capital aufgebracht zu haben. Damit beträgt die Gesamtfinanzierung des Unternehmens 32 Millionen Euro.

Obwohl Mirror ein differenziertes Produkt anbieten kann, steht es einer starken Konkurrenz von anderen Spielern auf dem Heim-Fitnessmarkt gegenüber. Pelotons jüngste Finanzierungsrunde über 471 Millionen Euro beziffert das Unternehmen auf 3,4 Milliarden Dollar. Peloton hat bereits das Mythos entkräftet, dass ein In-Home-Training nicht ausreichen kann, wenn man nicht die Möglichkeit hat, ein komplettes Fitnessstudio aufzubauen.

Zuerst begann Mirror mit der Idee einer iPhone-App wie Aaptiv, die Unterrichtseinheiten zum Anhören anbietet. Aaptiv hat Anfang dieses Jahres seine Series C-Runde abgeschlossen und bisher € 44 Millionen von Geldgebern wie Amazon’s Alexa Fund und Disney eingesammelt. Ehemalige Google-Mitarbeiter haben Fiit in the UK gegründet, bei dem Sie Unterricht über eine mobile App erhalten können, die mit einem Smart-TV verbunden ist.

“Es gibt einige Konkurrenten, die versuchen, vernetzte Fitnessprodukte zu schaffen … intelligente Laufbänder, Fahrräder und Kraftmaschinen. Wir wetteifern wirklich darum, der nächste Übertragungsmonitor in Ihrem Leben zu sein”, sagte Putnam.

“Wir wollen nicht das nächste Laufband bei Ihnen zu Hause sein. Wir wollen der Bildschirm sein, den Sie für alle personalisierten Premium-Inhalte nutzen.”

Dieses Verlangen nach teuren Fitnessangeboten wie Mirror und Peloton zeigt, wie reich sich die Amerikaner vorkommen. Das Vertrauen der Verbraucher nähert sich einem 18-Jahres-Hoch, und die Menschen verwenden ihr frei verfügbares Einkommen für alles, vom Wohnmobil bis zu Lululemon Leggings.

Während das für einige bedeuten mag, dass der Höchststand erreicht ist, glaubt Putnam, dass noch viel mehr Möglichkeiten darin verborgen liegen.

“Die Nutzer zeigen eine große Leidenschaft für Gesundheit und Wellness und widmen ihren Gesundheits- und Wellnessaktivitäten immer mehr Freizeit. Unsere Benutzer werden zum  Trainingsunterricht gehen oder einen „Mirror“ zu Hause haben.”

Während Mirror versuchen mag, trendige Millenials anzulocken, kann es auch für Rentner attraktiv sein, die gesund bleiben wollen, ohne ins Fitnessstudio gehen zu müssen.

Melody Hahm