Das etwas andere Model: Melanie Gaydos räumt mit Schönheitsidealen auf

Larissa Kellerer
Freie Autorin

Seit Jahrzehnten beugen sich Model-Agenturen und Fashion-Labels dem Perfektionismus. Was nicht dem Schönheitsideal - Betonung auf Ideal - entspricht, wird nicht gebucht. Eine, die nicht dem klassischen Erscheinungsbild entspricht und dennoch jede Menge Jobs hat, ist Melanie Gaydos.

Melanie Gaydos ist ein Model wie kein anderes und deshalb dick im Geschäft (Bild: Getty Images)

Die US-Amerikanerin hat einen ganz speziellen Look und erfüllt nicht die gängigen Schönheitsideale. Trotzdem, oder vielleicht auch gerade deshalb, ist Melanie Gaydos total gefragt in der Modewelt. Zahlreiche Designer buchen sie für Jobs, und sie läuft auf den Fashion Shows in New York, Paris und Berlin.

Seit ihrer Geburt leidet sie an ektodermaler Dysplasie. Bei dem Gen-Defekt, der mehr als 150 Ausprägungen hat, können Fehlbildungen an Haaren, Knochen und an den Schweißdrüsen auftreten. So wachsen Betroffenen häufig keine Haare, und die Entwicklung von Zähnen, Haut und Nägeln ist gehemmt.

Diese Symptome sind auch bei Melanie Gaydos nicht zu übersehen, doch das Model machte ihre Einzigartigkeit zu ihrem Markenzeichen.

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Selfmade-Karriere durch Briefe und Einzigartigkeit

Melanies Aufstieg in den Model-Olymp begann in New York. Dort studierte die damals Anfang Zwanzigjährige am renommierten Pratt Institute Kunst. Ein befreundeter Fotograf bat sie, für ihn vor der Kamera zu stehen.

Im Interview mit dem Online-Portal “zeitjung.de” erinnert sie sich: “Ich war richtig nervös, aber es war eine tolle Erfahrung für mich. Ich sah das Modeln danach als einen neuen Weg, mich auszudrücken. Trotzdem dachte ich nicht, dass es zu einem ernsten Teil meines Lebens werden würde, weil ich damals echt schüchtern war.“

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Doch Melanie Gaydos hat einen klaren Vorteil gegenüber ihren Konkurrentinnen: Sie hebt sich von der Masse ab, fällt auf und ist einzigartig. Ihr wurde bewusst, dass sie mit Modeln viel mehr erreichen kann.

“Ich schrieb den Leuten, mit denen ich arbeiten wollte, und hätte nie erwartet, dass ich jemals auf das Level kommen würde, wo ich heute bin“, sagte sie gegenüber zeitjung.de.

Rammsteins schöner Musikvideo-Engel

Mit dieser Taktik kam die heute 29-Jährige auch zu einem Job mit ihrer Lieblingsband Rammstein. Sie verfasste einen Brief an den spanischen Fotografen Eugenio Recuenco, der damals zufällig ein Video mit Rammstein drehte und sie postwendend zum Shooting einlud. Laut eigener Aussage war dieser Videodreh ihr bisheriges Karriere-Highlight.

Melanie Gaydos sieht nicht aus wie andere Models. Ein Problem hat sie damit nicht, ihr Aussehen habe sie selbst nie gestört. Auf die Frage, was Schönheit für sie bedeute, antwortete sie zeitjung.de: “Schönheit ist für mich ein Zustand, ein Gefühl. Sich selbst völlig positiv zu sehen und zu akzeptieren, frei zu sein von jeglichen Einschränkungen von anderen. Ich glaube, wenn du mit dir selbst glücklich bist, sieht man das auch. Ich bin auch ein kleiner Hippie und glaube an positive Energien. Ich glaube, du wärst nicht in der Lage, etwas oder jemand anderen schön zu finden, wenn du es nicht schon in dir hättest.“

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Mit solchen Aussagen und ihrer außergewöhnlichen Karriere macht Melanie Gaydos Mut! Litt sie in ihrer Kindheit und Jugend oft unter herabwürdigenden Blicken ihrer Mitmenschen, ist sie heute eine selbstbewusste junge Frau mit einem Wahnsinns-Werdegang.

Wir sind uns sicher, dass wir noch viel von Melanie Gaydos hören und vor allem sehen werden, denn die Mode-Industrie ist im Umbruch und Vielfalt gefragter denn je.

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