E-Scooter-Verleiher im Test: Tier macht das Rennen

Sandra Alter
Freiberufliche Journalistin
Wer macht das Rennen? (Symbolbild: Getty)

Wie gut sind Circ, Lime, Tier und Voi? Stiftung Warentest ließ die vier Verleiher gegeneinander antreten. Ergebnis: heiter bis holprig.

Erst seit 15. Juni dieses Jahres dürfen E-Scooter legal in Deutschland fahren. Mittlerweile sind über 40.000 Stück in mehr als 20 Städten zu finden. Stiftung Warentest wollte wissen, wie gut die Verleiher Circ, Lime, Tier sowie Voi sind und schickte Tester auf Berlins Straßen.

Die sollten überprüfen, wie gut sich die Roller fahren, ob die dazugehörigen Apps funktionieren, welche Daten sie von den Nutzern sammeln und ob die E-Scooter tatsächlich geeignet sind, zur Verkehrswende beizutragen.

Die drei geschulten Probanden – zwei Männer und eine Frau, unterschiedlich alt und groß, hatten die Aufgabe, Testfahrten auf einer festgelegten Strecke zu absolvieren. Sie protokollierten, wie einfach sich die Roller finden, ausleihen, abgeben und bezahlen ließen. Zudem überprüften sie das Fahr- und Bremsverhalten auf verschiedenen Untergründen und begutachteten per Checkliste den Zustand der E-Scooter.

In Sachen Fahrspaß waren sich die Prüfer schnell einig. Den bringen die Roller nur auf ebenem Untergrund. Auf Kopfsteinpflaster brachen sie die Fahrt sicherheitshalber ab und schoben die Roller. „Die 19 bis 21 Kilogramm schweren Gefährte auf den Gehweg zu wuchten, erwies sich als kräfteraubend. Zudem knallt die Unterseite des Trittbretts schnell mal gegen die Bordsteinkante. Wie lange der im Trittbrett verborgene Akku das mitmacht, ist unklar“, heißt es im Testbericht.

Auch das Abbiegen mit den Rollern sei problematisch, denn für Handzeichen und einhändiges Fahren seien die Scooter zu wacklig, langsamer werden und Schulterblick seien somit unverzichtbar.

Der Beste beim Fahrverhalten

In puncto Fahreigenschaften war Tier der klare Favorit der Prüfer. Sein Lenker war auch für den zwei Meter großen Tester noch hoch genug. Das Circ-Modell sei dagegen für große Menschen recht klein. Circ schnitt auch insgesamt bei der Fahrprüfung am schlechtesten ab, unter anderem, weil er sich bei Vollbremsungen als instabil erwies.

Voi hat den Prüfern ein „mittelprächtiges“ Fahrerlebnis beschert. Er hat von allen Modellen die kleinsten Räder, Unebenheiten bereiteten ihm Probleme. Auch von Lime, dem teuersten im Test, waren die Prüfer von Stiftung Warentest nicht überzeugt. Bei den Testfahrten schnitt er mit am schlechtesten ab, er wurde als instabil bewertet und zwei Roller ließen sich nicht gut bremsen.

Apps und Nutzerdaten

Am übersichtlichsten bewerteten die Probanden die Apps von Tier und Circ. Kritisch sahen die Verbraucherschützer jedoch, wie die Apps mit den Nutzerdaten umgehen. IT-Spezialisten von Stiftung Warentest nahmen die Apps der vier Anbieter genau unter die Lupe. Sie überprüften und analysierten den Datenstrom zwischen den Apps und den Internetservern. Alle Android- und iOS-Apps sendeten mehr Daten als für ihre Funktion erforderlich ist.

Die Fahrten sind teuer

Günstig sind die Fahrten mit den E-Scootern nicht. „Zur Entsperrgebühr von einem Euro kommen 15 bis 25 Cent pro Minute. Zehn Minuten kosten mindestens 2,50 Euro, am teuersten ist Lime. Die Beträge läppern sich, vor allem für Pendler, die die Roller regelmäßig nutzen wollen“, so Stiftung Warentest. Aber immerhin erfolge die Abrechnung über Kreditkarte oder Paypal unkompliziert via App.

Kein sauberes Verkehrsmittel

Auch bei der Hoffnung auf ein sauberes Verkehrsmittel seien die E-Scooter enttäuschend. Das liege vor allem an der ressourcenaufwendigen Herstellung sowie der Logistik rund um den Verleih. „Jede Nacht werden tausende Scooter mit Transportern eingesammelt, an zentraler Stelle geladen und gewartet und wieder auf die Straße gekarrt. Kurze Transportwege mit sauberen Fahrzeugen könnten den ökologischen Fußabdruck der Miet-Scooter verbessern“, so die Verbraucherschützer.

Übrigens: Eine Winterpause wegen schlechten Witterungsbedingungen, wollen die Verleiher nicht einlegen, wie eine Umfrage von Business Insider ergab. Lediglich die Flottengröße wollen einige anpassen. Tier gab an, dass man es sich nur für extreme Wetterbedingungen, etwa bei Eis und Schnee vorbehalte, die Roller zu sperren. Aber in Wien, wo Tier schon seit Oktober 2018 aktiv ist, sei das gerade mal an fünf Tagen vorgekommen. Außerdem will Tier die Scooter auch technisch für die Winterverhältnisse aufrüsten.

Den vollständigen Bericht von Stiftung Warentest zum Thema „E-Scooter-Verleiher“ finden Sie hier (kostenpflichtig).

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