DSDS hat eine Neue: Carolin Niemczyk über die Licht- & Schattenseiten des Lebens

Martyna Rieck

Carolin Niemczyk sitzt seit Beginn der aktuellen 15. Staffel von Deutschland sucht den Superstar in der Jury und hilft jungen Talenten dabei, ihren Weg im Musikbusiness zu gehen. Ihr hat damals kein Dieter Bohlen zur Seite gestanden. Soziale Medien bestanden noch aus MySpace und YouTube und echte Follower hatte niemand. Mit ihrer Band Glasperlenspiel musste sie sich, immerhin gemeinsam mit ihrem langjährigen Lebensgefährten Daniel, selbst den Weg durch den Ton-Dschungel bahnen – mit Erfolg. Seit mittlerweile mehr als acht Jahren treten sie zusammen auf. Heute erscheint das vierte Studioalbum Licht & Schatten. Doch nicht nur in Sachen Musik ist die gebürtige Polin und gläubige Christin ein Vorbild. Neben ihrem Job setzt sie sich als Patin zusammen mit UNICEF für bessere Bedingungen für Mädchen auf der ganzen Welt ein. Für uns hat sie sogar die Türen zu ihrer Berliner Wohnung geöffnet:

Longsleeve: Max Mara, Jeans: Cheap Monday, Ohrringe: Hermès, Heels: Saint Laurent

Du und Daniel arbeitet als Glasperlenspiel seit vielen Jahren in der Musikbranche. Wie hat sich diese seit eurem Start verändert?

Wir sind immer noch wahnsinnig viel auf Achse, gehen aber viel selektiver bei unseren Entscheidungen vor. Was wollen wir wirklich machen, worauf haben wir Bock und was bringt uns als Band weiter? Wir haben inzwischen eine genaue Vorstellung davon, wer Glasperlenspiel ist und wie alles drum herum aussehen soll. Anfangs ist man natürlich noch sehr unsicher, lässt sich viel reinquatschen und somit auch viele Entscheidungen abnehmen. Das ist heute nicht mehr so. Wichtig ist, dass von der Musik bis hin zum Artwork alles von uns selbst kommt.

Welche Tipps würdest du Frauen in der Musikbranche gern mit auf den Weg geben?

Man merkt leider direkt beim Hinschauen, dass die deutsche Musikbranche noch immer eine Männerdomäne ist. Da frag ich mich schon manchmal, wo die Frauenpower bleibt, obwohl ich aktuell eine Wendung ins Positive erkennen kann. Doch die Unterschiede sind trotzdem gravierend. So sind auch in Songwriter-Kreisen nur etwa zehn Prozent weibliche Kolleginnen. Dabei schreiben Frauen natürlich genauso fantastisch wie Männer, haben ein super Gespür für schöne und funktionierende Melodien und bringen eben eine ganz andere, weibliche Perspektive mit. Und auch hier gilt: Man kann nur das werden, was man vorgelebt bekommt. Wenn man mehr Frauen im Business sieht, traut man sich selbst diesen Beruf eher zu. Deshalb hier ein Appell an alle Frauen (inklusive mir selbst): Seid selbstbewusster und macht euer Ding!

Hast du schon mal Sexismus erfahren, obwohl du gemeinsam mit deinem Partner und Kollegen auf der Bühne stehst?

Zum Glück nicht. Ich fühle mich sowohl in meinem Privatleben als auch in meinem Job gleichberechtigt. Ich hoffe, dass Gleichberechtigung in der Zukunft kein Thema mehr sein muss, weil es in den Köpfen der Menschen zu etwas Selbstverständlichem geworden ist.

Foto: Patrycia Lukas, Styling: Maria Thomas & Sebastiano Ragusa, Make-up: Cécilia Bourgueil

Was war die kurioseste Situation, aus der ein Song entstand?

Wir hatten 2010 unser Signing-Dinner mit Universal. Das war damals mein erster Plattenvertrag. An diesem Abend hatte ich eine lange Diskussion mit dem Chef, der mich immer wieder herausforderte und fragte, was mich ausmache und wer ich sein will. Daraufhin schrieb ich den Song „Ich bin ich.“

Du bist Christin, unterscheidest aber ganz klar zwischen dem Glauben und der Institution Kirche. Was schätzt du am Christentum?

Es werden meiner Meinung nach wichtige Werte wie Freundschaft, Ehrlichkeit und Liebe vermittelt, die auch in unseren Songs eine Rolle spielen. Es gibt einen Leitsatz, eines der Zehn Gebote, nach dem ich lebe: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“

Was denkst du über den progressiven Papst Franziskus & wie stehst du zum Wandel der katholischen Kirche?

Cool – aber wenn man mal ehrlich ist, wurde das auch höchste Eisenbahn! Besonders die katholische Kirche ist in vielen Dingen weit hinterher. Zum Glück geht sie mit dem neuen Papst ein paar Schritte nach vorne.

Willst du kirchlich heiraten? Wenn ja – wird es dann eher eine deutsche oder eine polnische Hochzeit?

Das weiß ich ehrlich gesagt nicht, ich würde nie darauf bestehen. Es kommt auch immer darauf an, wie der Partner sich das vorstellt. Aber eine polnische Hochzeit fetzt schon, allein schon weil drei Tage lang gefeiert wird.

Ihr wohnt und arbeitet seit vielen Jahren zusammen. Trotzdem scheint ihr nicht eines dieser Paare zu sein, die nichts mehr alleine machen. Du weißt schon, eins dieser „wir mögen Golf“-Paare. Wie habt ihr das hinbekommen?

Ich glaube, unterschiedlicher als wir kann man gar nicht sein. Wir ergänzen uns deshalb einfach sehr gut, streiten uns aber zugleich auch oft wegen dieser Differenzen. Ich bin chaotisch, oft unpünktlich und unorganisiert. Daniel hat immer alles im Griff, macht mir Mut und unterstützt mich bei allem, was mir am Herzen liegt. Durch ihn bin ich definitiv stärker und selbstbewusster geworden.

Was ist deiner Meinung nach die wichtigste Zutat einer guten Beziehung, die über Jahre bestehen kann?

Verständnis und Freiraum für den jeweils anderen. Das ist uns sehr wichtig.

Carolin Niemczyk ,DSDS, 2018 Interview Foto: Patrycia Lukas, Styling: Maria Thomas & Sebastiano Ragusa, Make-up: Cécili

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Neben des Albumrelease, deinem Jurorjob bei DSDS und dem Privaten unterstützt du UNICEF als neue Patin für Mädchenrechte. Was würdest du für ein Projekt machen wollen, wenn du alle Zeit und alles Geld der Welt zur Verfügung hättest?

Ich würde mich für Bildung einsetzen, denn sie ist der Grundstein für ein Leben mit mehr Perspektiven. Es klingt so banal und einfach, aber das große Problem in vielen Ländern ist, dass Mädchen oftmals nicht in die Schule gehen, weil sie keinen sicheren Schulweg haben, es keine geschlechtlich getrennten sanitären Anlagen gibt, sie in ganz jungen Jahren schon arbeiten müssen oder zwangsverheiratet werden.

Was muss sich deiner Meinung nach in der Welt verändern, damit Mädchen die gleichen Chancen haben wie Jungs?

Ich glaube, diese Frage kann so pauschal nicht beantwortet werden. Das ist eine große Kultur- und Religionsfrage. Wenn ich jetzt allein von Deutschland ausgehe, würden wir schon einen großen Schritt gehen, wenn beispielsweise arbeitende Mütter mehr Unterstützung erfahren würden.

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Du bist zwar in Deutschland aufgewachsen, hast aber polnische Wurzeln. Wo fühlst du dich am heimischsten?

Heimat muss nicht unbedingt mit einem Ort zusammenhängen. Ich bin am Bodensee aufgewachsen und fühle mich dort natürlich zu Hause. Vor allem meine Freunde und meine Familie geben mir ein Heimatgefühl. Aber wenn ich die polnische Sprache höre, durchfährt mich ein wohliges Gefühl.

Was ist deine schönste Erinnerung an die Heimat?

Meine Uroma hat bis zu ihrem Tod in Schlesien gelebt und wir haben sie jedes Jahr besucht. Sie war einfach die coolste Frau der Welt.

Welchen Geruch verbindest du mit Polen?

Den Geruch von Streichholz-Qualm. Im Haus meiner Uroma mussten der Gasherd und der Boiler im Bad vor Gebrauch damit entzündet werden.

Du hast sicherlich eine modernere Küchenausstattung. Welche fünf Zutaten hast du immer da?

Spaghetti, Pesto, Olivenöl, Eier, Milch.

Du musst ein Gericht aus je einem roten, gelben, grünen, braunen und einem schwarzen Lebensmittel zubereiten. Was kochst du?

Ein Omelette mit roter Paprika, Champignons, Kräutern und Trüffeln.

Welches Gericht deiner Großmutter vermisst du am meisten?

Wenn ich nach Hause komme, macht meine Oma mir immer Kartoffelpuffer mit Apfelmus. Die vermisse ich sehr, wenn ich lange unterwegs bin, wie zur Zeit während der Dreharbeiten zu Deutschland sucht den Superstar.

Carolin könnt ihr jeden Samstag in der Jury von „Deutschland sucht den Superstar“ auf RTL sehen.

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